"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Milchsee, der nicht sein muss" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 3. Februar 2009

Innsbruck (OTS) - Die EU fördert wieder Butterberge und ruiniert die heimischen Bauern.
Mit 442 Millionen Tonnen sind lediglich 39 Länder für 75 Prozent der weltweiten Milchproduktion verantwortlich. Doch diese Länder steigerten im Vorjahr ihre Produktion um 1,6 Prozent. Das führte letztlich bei einer schwächer werdenden Nachfrage zu einem enormen Preisdruck. Begriffe wie "Milchsee" und "Butterberge" feiern eine Renaissance. Jetzt will die EU jene Milchquote wieder abschaffen, die einst die Butterberge eingedämmt hat. Sie wurde heuer bereits um zwei Prozent erhöht. Dass es die Berggebiete bei dieser Politik frisst, liegt auf der Hand. Statt mit einer Quotenpolitik die Überproduktion einzudämmen, für faire Preise zu sorgen und in strukturell benachteiligten Gebieten eine flächendeckende Landwirtschaft zu ermöglichen, greift die EU zu Preisstützungen, um der Milchkrise Herr zu werden. Massenproduktion wird damit belohnt statt verhindert. Der ehemalige EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler verbannte seinerzeit die Stützungen für Agrarprodukte aus den politischen Lehrbüchern und forcierte vielmehr die Ökologisierung der Landwirtschaft. Dadurch sollte ein akzeptables Preisgefüge sowohl für den Bauern als auch den Konsumenten entstehen. Davon hat sich die EU aber leider verabschiedet. Die heimischen Molkereien können nur noch reagieren und auf Entspannung hoffen. Viel Geld wurde in den vergangenen Jahren in das Agrarmarketing gesteckt, jetzt wird sich zeigen, ob es gut investiert wurde. Wenn auch die "Qualität Tirol" nicht mehr zieht, dürften die Talfahrt bei den Erzeugerpreisen wohl ungehindert weitergehen und Hunderte Milchbauern ihre Stalltüren für immer schließen.

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