Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Kulturkämpfe"

Ausgabe vom 3. Februar 2009

Wien (OTS) - Sensation, Sensation! Die Unterrichtsministerin ist erwacht und bittet die Islamische Glaubensgemeinschaft, im Unterricht die Verfassung einzuhalten. Bisher war ihr das ja völlig wurscht. Obwohl sie seit Jahren (nicht zuletzt aus dieser Zeitung) von den Missständen wissen musste. Obwohl dieser - nur sehr wenige Moslems vertretende, aber den Unterricht total kontrollierende - Privatverein enge Beziehungen zum fundamentalistischen Saudiarabien und zur terroristischen Hamas hat.

Es sind wohl nur böse Journalisten, die einen Zusammenhang zwischen diesem Wegschauen und der Tatsache sehen, dass ein Funktionär jenes Vereins auch SPÖ-Gemeinderat in Wien ist, wo seine Partei ja für die nächsten Wahlen mangels anderer Stimmen intensiv auf jene von Moslems setzt.

Das Ministerium hat sich bisher hinter der Behauptung verschanzt, dass es den Staat nichts anginge, was von der Republik bezahlte Religionslehrer in der Schule verzapfen. Nun behaupten rot-grüne Medien und Politiker gar, dass man auch das Konkordat ändern müsse, wolle man da etwas tun.

Was für ein Unsinn! Erstens respektiert der katholische (wie der orthodoxe, evangelische, jüdische...) Unterricht den Rechtsstaat. Zweitens ist Unterstützung für Gewalt oder Selbstmordattentäter auch ohne Gesetzesänderung genauso rechtswidrig wie Aufrufe, Frauen nicht die Hand zu geben oder Mädchen nicht am gesetzlich vorgeschriebenen Sportunterricht teilnehmen zu lassen.

Das feige Unterrichtsministerium hätte einfach nur für die Beachtung der Verfassung in den Schulen sorgen und den Lehrplan, der die Lehre des "islamischen Straf- und Zivilrechts" verlangt, ändern müssen. Denn Österreich hat zufälligerweise schon ein brauchbares Straf- und Zivilrecht und braucht keinen Import totalitärer Ideologien.

Wirklich absurd wird es, wenn der ORF (zwecks Ablenkung?) voll Erregung die Ansichten eines neuen katholischen Bischofs mehr dramatisiert als die Rechtsverstöße im Islamunterricht. Des Bischofs Ansichten mag man ablehnen oder teilen - sie sind aber eine rein innerkirchliche Frage und verletzen in keiner Weise den Rechtsstaat.

Freilich: Solange die Kirche Öffentlichkeitsarbeit weiterhin so patschert betreibt wie zuletzt, öffnet sie selbst Kulturkämpfern alle Tore. Während der ständig Schmähs erzählende Verein Schakfeh wieder einmal hinter grün-rote Tore flüchten konnte.

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