Amazonien: Drei Bischöfe werden mit dem Tod bedroht

Brasilianische Bischofskonferenz schlug im Rahmen des Weltsozialforums (WSF) in Belem do Para Alarm

Brasilia, 2.2.09 (KAP) Drei Bischöfe des brasilianischen Amazonas-Bundestaats Para werden von Unbekannten mit dem Tode bedroht, darunter auch der Austrobrasilianer Dom Erwin Kräutler. Das wurde bei einer Veranstaltung der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) im Rahmen des Weltsozialforums (WSF) in Belem do Para bekannt. Thema war der Einsatz der Kirche in Amazonien für den Schutz des Regenwalds, der Menschenrechte und der Kleinbauern und Indios. Die drei am meisten gefährdeten Bischöfe seien Kräutler (Prälatur Xingu), Dom Jose Luis Azcona Hermoso (Prälatur Marajo) sowie Dom Flavio Giovenale (Prälatur Abaetetuba).

Bei der Veranstaltung prangerte der aus Spanien stammende Missionsbischof Azcona den Drogen- und Menschenhandel im Amazonasgebiet an. Einer seiner ebenfalls bedrohten Laienmitarbeiter sei bereits ermordet worden. Einem von der Polizei aufgezeichneten Telefongespräch zufolge ist auf den Bischof ein Kopfgeld in Höhe von umgerechnet rund 375.000 Euro ausgesetzt. Die Brasilianische Bischofskonferenz hat den bedrohten Kirchenleuten und den von ihnen verteidigten Menschen wiederholt ihre Solidarität ausgesprochen.

Kräutler berichtete beim WSF, dass die Abholzung des Regenwalds ungebremst weitergehe. Es gebe mehrere Gemeinden im Westen des Bundesstaats Para, in denen nur mehr zehn Prozent des Waldanteils von 1965 erhalten sei; Kräutler war in diesem Jahr aus Österreich nach Para gekommen. "Man kann sagen, dass es nicht einmal 30 Jahre gedauert hat, bis der Großteil des Regenwalds vernichtet war", so der Bischof. Jetzt gelte es, mit allen Kräften die noch vorhandenen Restwaldflächen zu bewahren.

Das WSF - es handelte sich um das neunte seit 2001 - war am Sonntag mit Appellen für eine fundamentale Veränderung der globalen Wirtschaftsordnung zu Ende gegangen. Nach fünftägigen Diskussionen und mehr als 2.000 Veranstaltungen trafen die Teilnehmer des Forums in Belem zu einer abschließenden Generalversammlung zusammen, in der die Ergebnisse zahlreicher Foren debattiert wurden. Zu dem Treffen waren laut Veranstalter insgesamt mehr als 100.000 Globalisierungskritiker, Gewerkschaftler, Professoren, Theologen, Studenten und Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen aus rund 150 Ländern nach Brasilien gereist.

Kritik am "Gott Markt"

Im Laufe der Woche waren fünf südamerikanische Staatschefs in Belem anwesend, darunter Brasiliens Präsident Luiz Inacio "Lula" da Silva und sein venezolanischer Amtskollege Hugo Chavez. Beide hatten angesichts der Finanzkrise harsche Kritik an den bestehenden Marktmechanismen geäußert und sich für eine stärkere Kontrolle durch den Staat ausgesprochen.

Zweites Hauptthema des Forums waren der Schutz des Amazonas-Regenwaldes sowie die Lebensbedingungen der dortigen Ureinwohner. Die Umweltschutzorganisation "Greenpeace" kritisierte in Belem vor allem die extensive Rinderhaltung in Brasilien, das weltweit Nummer Eins im Fleischhandel ist. Zwischen 1996 und 2006 wurden laut "Greenpeace" im Amazonas-Gebiet zehn Millionen Hektar Urwald für die Rinderzucht vernichtet, was in etwa der gesamten Waldfläche Deutschlands entspreche.

Bei der Systemkritik schloss sich Präsident "Lula" da Silva, sonst eher Pragmatiker, verbal der Fundamentalkritik an: "Die Krise entstand, weil während der achtziger und neunziger Jahre die Logik galt, der Staat könne nichts tun, der 'Gott Markt' werde das Land entwickeln und soziale Gerechtigkeit schaffen. Dieser 'Gott Markt' ist wegen fehlender Kontrolle und wegen Unverantwortlichkeit bankrott gegangen".

Das Treffen in Belem an der Mündung des Amazonas war wie jedes Jahr als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos deklariert. (Schluss)
K200901125
nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0005