WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kein Pardon dem Größenwahn - von Robert Gillinger

Eine schlechte Bank wird nicht besser, nur weil sie Bad heißt

Wien (OTS) - Ganze 300 Milliarden Euro an ausstehenden Krediten an osteuropäische Schuldner stehen also in den Büchern österreichischer Banken. Ein erheblicher Teil wurde als Fremdwährungskredit vergeben, auch dann noch, als der österreichische Schuldner bereits davor gewarnt wurde. Jetzt haben wir den Salat: Osteuropas Währungen gingen in den Sinkflug über und die in ausländischen Devisen aufgenommene Kreditschuld droht die Schuldner umzubringen. Im Worst Case verlieren die heimischen Banken damit auf einen Schlag eine Summe, die knapp 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Österreichs entspricht. Das könnte keine Bank schultern, daher auch der Canossa-Gang von Österreichs Spitzenpolitikern nach Deutschland und Brüssel - finanzielle Hilfe muss her.

Ein Lösungsansatz ist die zuletzt vielzitierte "Bad Bank" - der Staat kauft den Banken ihre risikoreichen Kredite/Wertpapiere ab und macht sie damit wieder handlungsfähig. Soweit die Theorie und Befürworter verweisen schnell auf Schweden, wo der Staat schlussendlich davon sogar profitierte. Verschwiegen wird dann gern, dass es ebenso Beispiele (USA und Schweiz) gibt, die den Steuerzahler jahrelang dafür bluten ließen. Die Crux an der Sache ist etwa die Bewertung, mit der die "Bad Bank" den Banken ihre Ramschware abnimmt. Sind es aktuelle Marktpreise, besteht derselbe Abschreibungsbedarf für das Institut, wie wenn es das gleich selbst machen würde. Also läuft alles auf eine Überzahlung solcher Assets hinaus - zum Schaden des Steuerzahlers. Nächstes Problem: Eine "Bad Bank" entlastet ganz gezielt jene Institute, die sich übernommen haben. Normalerweise geht so ein Unternehmen pleite, die Bad Bank verzerrt damit den Wettbewerb massiv. Außerdem - wofür eine Bad Bank? Österreichs Banker weisen doch seit Monaten darauf hin, dass sie eigentlich kein wirkliches Problem haben, manche von ihnen - "nur über meine Leiche" - mussten ihre Position aber bereits aufweichen. Ein Grundproblem der aktuellen Krise ist die Frage des Vertrauens. Schönrederei löst dieses Problem sicher nicht.

Verstaatlichung ist sicher das letzte aller Mittel. Doch wenn man eine Bank als zu wichtig ansieht, um sie den Weg des Wettbewerbs gehen zu lassen - und damit in die Pleite -, dann bleibt nichts anderes übrig. Hilfe ohne entsprechende Gegenleistung darf es nicht geben, sonst laufen wir schnurstracks in die nächste Blase - Risiko wird ja nicht bestraft, also nehmen wir es. Das Risiko für den Steuerzahler ist jedenfalls geringer, als wenn er nur "Bad Assets" für sein Geld bekommt. Bad heißt schlecht - nicht zu Unrecht.

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