Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Hier ist das Positive"

Ausgabe vom 30. Jänner 2009

Wien (OTS) - Wo bleibt das Positive? Dieser Vorwurf wird Journalisten oft gemacht. Gerade in grauen Zeiten sollte man doch auch schmunzeln können

Der Leser Wunsch sei uns, wie oft, Befehl.

Hellauf lachen kann man derzeit etwa über unsere Grünen: Denn ausgerechnet die angeblichen Basisdemokraten winden sich in argen Krämpfen, weil der von der Listenspitze weggeschossene Johannes Voggenhuber (er hatte sich den Luxus geleistet, öffentlich seine Meinung zu äußern) nun über Vorzugsstimmen ins EU-Parlament kommen will. Auf Kosten eines mausgrünen Apparatschicks (oder heißt es auf Gründeutsch: Apparatschickin?).

Zumindest erfreulich ist auch der Operndirektor, der die peinliche ORF-Berichterstattung vom Opernball zu kritisieren wagte. (Wie schön, ja geradezu nobel könnte doch der Ball wieder werden, würden dort überhaupt alle Kameras verboten...)

Jedenfalls lobenswert ist die vorausschauende Politik, die uns ein Übertauchen der Gaskrise ohne jeden Temperaturverlust ermöglicht hat. Das Lob hat wohl primär der OMV zu gelten, normalerweise Buhmann der Nation in Sachen Benzinpreis.

Zumindest unfreiwillig Grund zur Freude gab der Tiroler Landeshauptmann Platter mit dem Satz: "Es macht keinen Sinn, wenn es unterschiedlich entschieden wird in den einzelnen Ländern." Oh, wie klug und weise! Freilich nicht nur in Hinblick auf die von Platter gemeinten Bleiberechtsentscheidungen, sondern auch auf die vielen anderen Unsinnigkeiten des real existierenden Föderalismus.

Gar nicht groß genug kann das Lob für den Euro sein, der doch bei seiner Einführung auf so viel Skepsis gestoßen ist. Es wäre ein Albtraum, müssten wir in Zeiten des Orkans auch noch um den lieben alten Schilling bangen.

Und auch in der weiten Welt gibt es wirklich Positives. Ohne viel internationales Aufsehen ist etwa in den letzten Monaten ein guter Teil der Irak-Flüchtlinge wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Von Ulster bis Ruanda, von Südtirol bis Libyen wurden einst blutige Konflikte durch mühsam erarbeitete Einkehr von Vernunft, Kooperation und Toleranz beendet. Hoffentlich auf Dauer.

Sogar das jüngste Gaza-Drama hat positive Seiten: Hat doch Teheran strikt verboten, dass sich die zu Tausenden bereitstehenden iranischen Selbstmordattentäter einmischen. Ermutigend, selbst wenn nur Angst vor Israel das Motiv gewesen wäre.

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