Montecuccoli: Holz ist allem gewachsen - auch der Wirtschaftskrise

Multitalent Holz ist ein Produkt mit Zukunft - Land&Forst Betriebe Österreich fordern 1 Million Euro für Holzwerbung und Verschrottungsprämie für Betonbauten und Ölheizungen

Wien (OTS) - Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Europa und auf den globalen Märkten ist Holz ein Produkt mit Zukunft. "Kyrill, Paula und Emma haben den Forstbetrieben gemeinsam mit der Finanzkrise zwar ein sehr schwieriges Wirtschaftsjahr 2008 beschert, jetzt gilt es aber, Wege aus der Krise zu finden und die Branche nicht weiter krank zu jammern", meint Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich. Auch wenn Holz gegenüber Konkurrenzrohstoffen wie Beton deutlich unterbewertet ist, überzeugt es langfristig durch seine nachhaltige Produktion, als Instrument im Kampf gegen den Klimawandel und durch seine Qualität als Baustoff.

Rekordeinschlag in Österreich

Die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt auch bei den österreichischen Forstbetrieben ihre Spuren. Dazu kommt, dass die Forstwirtschaft 2007 und 2008 von den Stürmen Kyrill, Paula und Emma schwer getroffen wurde. Kyrill hat alleine in Österreich eine Schadholzmenge von 5,6 Millionen Festmeter verursacht, Paula und Emma weitere 8,1 Millionen. Insgesamt wurden nach den ersten Hochrechnungen im Vorjahr rund 22 Millionen Festmeter Holz in Österreich eingeschlagen. Damit wurde die Rekorderntemenge des Jahres 2007 noch einmal übertroffen. Gleichzeitig ist der Holzpreis zwischenzeitlich auf 67 Euro je Festmeter abgesunken. Daraus ergibt sich für die heimischen Forstbetriebe ein durchschnittlicher Gewinn von gerade einmal 5 Euro je Festmeter.

Geänderte Einschlagsstruktur reduziert Ertrag weiter

Bedingt durch den hohen Bruchholzanteil nach den Windwürfen hat sich 2008 auch die Struktur des Einschlages verändert. Das bedeutet eine weitere Verschlechterung der Ertragssituation. Nur mehr rund 55 Prozent des Einschlages 2008 waren das ertragsstärkere Sägeholz gegenüber 63 Prozent im Jahr davor. Dem gegenüber ist der Anteil von Energieholz von 22 Prozent auf 27 Prozent gestiegen. Auch der Anteil von Industrieholz hat sich von 15 auf 18 Prozent erhöht. Verbunden mit den Preisrückgängen sind die Durchschnittserlöse der Forstbetriebe dadurch um rund 10 Prozent gesunken.

Überangebot von Schnittholz in Europa - Produktionen werden zurückgenommen

Die heimischen Sägewerke und die Papier- und Plattenindustrie haben aufgrund des Rekordeinschlags ihre Importe deutlich zurückgenommen. Während 2007 noch fast 9 Millionen Festmeter Rundholz importiert wurden, lag die Importmenge im Jahr 2008 nur mehr bei rund 7,5 Millionen Festmeter. Das Jahr 2007 war zudem durch große Importmengen aus den Kyrillschadgebieten in Mitteleuropa geprägt.

Ende 2007 war eine enorme Aufbruchsstimmung in der Branche zu verzeichnen. Aus diesem Grund wurden zahlreiche Projekte zur Steigerung der Holzernte gestartet, um die steigende Nachfrage nach Holz zu bedienen. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Projekte, die unmittelbar aufeinander folgenden Schadereignisse, neue Sägekapazitäten in unseren Nachbarländern und die einsetzende Wirtschaftskrise mit einem Rückgang des Holzverbrauches haben 2008 zu einem Überangebot von Schnittholz in Europa geführt. Darüber hinaus sind die europäischen Holzexporte in die USA praktisch zum Erliegen gekommen. Nur mehr 600.000 Hausneubauten statt der üblichen 1,8 Millionen pro Jahr sind die Ursache. Die gesamte Sägeindustrie im Euroraum ist gezwungen die Schnittholzproduktion zurückzunehmen. Schweden und Rumänen nutzen derzeit noch ihre Währungsvorteile am Holzmarkt aus und verbessern ihre Marktstellung.

Die heimische Sägeindustrie hat ihre Produktion wegen massiver Absatzprobleme schrittweise zurückgefahren. Während 2007 noch ein Rekordeinschnitt von 11,3 Millionen Festmetern zu verzeichnen war, ist die Produktion 2008 auf 10,2 Millionen Kubikmeter gesunken. Für 2009 ist derzeit bestenfalls eine Produktion von 9 Millionen Kubikmeter zu erwarten. Auch die Papier- und Plattenindustrie muss ihre Produktion wegen rückläufiger Nachfrage deutlich reduzieren.

Die heimischen Schnittholzexporte sind 2008 auf 4 Millionen Kubikmeter zurückgegangen. Auch der Kernmarkt Italien musste einen Rückgang in Kauf nehmen. Das spüren zuerst die Endverarbeiter, dann die Sägen und schließlich die Forstwirtschaft.

Betriebsergebnis für Forstbetriebe geht Richtung Null

Die derzeitige Ertragssituation bereitet den Forstbetrieben große Sorgen. Bedingt durch die niedrigen Schnittholzpreise, die der Sägeindustrie kaum Spielraum lassen, zeigen auch die Rundholzpreise einen Trend nach unten. Mit Holzpreisen unter 70 Euro je Festmeter kann man vor allem im Gebirge keine nachhaltig erfolgreiche Forstwirtschaft betreiben. Durch den aus Marktgründen niedrigeren Einschlag und durch die aktuelle Preissituation nähert sich das Betriebsergebnis für die Forstbetriebe mittlerweile gegen Null. Auch die waldbaulichen Folgekosten der Kalamitäten und die notwendige Sanierung der Forststraßen belasten die Forstbetriebe.

Die heimischen Forstbetriebe reagieren auf die reduzierte Nachfrage. Der Einschlag wird im Jahr 2009 bei etwa 18,7 Millionen Festmeter liegen. Die Rücknahme des Einschlages deckt sich sehr gut mit dem Absatzindikator des Holzkuriers, der aktuell unter 90 Prozent und somit im "roten Bereich" liegt. Verbunden mit einem leichten Plus an geplanten Importen ist die Versorgung der Holzindustrie für das Jahr 2009 dennoch gesichert.

Potenzial Wald - Wege aus der Krise

Krise bedeutet auch immer Chance. Gerade jetzt zeigt sich der Wert von Holz als Energieträger, Werk- und Baustoff gegenüber Konkurrenzprodukten. Holz ist erneuerbar und klimafreundlich. Und es ist genug da, wie auch die jüngst veröffentlichte Studie zum Holz-und Biomasseaufkommen des Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) im Auftrag des Lebensministeriums zeigt. Ein weiteres schlagendes Argument ist der Preis - Heizen mit Holz ist um bis zu 65 Prozent günstiger als mit Gas oder Öl. Damit ist Holz ein guter Weg aus der Abhängigkeit von Energieimporten, die uns innerhalb weniger Jahre ein Defizit der Außenhandelsbilanz von 9,3 Milliarden Euro beschert haben. Das entspricht dem Wert von über 26.500 Einfamilienhäusern.

Holz ist ein Bau- und Werkstoff mit Zukunft

Die Verwendung von Holz ist aktiver Klimaschutz: Jeder Kubikmeter Holz, der als Ersatz für andere Bau- und Werkstoffe dient, reduziert die CO2-Emissionen um durchschnittlich 1,1 Tonnen. Als Baustoff überzeugt es durch hohe Festigkeit, Trag- und Widerstandskraft. Es ist gleichzeitig leicht und belastbar, besitzt hohe wärmedämmende Eigenschaften und ermöglicht nachhaltiges und ökologisches, effizientes und energiesparendes Bauen. Die im mehrgeschossigen Holzbau übliche Rahmenbauweise spart 50 Prozent der CO2-Emissionen im Vergleich zur herkömmlichen Ziegel/Beton-Bauweise.

Holz ist auch ein innovativer Werkstoff: neu entwickelte Werkstoffe und Chemikalien auf der Basis von Holz können Produkte aus fossilen Rohstoffen ersetzen und eröffnen ein breites Feld neuartiger Anwendungen und Märkte in den Bereichen Medizin, Pharmazie, Ernährung und Kosmetik. Neue Anwendungsbereiche für Zellstoff gibt es etwa bei Verpackungen, Konstruktionsmaterialien, Autoteilen, Textilien etc.

Holz ist ein Multitalent, das ökologisch einwandfrei ist und die Wertschöpfung im Inland lässt, betonte Felix Montecuccoli. Die Land&Forst Betriebe Österreich fordern daher einmal mehr

  • die gezielte Berücksichtigung von Holz beim Bau und in der öffentlichen Beschaffung schon bei Ausschreibungen
  • die Förderung der thermischen Sanierung privater Häuser - auch beim Zweitwohnsitz
  • eine Verschrottungsprämie für Betonbauten und Ölheizungen
  • 1 Million Euro für die Holzwerbung, um den Alleskönner Holz bei den Konsumenten besser zu platzieren.

Rückfragen & Kontakt:

Land&Forst Betriebe Österreich, Karin Seifert
Tel. 01/533 02 27-17 email: seifert@landforstbetriebe.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | LUF0001