"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Keine Macht den Extremisten" (Von IRENE HEIZS)

Ausgabe vom 29. Jänner 2009

Innsbruck (OTS) - Moslemkinder müssen lernen, ihre Religion mit Europas Werten zu vereinbaren.

Anas Schakfeh ist ein gebildeter, feinsinniger Mann. Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGIÖ) arbeitet glaubwürdig für ein gedeihliches Zusammenleben der Menschen verschiedener Konfessionen. Wissend um die prekäre Lage der Moslems in der westlichen Welt, neigt er allerdings zur Untertreibung, wenn es darum geht, Probleme zu analysieren und zu lösen.

Mit der Qualität des islamischen Religionsunterrichts gibt es, wie der Falter recherchierte, ein massives Problem. Und das geht Schakfeh direkt an - nicht nur als Chef der offiziellen Vertretung der Moslems in Österreich, sondern auch und vor allem in seinem Brotberuf: Er ist Dozent an der Islamischen Religionspädagogischen Akademie in Wien, Religionsfachinspektor und Leiter des Schulamtes der IGGIÖ, also unmittelbar zuständig für die Kontrolle der Lehrkräfte.

Die Einstellung eines knappen Viertels der Islamlehrer zu Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten ist skandalös, schockierend und keineswegs achselzuckend als Konglomerat wirrer Privatmeinungen abzutun - u. a. deshalb nicht, weil auch Islamlehrer von diesem säkularen, aber toleranten Staat finanziert werden, den sie so vehement ablehnen.

Die Moslems sind zahlreich und stehen dennoch am Rand der europäischen Gesellschaft. Diese potenzielle Quelle für Extremismus auszutrocknen, ist eine der drängendsten Aufgaben für alle gesellschaftspolitisch wirksamen Kräfte. Religionslehrern kommt hier eine zentrale Rolle zu. Gerade sie müssen fachlich und pädagogisch auf der Höhe der Zeit darauf hinarbeiten, den Islam mit unverzichtbaren und nicht diskutierbaren europäischen Werten vereinbar zu machen.

Das Weltbild ihrer Kinder Fanatikern anheimzustellen, widerspricht nämlich auch den vitalen Interessen von Moslems, die zu Recht Anspruch auf einen Platz innerhalb der Gesellschaft erheben, in der sie leben.

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