Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Enten, Musiker und Steinhof"

Ausgabe vom 29. Jänner 2009

Wien (OTS) - Tagebuchschreiber haben es gut: Sie bekommen keine Magengeschwüre, weil sie sich ihren täglichen Ärger wegschreiben können. Zumindest so viel davon, wie im Tagebuch Platz hat.

Anlass 1: Die Degeneration des ORF zu einer grünen Parteisektion hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Peter Pilz, der Enten-Produzent der Nation, bekommt einen "Zeit im Bild"-Auftritt, nur um dort anzukündigen, dass er demnächst irgendetwas ankündigen wird. Er sagt nur nicht was. Da muss das "Frühjournal" in Sachen grünem Unjournalismus gleichziehen und interviewt einen Grünprofessor, der noch nie beim Weltwirtschaftsforum war, zu demselben. Wie gut, wer auf seinem Kabel- oder Satellitenradio die BBC gespeichert hat, wo man sich noch informieren kann.

Anlass 2: Wiens Grüne verlangen die gänzliche Schließung von Steinhof. Begründung: "Damit niemand mehr stigmatisiert wird". Wie rührend naiv! Als ob der Name das Problem psychiatrischer Patienten wäre. Als ob das Verbot der Vokabel "Zigeuner", "Neger" oder "Behinderter" etwas an einschlägigen Stigmatisierungen geändert hätte.

Anlass 3: Die sonst so energische Innenministerin hat uns bis heute nicht erklärt, wieso sie nach dem Tschetschenen-Mord eigentlich die Unwahrheit gesagt hat, nämlich dass das Opfer gar nicht um Schutz angesucht hätte. Falls sie dabei selbst angeschwindelt worden ist, hätte zumindest ein Schwindler seinen Posten verlieren müssen.

Anlass 4: Unbeantwortet ist auch die Frage, was russische Kontaktbeamte wochenlang im Innenministerium getan haben. Jede Unterstützung für eine Ministerin, die dort endlich für Recht und Ordnung sorgt, aber null Sympathie für Kooperationen mit blutbefleckten Unrechtsregimen.

Anlass 5: Sehr übel ist auch das stramm realsozialistische Obrigkeits-Denken im neuen Sozialbericht:
"Sozialversicherungspflichtige Arbeit kann und darf durch bürgergesellschaftliches Engagement nicht ersetzt werden." Ach ja? Wenn katholische Jugendliche am Wochenende Altersheime ausmalen (was ja auch sozialversicherungspflichtige Arbeiter könnten), wäre das diesem Satz zufolge also genauso zu verbieten wie Auftritte von Amateur-Musikkapellen (die den Philharmonikern Arbeit nehmen), von Freiwilligen Feuerwehren usw.

Jetzt ist es niedergeschrieben - und ärgert immer noch...

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
redaktion@wienerzeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWR0001