Neuer Konflikt um Leopold-Museum.

Sammler gegen Präsidium der Kultusgemeinde: "Verleumder- und Lügnerclique."

Wien (OTS) - Der Konflikt um angebliche Raubkunst-Exponate im
Wiener Leopold-Museum eskaliert neuerlich. Anlass ist ein Brief des Präsidiums der Wiener Kultusgemeinde, Ariel Muzicant und Erika Jakubovits, zum Jahreswechsel an Sammler Rudolf Leopold: Das "Leopold Raubkunst Museum" habe ein weiteres Jahr verstreichen lassen, ohne Raubkunst zu retournieren, was per Stiftungsbeschluss jederzeit geschehen könne. Auch gesetzlich sei man abermals nicht verpflichtet worden, "NS-Raubkunst zurückzugeben ... obwohl laut Verfassungsrechtler Walter Berka eine Ausweitung des Rückgabegesetzes auf Privatstiftungen verfassungsrechtlich unbedenklich wäre (...) Das Museum wurde mit Mitteln des Bundes erbaut, die laufenden Kosten werden durch staatliche Subventionen abgedeckt. Daher gibt es keinen Grund, die Stiftung Leopold anders als andere bundeseigene Sammlungen zu behandeln." Der Brief verweist auch auf "mehrere Millionen Euro an Steuergeld", die der Prozess um das in New York beschlagnahmte "Bildnis Wally" schon gekostet habe. Man werde das Problem der "NS-Raubkunst im Leopold Museum" jedenfalls auch im neuen Jahr thematisieren.

Leopold antwortete nun in einem Brief, den er NEWS übermittelte. Adressiert ist er "an die Verleumder- und Lügnerclique Muzicant, Jakubovits und Konsorten", entgegnet werden - so Leopold - sieben "Lügen". So dürfe die Stiftung Exponate gar nicht einfach retournieren, die Prozessmillionen um das "Bildnis Wally" wären ohne Hilfe des Staates aufgebracht worden, das Berka Gutachten wäre "von der Kultusgemeinde bestellte und bezahlt" und würde durch Gegengutachten widerlegt. Schließlich wäre "ohne diese meine Stiftung das ganze Museumsquartier nicht errichtet" worden - der vom Staat entrichtete Gegenwert für die Sammlung betrage heute nur noch 5 Prozent der Sammlung, die öffentliche Hand leiste bloß ein Drittel bis ein Fünftel dessen, was andere Museen bekämen. Leopold weiter:
"Im Gegensatz zu anderen Museen waren wir bereit, außer einem eigenen noch zwei fremde Provenienzforscher die angeblichen Problemfälle untersuchen zu lassen. Wie uns die Proveninenzforscher mitteilen, wurde diese Liste nicht von ihnen erstellt, sondern von Eva Blimlinger (Restitutionsbeirat des Bundes, Anm.), die sich Historikerin nennt und zu völlig einwandfreien Fällen falsche Besitzernamen hinzufügt."

Von der strittigen Herkunft des in gutem Glauben erworbenen Schiele-Bildes "Häuser am Meer" habe er erst 1998, nach Öffnung der Archive, erfahren. Er habe damals Muzicant aufgesucht und eine Entschädigung aus eigener Tasche angeboten. Der Präsident der Kultusgemeinde habe erwidert: "Sie sind der einzige, der die Moral hat und von selbst eine Entschädigung anbietet. Ich komme in einer Woche auf Sie zu, um mit Ihnen ein Abkommen zu schließen." 13 Monate später habe er davon allerdings nichts wissen wollen. Die Kultusgemeinde, so Leopold, hintertreibe die Einigung mit den Erbberechtigten für das Bild. "Die Kultusgemeinde will nur zu viel Geld kommen. Und eine Versteigerung bringt eben mehr und damit auch höhere Prozente. Leider traut sich niemand, gegen Muzicant vorzugehen, weil die Sozialdemokraten wichtige und ehrenvolle jüdische Führer hatten. Er kann sich mittlerweile alles erlauben."

Präsident Muzicant, von NEWS zu Leopolds Brief und den in ihnen enthaltenen Vorwürfen befragt: "Ich könnte antworten, denke aber nicht daran, mich auf diesem Niveau mit ihm auseinanderzusetzen." Die gleichfalls attackierte Exekutivdirektorin Erika Jakubovits bietet Versöhnung an: "Lernfähigkeit und das Bewusstsein für Unrecht sind keine Fragen des Alters. Ich würde ihm jederzeit die Hand reichen, wenn er das Richtige tut."

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