Bischof Scheuer: "Es gibt kein Zurück hinter das Zweite Vaticanum"

"Ökumene-Bischof" verurteilt Leugnung der Shoah durch lefebvrianischen Bischof "auf das Schärfste" - Volle Einheit mit "Pius-Bruderschaft" nur möglich, wenn die Lefebvrianer die Werte des Konzils anerkennt

Innsbruck, 28.01.09 (KAP) "Es gibt kein Zurück hinter die im Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleitete Umkehr im Verhältnis der Kirche zum Judentum". Das hat der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer -der gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Ökumene zuständig ist - am Mittwoch in einer Stellungnahme zur Aufhebung der Exkommunikation der vier lefebvrianischen Bischöfe betont. In dieser Stellungnahme weist er auch die Leugnung der Shoah durch den lefebvrianischen Bischof Richard Williamson "auf das Schärfste" zurück. Papst Benedikt XVI. habe mit der Aufhebung der Exkommunikation den Weg geöffnet, um eine bestehende Spaltung der Kirche zu überwinden, so Scheuer. Im Dekret werde aber hervorgehoben, dass bis zur Herstellung der vollen Einheit zwischen der "Pius-Bruderschaft" und der katholischen Kirche noch weitere Schritte notwendig sind.

Eine solche Versöhnung werde nur möglich sein, wenn seitens der "Pius-Bruderschaft" jene Werte, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil als katholische Glaubenswerte wiederentdeckt wurden, voll anerkannt werden, stellte Scheuer klar. Dies bedeute vor allem, dass Katholiken anderen Christen, den Juden und überhaupt "allen Menschen, ob Glaubende oder Nichtglaubende, in jener Haltung begegnen, die ihnen als Kinder Gottes gebührt".

Der Innsbrucker Bischof verurteilt die Leugnung der Shoah durch Williamson. Die Aufhebung der Exkommunikation könne in keiner Weise als Billigung der Aussagen des Briten verstanden werden, der den industriellen Massenmord der Nationalsozialisten an jüdischen Menschen leugnet.

Viele in den letzten Jahrzehnten gesetzte Akzente der Versöhnung zeugten vom "Wunder der Glaubenssolidarität zwischen dem Volk Israel, das Gott zuerst geliebt hat, und der Kirche Jesu Christi", so Scheuer. Der Innsbrucker Bischof erinnerte in diesem Zusammenhang an das Verbot der Verehrung des Anderl von Rinn durch seinen Vorgänger Reinhold Stecher. (forts.)
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