• 28.01.2009, 09:29:32
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10 Jahre WWU - Erfolge, Schwächen und Herausforderungen

Wien (OTS) - 10 Jahre nach der Vollendung der Europäischen
Wirtschafts- und Währungsunion ist eine ambivalente Bilanz zu ziehen.
Zum einen trug die Einführung des Euro zur Preisstabilisierung bei,
der Euro etablierte sich neben dem Dollar als zweite Weltwährung. Die
Schaffung der Währungsunion begünstigte auch den Handel innerhalb des
Euro-Raums. Österreich konnte von der Einführung des Euro durch eine
zusätzliche Steigerung des realen BIP um 0,3 Prozentpunkte pro Jahr
profitieren. Der erwartete stärkere Wachstumsbonus blieb für den
Euro-Raum insgesamt bisher aus. Das Wirtschaftswachstum war im
Euro-Raum verhaltener als in Ländern, die nicht dem
Euro-Währungsgebiet angehören. Trotz der komplizierten,
asymmetrischen wirtschaftspolitischen Architektur der WWU haben die
Institutionen während der internationalen Finanzkrise gut und rasch
zusammengearbeitet und versucht, durch ein möglichst koordiniertes
Vorgehen den Schaden für den Finanzsektor und die Konjunktur
abzufedern. Für manche Länder außerhalb des Euro-Raums hat die
gemeinsame Währung in der Krise an Attraktivität gewonnen.

Die Bilanz über die 10 Jahre seit der Vollendung der Wirtschafts-
und Währungsunion ist ambivalent. Zum einen trug die WWU zur
Preisstabilisierung bei und etablierte den Euro als zweite
Weltwährung. Sie dürfte auch den Handel im Intra-Euro-Raum begünstigt
haben, da sie Wechselkursunsicherheiten beseitigte, wie sie vor 1999
sogar den Binnenmarkt gefährdet hatten. Gerade in der internationalen
Finanzkrise hat der Euro seine Stärke und Attraktivität bewiesen. Zum
anderen blieb der erwartete Wachstumsbonus bisher aus: Das
Wirtschaftswachstum war im Euro-Raum verhaltener als in jenen
EU-Ländern, die nicht dem Euro-Währungsgebiet angehören.

Die politische Architektur der WWU impliziert einen großen
Koordinationsaufwand der Fiskalpolitik. Kritisiert wird eine
isolierte Geldpolitik der EZB, die von der Wirtschaftspolitik der
EU-Länder unabhängig und mit ihr nicht koordiniert wäre. Daher wird
wiederholt zuletzt von Frankreich eine "europäische
Wirtschaftsregierung" als Gegengewicht zur EZB gefordert. Das
Management der jüngsten Finanzkrise hat aber gezeigt, dass im
Ernstfall die Abstimmung von Geld- und Fiskalpolitik gut funktioniert
und die in der WWU verfügbaren Koordinationsinstrumente ausreichen.
Damit dürfte die Kritik an der gegenwärtigen Governance der WWU,
wonach der Euro-Raum zerfiele, wenn sich nicht eine politische Union
herausbilde, widerlegt worden sein.

Zu den künftigen Herausforderungen für die WWU zählen die Aufnahme
neuer Länder in die Währungsunion, das Auseinanderdriften der
Wettbewerbsfähigkeit zwischen den Ländern des Euro-Raumes und die
noch ungenügende Herausbildung eines "europäischen Konjunkturzyklus"
sowie die stärkere Koordination und Abstimmung von Geld- und
Fiskalpolitik nicht nur in Krisenzeiten. Gerade in der jüngsten
weltweiten Finanzkrise spiegelt sich das Fehlen eines "Europäischen
Konjunkturzyklus" in einer Zunahme der Risikodifferenzen bei der
Emission von Staatsanleihen: Euro-Länder mit schlechterer Bonität
müssen deutlich höhere Risikoaufschläge zahlen als Länder mit
führender Finanzmarktposition.

Das WIFO geht in seinem jüngsten Monatsbericht auch der Frage
nach, wieweit Österreich von der Einführung der gemeinsamen Währung
profitiert hat. Österreichs Wirtschaft schneidet im Zeitraum
1999/2008 gemessen an fast allen gesamtwirtschaftlichen Indikatoren
besser ab als der Durchschnitt des Euro-Raums und jener der EU 15. Zu
den Vorteilen der Einführung des Euro zählt trotz der häufigen
subjektiven Einschätzung des Euro als "Teuro" die hohe
Preisstabilität. Weiters trug die Währungsunion dazu bei, Österreichs
Wirtschaft gegenüber den Gefahren der Globalisierung abzuschirmen,
etwa durch die Dämpfung der Hausse der in Dollar fakturierten
Rohwarenpreise oder durch die Stabilität in Zeiten internationaler
Finanzkrisen. Die gemeinsame Währung erleichtert zudem den Handel
innerhalb des Euro-Raums, weil die Unsicherheit von
Wechselkursschwankungen wegfiel und weil sich die Abwicklung
vereinfacht hat. Österreich ist neben Deutschland das einzige Land,
das seit Einführung des Euro seine Wettbewerbsfähigkeit (gemessen an
den Lohnstückkosten) gegenüber den Handelspartnern im Euro-Raum
deutlich steigern konnte (seit Inkrafttreten der Währungsunion +6%,
Deutschland +15%).

Gemäß Modellsimulationen erhöhte sich das reale BIP in Österreich
in den letzten zehn Jahren infolge der Einführung der gemeinsamen
Währung zusätzlich um rund 0,3 Prozentpunkte pro Jahr.
Ausschlaggebend dafür waren die Wechselkursstabilität und die damit
einhergehende Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, die
Produktivitätssteigerung und die konsequente Fiskalpolitik im Rahmen
der wirtschaftspolitischen Koordinationsprozesse der EU.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem
WIFO-Monatsbericht 1/2009 ( http://www.ots.at/redirect.php?wifo1 )

Tabellen und Graphiken zu den Presseaussendungen des WIFO finden
Sie jeweils auf der WIFO-Website,
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12.

Rückfragehinweis:
Univ.-Prof. Dr. Fritz Breuss
Tel. (1) 31336/4138, [email protected]

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