Deutsche Bischöfe fordern Bekenntnis der Lefebvrianer zum Konzil

Bischof Mussinghoff kritisiert "auf das Schärfste" die Leugnung des Holocaust durch den britischen Lefebvrianer Richard Williamson

Berlin, 26.1.09 (KAP) Die deutschen Bischöfe haben die lefebvrianischen Bischöfe aufgefordert, sich "unmissverständlich und glaubwürdig" zum Zweiten Vatikanischen Konzil zu bekennen. Nach dem "übergroßen Entgegenkommen des Papstes" werde nun eine klare Aussage der vier lefebvrianischen Bischöfe besonders zum Konzilsdokument "Nostra aetate" erwartet, erklärte der Vorsitzende der Kommission der deutschen Bischöfe für die Beziehungen zum Judentum, Diözesanbischof Heinrich Mussinghoff (Aachen), am Montag in Bonn. Im Dokument "Nostra aetate" stellte die Kirche ihr Verhältnis zum Judentum auf eine neue Basis und erteilte jeglichem Antisemitismus eine Absage. Dieses Anliegen habe sich besonders Johannes Paul II. in seinem langen Pontifikat "beharrlich und segensreich" zu eigen gemacht.

Mussinghoff kritisierte namens der deutschen Bischöfe "auf das Schärfste" die Leugnung des Holocaust durch den britischen Lefebvrianer Richard Williamson. Darüber hinaus hätten die vier lefebvrianischen Bischöfe und andere Verantwortliche der "Pius-Bruderschaft" oft deutlich gemacht, dass sie die Konzilserklärung "Nostra aetate" über die Beziehung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, vor allem zum Judentum, nicht beachten wollen. Das Dekret über die Aufhebung der Exkommunikation spreche von "noch offenen Fragen", deren Lösung in Gesprächen zwischen dem Heiligen Stuhl und der "Pius"-Bruderschaft noch anstehe.

Nach den Worten des Aachener Bischofs ist das von Kardinal Giovanni Battista Re, dem Präfekten der Bischofskongregation, unterzeichnete Dekret "Ausdruck des päpstlichen Willens, ein bestehendes Schisma aufzuheben". Die katholischen Bischöfe in Deutschland unterstützten den Papst in seinem Bemühen, den Skandal kirchlicher Spaltung zu überwinden.

In seiner Erklärung nahm Bischof Mussinghoff auch auf andere "Irritationen" im katholisch-jüdischen Verhältnis Bezug. So habe es nach den bedrückenden Tagen des Gaza-Krieges auch von katholischer Seite eine Kritik am Staat Israel gegeben, die man zurückweisen müsse. Mussinghoff verwies darauf, dass der Herausgeber der "Katholischen SonntagsZeitung für Deutschland", Dirk Hermann Voß, in einem Leitartikel den israelischen Einsatz im Gaza-Streifen als "wie in einem Blutrausch" bezeichnet und ihn als "vollständig der Logik der Gewalt" verschrieben dargestellt hatte. Damit seien die Grenzen einer argumentativen und begründbaren Kritik an der Politik des Staates Israel eindeutig überschritten. Protest und Klage seien angesichts der Opfer in der jüngsten kriegerischen Auseinandersetzung sehr wohl verständlich. Aber das Recht auf Sicherheit des Staates Israel und seiner Bürger dürfe nicht durch eine undifferenzierte Kritik faktisch bestritten werden. (forts)
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