Wien: Fachtagung zum Forschungsprojekt "Pius XI. und Österreich"

Hochkarätig besetzte Historikerkonferenz an der Universität Wien am 30. Jänner soll Vorgehensweise bei der Erschließung der Archivbestände zum Pontifikat Papst Pius XI. (1922-39) sondieren

Wien, 27.1.09 (KAP) Eine hochkarätig besetzte Fachtagung in Wien will die weiteren Forschungsarbeiten und notwendigen nächsten Schritte bei der Erschließung der 2006 geöffneten Archivbestände zum Pontifikat Papst Pius XI. (1922-39) sondieren. Initiiert wird die Tagung, die am Freitag, 30. Jänner, stattfindet, von einem Wissenschaftlichen Komitee unter der Leitung des Wiener Kirchenhistorikers Prof. Rupert Klieber. Neben Prof. Klieber gehören dem Komitee der Klagenfurter Historiker Prof. Werner Drobesch, der St. Pöltener Diözesanarchivar Thomas Aigner sowie Andreas Gottsmann von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an.

Wie Prof. Klieber im Gespräch mit "Kathpress" betonte, werfe das Pontifikat Pius XI. auch für Österreich und die Entwicklung der Ersten Republik einige höchst interessante und spannende historische Fragen auf. So verwies Klieber etwa auf die Frage nach den vatikanischen Reaktionen auf die Vorgänge rund um den sogenannten "Anschluss" Österreichs im März 1938. Darüber hinaus bestünde auch im Blick auf die Verflechtungen des Priesters, Politikers und Bundeskanzlers Ignaz Seipel (1876-1932) mit Rom weiterer Klärungsbedarf, so Klieber. Zudem gebe es noch offene Fragen zum 1933 unterzeichneten Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Österreich. Neue Erkenntnisse erhofft sich der Historiker außerdem zu den österreichischen Bischofsernennungen unter Pius XI., darunter die Ernennung von Kardinal Theodor Innitzer.

Insgesamt soll die Tagung laut Klieber vor allem der Sondierung zum weiteren Vorgehen bei den Forschungsarbeiten dienen. Angedacht sei etwa die Vergabe von eigenen Forschungsstipendien durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften. Ein erstes dieser Forschungsstipendien wurde bereits an den jungen Nachwuchswissenschaftler Jürgen Steinmair von der Universität Wien vergeben, der über "Ignaz Seipel und die römische Kirchenzentrale" in Rom forscht und im Rahmen der Tagung von seiner Arbeit berichten wird.

Der Vatikan hatte die Archivbestände zum Pontifikat Pius XI. im September 2006 für die historische Forschung geöffnet. Bereits 2003 waren die Deutschland betreffenden Akten aus dem Pontifikat von Pius XI. für Forschungszwecke zugänglich gemacht worden. Vor Ablauf der üblichen Sperrfrist von 70 Jahren konnten Wissenschaftler die Akten des Staatssekretariats und der Apostolischen Nuntiaturen in München und Berlin aus der betreffenden Zeit einsehen. Der Heilige Stuhl reagierte mit der Öffnung u.a. auf die immer wieder vorgebrachten Vermutungen, der Vatikan halte wichtige Dokumente aus der NS-Zeit unter Verschluss.

Online-Edition der Nuntiaturberichte Pacellis

Eröffnet wird die Tagung an der Universität Wien mit einem Einleitungsvortrag von Prof. Klieber, gefolgt von Ausführungen über "Das Österreichische Staatsarchiv und das Vatikanische Geheimarchiv" von Andreas Gottsmann. Johann Weißensteiner vom Archiv der Erzdiözese Wien wird die Arbeit der österreichischen Diözesanarchive vorstellen.

Der Vormittag wird mit einem "Round-table-Gespräch" beendet, an dem u.a. die Wiener Diözesanarchivarin Annemarie Fenzl, die Historiker Prof. Maximilian Liebmann (Graz) und Prof. Ernst Hanisch (Salzburg), der Publizist Hans Spatzenegger, der Wiener Diözesanarchivar Weißensteiner sowie der frühere Wiener Ordinarius für Kirchengeschichte und jetzige Kärntner Diözesanarchivar em.Prof. Karl-Heinz Frankl teilnehmen.

Der Nachmittag steht dann ganz im Zeichen des internationalen wissenschaftlichen Austauschs zu Fragen rund um Pius XI. Die italienische Historikerin Maddalena Guiotto vom Italienisch-Deutschen Historischen Institut in Trient spricht zuerst über "Italien und die österreichischen Christlichsozialen". Es folgen Vorträge über "Bayern und Pius XI." (Historiker Jörg Zedler, München), über "Die Christlich-Sozialen der Ersten Republik und die Katholische Kirche" (Walter Iber vom Grazer Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung) und schließlich über "Ignaz Seipel und die römische Kirchenzentrale" (Jürgen Steinmair, Universität Wien).

Den Abschluss bildet neben einer Schlussdiskussion eine Präsentation des bereits vom Münsteraner Kirchenhistoriker Prof. Hubert Wolf angestoßenen Projekts einer "Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)". Präsentiert wird das Projekt vom Münsteraner Kirchenhistoriker Klaus Unterburger als Mitglied der Projektgruppe von Prof. Wolf.

Die Amtszeit Pius XI. zählt zu den schwierigsten Pontifikaten des 20. Jahrhunderts. In diese Zeit fallen die außenpolitischen Auseinandersetzungen des Vatikans mit dem faschistischen Italien, mit Hitlerdeutschland und mit der stalinistischen Sowjetunion. 1937 veröffentlichte Pius XI. die Enzyklika "Mit brennender Sorge", eine profunde Abrechnung mit dem deutschen Nationalsozialismus. Im gleichen Jahr verurteilte er in dem Lehrschreiben "Divini Redemptoris" den atheistischen Kommunismus. Bedeutsam für die vatikanisch-italienischen Beziehungen waren die Lateranverträge mit Mussolini von 1929 wie auch ein Dokument von 1931, das die faschistische Staatsidee als heidnisch ablehnte.

Vom 26. bis 28. Februar widmet sich auch eine Tagung des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft ("Pontificio Comitato di Scienze Storiche") in Rom dem Pontifikat Pius XI. Von österreichischer Seite wird Prof. Klieber an der Tagung teilnehmen.

Weitere Informationen und Anmeldung am Institut für Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien (E-Mail:
kirchengeschichte-kath@univie.ac.at). (ende)
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