Wien beim Lärmschutz vorbildlich

Wien hat als erstes Bundesland die EU-Umgebungslärmrichtlinie umgesetzt

Wien (OTS) - Mit der seit 2002 geltenden
EU-Umgebungslärmrichtlinie (EU-Richtlinie 2002/49/EG zur Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm - END) soll in allen EU-Mitgliedsstaaten die Basis dafür geschaffen werden, Umgebungslärm zu mindern. Unter dem Begriff "Umgebungslärm" werden die Lärmeinwirkungen dargestellt. Europaweit haben dazu ExpertInnen Lärmkarten und Aktionspläne ausgearbeitet. Wien hat als erstes Bundesland Österreichs die EU-Umgebungslärmrichtlinie auf Landesebene umgesetzt und setzt seit Jahren eine Vielzahl von Maßnahmen zur Minderung der Lärmbelastung für die Wienerinnen und Wiener. So werden u. a. Lärmschutzwände entlang von Straßen errichtet, Schallschutzfenster gefördert, Lärmschutz entlang von Bahnstrecken mit 1,8 Mio. Euro pro Jahr gemeinsam mit dem Bund realisiert, U-Bahnen und Straßenbahnen in Wien noch leiser gemacht. Die Stadt Wien verwendet für den Straßenbau grundsätzlich grobkörnige Asphalt-und Asphaltbetonmischungen, die ohnehin lärmmindernd sind.

Lärmkarten, Konfliktpläne und Aktionspläne

Mit dem Bundes-Umgebungslärmschutzgesetz und den Landesgesetzen der einzelnen Bundesländer wurde die EU-Umgebungslärmrichtlinie in österreichisches Recht umgesetzt. Dabei ziehen die Bundesländer gemeinsam mit Umweltministerium, Wirtschaftsministerium und Verkehrsministerium an einem Strang. In diesem Zusammenhang mussten die Länder schrittweise folgende Maßnahmen erarbeiten:

o Ermittlung der Lärmbelastung durch Umgebungslärm anhand von strategischen Lärmkarten o Darstellung der Überschreitungen der Schwellenwerte als "Konfliktpläne". Für den Verkehr auf Straßen gilt ein Schwellenwert von 60 dB für den Lärmindex Tag (Lden) und 50 dB für den Lärmindex Nacht (Lnight). o Ausarbeitung von Aktionsplänen auf Grundlage der Ergebnisse der Lärmkarten und der Konfliktpläne o Sicherstellung der Information der Öffentlichkeit über Umgebungslärm und seine Auswirkungen

Laut EU-Umgebungslärmrichtlinie müssen die strategischen Lärmkarten, Konfliktpläne und Aktionspläne alle 5 Jahre aktualisiert werden. Sie werden vom Umweltbundesamt zusammengeführt und im Internet unter www.umgebungslaerm.at veröffentlicht.

Wien setzt auf eine Vielzahl von Lärmschutzmaßnahmen

o die Beschleunigung und Attraktivierung des öffentlichen Personennahverkehrs, um noch mehr Menschen zu motivieren, auf PKW-Fahrten in der Stadt zu verzichten und auf Öffis oder das Fahrrad umzusteigen o kontinuierlicher Ausbau des Wiener U-Bahn-Netzes o Ausbau des Radwegenetzes o Parkraumbewirtschaftung, um unnötige Fahrten durch das Parkplatzsuchen zu reduzieren o Tempo-30-Zonen im Wiener Stadtgebiet und Umnutzung von Straßenzügen als Wohnstraße bzw. Fußgängerzone: Erste Tempo-30-Zonen wurden bereits 1987 realisiert. Mit Beginn 2008 gilt Tempo 30 auf insgesamt 1.280 km, das sind 48 % des gesamten Gemeindestraßennetzes in Wien. Pro Jahr kommen etwa 20 bis 100 km neue Tempo-30-Zonen dazu. Darüber hinaus gibt es rund 140 Wohnstraßen und 74 Fußgängerzonen, deren Anzahl kontinuierlich wächst. In 18 von 23 Wiener Gemeindebezirken gibt es bereits mindestens eine Fußgängerzone. o Planung und Durchführung von Lärmschutzprojekten entlang der Straßen auf Gemeindeebene sowie entlang der Bahnstrecken in Zusammenarbeit mit dem Bund o Einsatz von schallgedämmten Fahrzeugen, Maschinen und Sammelbehältern in der Magistratsabteilung 48 o Förderung von Lärmschutzfenstern entlang von Hauptstraßen A und B (bei Überschreitung der Grenzwerte bei Tag um mehr als 60 dB oder bei Nacht um mehr als 50 dB). Informationen dazu gibt es bei der MA 25 - Stadterneuerung und Prüfstelle für Wohnhäuser: www.wien.gv.at/ma25; Telefon: 01 4000-74870. o Sachverständigentätigkeit der MA 22 bei lärmtechnischen Angelegenheiten in verschiedenen Verwaltungsverfahren (Gewerbe- und Bauverfahren, Veranstaltungswesen etc.) o Eine eigene Lärmtruppe der MA 22 wird auf Aufruf der Behörde auch bei anderen Lärmarten wie Nachbarschaftslärm oder Baustellenlärm zu Lärmmessungen herangezogen. Mit einem mobilen Lärmbus und anderen Lärmmessgeräten ist die Lärmtruppe der MA 22 auch nachts im Einsatz.

Lärmschutzwände in Wien - Theodor-Körner-Hof als Vorzeigemodell

Auf Wiens Hauptstraßen gibt es derzeit Lärmschutzwände mit einer Gesamtlänge von rund 8.800 m und einer Fläche von rund 31.000 m2. In den letzten beiden Jahren konnten zwei wichtige Lärmschutzprojekte mit insgesamt 1.510 m Länge und einem Investitionsvolumen in Höhe von 1,25 Mio. Euro umgesetzt werden und zwar in der Wientalstraße und in der B3-Donaustraße. Entlang der Wiener Stadtautobahnen stehen Lärmschutzwände mit einer Gesamtlänge von 56,3 km und einer Fläche von rund 206.000 m2. 2006 wurden Lärmschutzwände im Bereich der Ostautobahn, Verlängerung der Nordbrücke sowie Südost-Tangente (Knoten Landstraße) mit einer Gesamtlänge von rund 13.200 m und einer Fläche von rund 46.000 m2 fertig gestellt. Bis 2010 sollen Lärmschutzwände im Bereich Jedlersdorfer Straße, Erzherzog-Karl-Straße und Altmannsdorfer Straße errichtet werden.

Im Sommer 2007 wurde die höchste Lärmschutzwand Wiens beim Theodor-Körner-Hof am Margaretengürtel in Betrieb genommen. Die Idee, die Lärmbelastung beim Körner-Hof durch eine Lärmschutzwand mit kombinierter Photovoltaik-Anlage zu senken, wurde im EU-Projekt "SYLVIE - Systematische Lärmsanierung von innerstädtischen Wohnvierteln" geboren. Die Lärmschutzwand mit einer Länge von rund 150 m und einer Höhe von mehr als 18 m ist in vielfacher Weise ein Pilotprojekt. Für die BewohnerInnen des Theodor-Körner-Hofs bedeutet das Bauwerk durch den abgehaltenen Straßen- und Schienenlärm ein deutliches Mehr an Lebensqualität, gleichzeitig dient ein Teil der Anlage der umweltfreundlichen Energieerzeugung mittels Photovoltaik. Die Elemente sind aus Glas, um genügend Licht und Helligkeit in den Bereich zwischen den Häusern zu bringen. Die Gesamtkosten für die Lärmschutzwand beliefen sich auf 3,5 Mio. Euro.

Lärmarme Reifen - ein wichtiger Schritt zur Lärmminderung

Eines der größten Lärmminderungspotenziale bei Fahrzeugen findet sich bei den Reifen. Aufgrund moderner Motortechnologien ist bei Fahrzeuggeschwindigkeiten ab 30 bis 40 km/h die vorherrschende Lärmemission das Reifenabrollgeräusch. Die derzeit geltenden Grenzwerte werden aufgrund einer neuen EU-Verordnung wesentlich reduziert, abhängig von Reifenbreite und Fahrzeugtyp bis zu 5 dB. Die Umsetzung der EU-Verordnung ist voraussichtlich für 2013 vorgesehen. Für die Reifenindustrie müssen entsprechende Fristen für die Entwicklungsarbeit gewährt werden.

Zum Vergleich: Bei einer Straße bedeutet eine Reduktion von 3 dB die akustische Halbierung des Verkehrsaufkommens, bei Verringerung von 5 dB entspricht das Verkehrsaufkommen fast nur mehr einem Viertel.

Lärmschutz in Wien entlang von Bahnstrecken

ÖBB und Stadt Wien ziehen in Sachen Lärmschutz an Eisenbahn-Bestandsstrecken in Wien an einem gemeinsamen Strang. In einem Übereinkommen zwischen dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und der Stadt Wien aus dem Jahr 2001 haben sich die beiden ProjektpartnerInnen verpflichtet, gemeinsam die Errichtung von Lärmschutzwänden und den Einbau von Lärmschutzfenstern durchzuführen. Jährlich investieren die Stadt Wien und der Bund je 1,8 Mio. Euro in den Lärmschutz entlang der Schiene in Wien. Von der Durchführung dieser Lärmsanierungsprojekte profitieren insgesamt ca. 60.000 WienerInnen.

Das Projekt "Schalltechnische Sanierung von Eisenbahn-Bestandsstrecken in Wien" erfolgt etappenweise. In welcher Reihenfolge die ausgewählten Strecken saniert werden, hängt von der entsprechenden Lärmbelastung und der Anzahl der betroffenen Menschen ab. Die Dimensionierung der Lärmschutzprojekte richtet sich nach dem Beurteilungspegel von 55 dB in der Nacht. AnrainerInnen, die in dicht besiedelten Gebieten leben und besonders hohem Bahnlärm ausgesetzt sind, kommen früher "zum Zug". Diese Prioritätenreihung wird von der Wiener Umweltschutzabteilung mit Hilfe des Schienenverkehrslärmkatasters festgelegt.

Bis Ende 2008 wurden Lärmschutzprojekte im Bereich der Westbahn (Blindenwohnheim, Johnstraße - Bahnhof Penzing), beim Bahnhof Leopoldau, beim Nordwestbahnhof im Bereich Taborstraße, beim Nordbahnhof, im Bereich Oberlaa, im Bereich Klenkweg und entlang des Handelskais (Fensterförderungen) fertig gestellt. Die Lärmschutzwand im Bereich Bahnhof Wien Nord bis Hellwagstraße befindet sich zur Zeit in Bau.

Zurzeit in Planung befinden sich Lärmschutzmaßnahmen an Streckenabschnitten der Südbahn, der Westbahn, der Schnellbahn-Strecke Wien Nord - Bernhardsthal, der S45/Vorortelinie, der Verbindungsbahn, der Franz-Josefs-Bahn bis Landesgrenze und der Schnellbahnstrecke von Handelskai bis Brünner Straße.

An der Südbahn zwischen Siebenbrunnengasse und Kliebergasse sind der Bau einer Lärmschutzwand und Fensterförderungen gesichert, die Umsetzung erfolgt im Rahmen der Projektumsetzung für den neuen Hauptbahnhof Wien.

Wien setzt seinen erfolgreichen Weg der Lärmbekämpfung fort

Sämtliche bereits geplante Maßnahmen zur Lärmbekämpfung in Wien werden auch Teil der Aktionsplanung sein. In den kommenden fünf Jahren wird die Stadt Wien die Schwerpunkte bei der Aktionsplanung zur Lärmminderung dabei besonders auf folgende Maßnahmen setzen:

o Weitere Errichtung von Lärmschutzwänden: Die bestehenden Ausbauprogramme der MA 28 - Straßenverwaltung und Straßenbau werden fortgesetzt. Voraussetzung ist ein entsprechender lärmtechnischer Wirkungsgrad. o Von allen zur Verfügung stehenden Maßnahmen und Techniken zur Lärmbekämpfung können großflächige Schwellenwertüberschreitungen in Wohngebieten an Straßen nur durch objektseitige Maßnahmen rasch, kostengünstig und effizient saniert werden. Unter objektseitigen Maßnahmen versteht man den Einbau von Schallschutzfenstern, Schallschutztüren und Schalldämmlüftern. Objektseitige Maßnahmen verbessern nicht nur den Straßenlärm, sondern auch den Lärm von anderen Lärmquellen (Fluglärm, Betriebslärm, Bahnlärm).

Info-Service und Broschüren zum Thema Lärm in Wien

Das LärmOnlineInformationsSystem (LOIS) der Wiener Umweltschutzabteilung bietet im Internet Informationen zu den verschiedenen Aspekten von Lärm und Lärmvermeidung.

o Link: www.umweltschutz.wien.at/lois/

Info-Materialen wie Broschüren oder CDs gibt es kostenlos beim Folder-Service der Wiener Umweltschutzabteilung, Tel.: (01) 4000-73420 bzw. stehen als Downloads unter www.umweltschutz.wien.at zur Verfügung:

o Lärmfibel der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) o Lautstärkenbegrenzung von Musikanlagen o CD "Alles gegen den Lärm"

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Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Dr. Mathilde Urban
Öffentlichkeitsarbeit
Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22)
Telefon: 01 4000-73422
E-Mail: mathilde.urban@wien.gv.at

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