BM Schmied: "Investitionen in die Bildung schaffen doppelten Nutzen"

WIFO-Studie bestätigt die Wirkung von Bildungsinvestitionen zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und der Wirtschaftskrise

Wien (OTS) - "Ich kann es nicht oft genug betonen: Die Zukunft unseres Landes wird im Klassenzimmer entschieden. Wir müssen unseren Weg des bildungspolitischen Aufbaus entschlossen fortsetzen. Gerade in der Wirtschaftskrise helfen Investitionen in die Bildung doppelt:
Kurzfristig schaffen sie Arbeitsplätze und langfristig sichern sie den Wohlstand unseres Landes. Die heute präsentierte Kurzanalyse des WIFO bestätigt mich in meinem Reformkurs", betont Bildungsministerin Claudia Schmied anlässlich einer Presskonferenz mit dem Leiter des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts, Karl Aiginger.

Die Kurzanalyse des WIFO ist unter www.bmukk.gv.at abrufbar.

"Die Meinung der Expertinnen und Experten teile ich: Nur wenn wir es schaffen, möglichst viele Menschen in Österreich zu höherer Bildung zu führen, sichern wir unseren Wohlstand heute und in Zukunft ab. Das vorrangige Ziel unserer bildungspolitischen Maßnahmen ist die beste Bildung für alle Kinder. Wir müssen das Bildungsniveau aller Menschen in unserem Land durch Maßnahmen wie beispielsweise Lehre und Matura, mehr Schulplätze an berufsbildenden Schulen, kleinere Klassen, bessere Schulgebäude, die Neue Mittelschule, das verpflichtende Kindergartenjahr oder intensivere Bildungs- und Berufsberatung erhöhen", so Schmied.

"Nur wenn wir diesen Weg konsequent weiterverfolgen, werden uns globale Wirtschaftskrisen im internationalen Vergleich weniger hart treffen. Die Bundesregierung rückt die Bildung daher ins Zentrum ihrer Politik. Am Ende der Legislaturperiode werden - neben Infrastrukturinvestitionen in der Gesamthöhe von rund 1,7 Milliarden Euro - jährlich zumindest 400 Millionen Euro mehr in die Bildung unsere Kinder und Jugendlichen investiert", betont Schmied.

Bildungspolitischen Maßnahmen helfen doppelt. Einerseits beleben Sie die Wirtschaft (etwa die Bauwirtschaft) und schaffen Arbeitsplätze (Lehrerbeschäftigung). Andererseits bringen Sie unseren Kindern vor allem bessere Bildung und damit bessere Zukunftschancen auf den Arbeitsmärkten.

"Gelungene Bildung braucht zeitgemäße Räume. Die Bundesregierung hat daher als Teil des Konjunkturpakets große Investitionen in Schulbauten vorgesehen und konjunkturbedingt vorgezogen. Alleine 2009 und 2010 werden Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 600 Millionen Euro in Österreich in Auftrag gegeben. Das bedeutet für mehr als 70 Bundesschulen: Bessere Klassenzimmer, moderne Tagesbetreuungsplätze, mehr Sporteinrichtungen und bessere Arbeitsplätze für Lehrerinnen und Lehrer. Dadurch werden die Lernbedingungen für unsere Schülerinnen und Schüler nachhaltig verbessert. Zusätzlich dazu profitiert die heimische Bauwirtschaft von diesen Investitionen. Diesen Freitag werde ich mit Bundeskanzler Werner Faymann die Details dieses umfangreichen Pakets vorstellen. Tempo in der Realisierung ist gefragt. Jetzt ist jeder Arbeitsplatz besonders wichtig", betont Schmied.

"Das Schulsystem schafft aber auch direkt Arbeitsplätze. Der Trend des Abbaus von Lehrer-Posten in den vergangenen Jahren wurde mit dem Schuljahr 2007/08 gestoppt, ja sogar gewendet. Mehr Lehrerinnen und Lehrer sorgen seit dem Jahr 2007 für die bessere Förderung jedes einzelnen Schulkindes und sind zugleich direkt beschäftigungswirksam", so Schmied.

"Bereits im Schuljahr 2007/08 unterrichteten an unseren Schulen 1500 neue, junge, motivierte Lehrerinnen und Lehrer mehr. Im Schuljahr 2008/09 sind nochmals 800 neue Lehrerinnen und Lehrer dazugekommen. Bis zum Ende der Legislaturperiode (2013) werden insgesamt rund 4.300 Lehrerinnen und Lehrer mehr als 2007 unterrichten. Kleinere Klassen und mehr Kleingruppenunterricht, Senkung der Dropout-Quoten, Sprachförderkurse, die Neue Mittelschule, mehr Tagesbetreuung, Sprachförderung für Schüler mit Deutsch als Zweitsprache und mehr Schulpsychologen sind ihre Einsatzgebiete und Aufgaben. Der Lehrberuf ist durch diese Maßnahmen sowie eine neue Lehrerausbildung und ein attraktives Dienstrecht in den kommenden Jahren die krisensichere Wachstumsbranche. Diese Botschaft ist bereits bei den Menschen angekommen: Laut einer aktuellen Umfrage glauben 61 Prozent, dass der Bildungsbereich an Bedeutung gewinnen wird. Nach den Gesundheitsberufen ist das der zweite Platz", ergänzt Schmied.

"An diesen Beispielen sehen wir: Investitionen in die Bildung helfen doppelt. Kurzfristig und langfristig", so Schmied abschließend.

Wichtige Aussagen der Kurzanalyse des WIFO über die Bedeutung von Bildung im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftskrise im Überblick:

1.) Bildung verbessert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und reduziert Arbeitslosigkeit.
> Die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Pflichtschulabschluss lag im Jahr 2008 bei durchschnittlich 14 Prozent, bei Menschen mit Hochschulabschluss bei 1,9 Prozent. Das bedeutet, Menschen mit Pflichtschulabschluss werden 7-mal häufiger Arbeitslos als Menschen mit Hochschulabschluss.

2.) Bildung ist gefragt: In den letzten Jahren wurden Arbeitsplätze für höher qualifizierte Personen geschaffen, Arbeitsplätze für Menschen mit geringerer Qualifikation abgebaut.
> Die Anzahl der Beschäftigten mit Hochschulabschluss ist seit 1995 um rund 80 Prozent gestiegen. Die Anzahl der Beschäftigten mit Pflichtschulabschluss ist im gleichen Zeitraum um ein Fünftel gesunken. Langfristig abgesicherte Arbeitsplätze entstehen zu einem hohen Anteil für Menschen mit höherer Bildung.

3.) Bildung bringt höhere Einkommen.
> Menschen mit Pflichtschulabschluss verdienen in Österreich um 34 Prozent weniger als Menschen mit oberen Sekundarabschluss (AHS, BMHS, Lehre). Menschen mit Hochschulabschluss verdienen um 57 Prozent mehr als Personen mit oberen Sekundarabschluss.
> Frauen mit Hochschulabschluss verdienen beispielsweise durchschnittlich über 40.000 Euro jährlich, Frauen mit Pflichtschulabschluss nur knapp über 20.000 Euro. Das bedeutet eine Verdopplung des Einkommens.

4.) In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Menschen mit geringerer Qualifikation schneller mit Arbeitslosigkeit konfrontiert.
> Die Zahl der registrierten Arbeitslosen mit höchstens Pflichtschulabschluss stieg im Dezember 2008 um 7,6 Prozent. Die Akademikerarbeitslosigkeit stieg hingegen um 4,6 Prozent.

5.) Menschen mit Migrationshintergrund haben einen besonders geringen Bildungsgrad.
> Österreich ist in der OECD das Land mit der geringsten Akademikerquote bei im Ausland geborenen Einwohnern (allerdings ist diese Quote mit 11,3 Prozent noch immer höher als die Akademikerquote der in Österreich geborenen Bevölkerung mit 10,9 Prozent). Dafür verfügt Österreich über einen überdurchschnittlich hohen Anteil an im Ausland geborenen Einwohnern mit geringer Bildung.
> Die Bildungsdefizite der ersten Migrantengeneration werden durch das österreichische Schulsystem noch immer nicht ausgeglichen. Über 27 Prozent der Schüler mit nicht-deutscher Umgangssprache sitzen in einer Sonderschule.

6.)Mehr Bildung bringt höheres Wohlbefinden, bessere Gesundheit und weniger Kriminalität.
> Höher gebildete Menschen leben gesünder und investieren mehr Ressourcen in ihre Gesundheitsvorsorge.
> Menschen mit höherem Ausbildungsniveau konsumieren jährlich weniger Krankenstandstage.
> Höhere Bildung reduziert im Durchschnitt die Bereitschaft zur Kriminalität.

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