- 27.01.2009, 09:19:57
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ÖAMTC-Crashtest: Gurtmuffel gefährden sich selbst und andere Autoinsassen (+Fotos)
Aufprall ohne Gurt bei 30 km/h kann bereits massive Verletzungen verursachen
Wien (OTS) - Rund die Hälfte aller Kollisionen sind
Frontalunfälle. "Dieser Unfalltyp hat damit im realen Unfallgeschehen
die größte Relevanz", sagt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. Aus diesem
Grund hat der ÖAMTC Frontalcrashs mit angeschnallten und
unangeschnallten Dummys, jeweils auf Fahrersitz und Rückbank,
durchgeführt. Die gewählte Testgeschwindigkeit für den Aufprall
betrug 30 km/h. Da bei dieser Aufprallgeschwindigkeit noch nicht bei
allen Fahrzeugen der Airbag ausgelöst wird, wurde im Versuch auf
Airbags verzichtet.
Und das zeigte der Test: Wer sich nicht anschnallt, setzt sich
bereits bei 30 km/h einer erhöhten Verletzungsgefahr aus. "Der
Aufprall entspricht in etwa einem Sturz aus vier Metern Höhe im
freien Fall", beschreibt der ÖAMTC-Techniker die Kräfte, die auf
Fahrer und Mitfahrer wirken. Ein Gurtmuffel muss auch bei geringer
Geschwindigkeit mit schweren Verletzungen in Nacken-, Brust-, Kopf-
und Kniebereich rechnen, wenn sein Wagen gegen ein Hindernis prallt.
Außerdem wird die Gefahr, die von einem unangeschnallten Mitfahrer
auf dem Rücksitz ausgeht, vielfach unterschätzt. Der gefährdet
nämlich nicht nur sich selbst, sondern fügt durch seinen Aufprall auf
den Vordersitz auch dem Fahrer Verletzungen zu. "Der Fahrzeuggurt ist
keine Spaßbremse, sondern ein Muss für alle Insassen", betont der
ÖAMTC-Cheftechniker.
Das Anschnallverhalten der Österreicher im Pkw
Frauen sind generell risikobewusster als Männer. Am Fahrersitz
schnallen sich 92 Prozent der Frauen (Männer: 88 Prozent) an, am
Beifahrersitz 93 Prozent der Frauen (Männer: 81 Prozent). "Dass auch
auf der Rückbank Gurtpflicht besteht, ist noch nicht in das
Bewusstsein aller Menschen vorgedrungen", sagt der ÖAMTC-Techniker.
Nur rund 52 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer schnallen
sich im Fond an. Im Jahr 2007 verunglückten insgesamt 1.361
Pkw-Lenker ohne Gurt, 130 von ihnen wurden dabei getötet, 320 schwer
verletzt (alle Zahlen Statistik Austria bzw. KfV, 2007). "Kurz gesagt
trugen 33 Prozent der Unfalllenker ohne Gurt schwere bzw. tödliche
Verletzungen davon", resümiert Lang.
Die Ergebnisse des ÖAMTC-Crashtests im Detail
* 1. Versuch: Fahrer und Mitfahrer (dahinter auf Rückbank), beide
angeschnallt
85 Tausendstel-Sekunden (ms) nach dem Aufprall: Die Knie des
Fahrers berühren das Armaturenbrett, die Eindringtiefe ist minimal,
das Verletzungsrisiko gering. Auch die Knie des Mitfahrers haben
ausreichend Abstand zum Vordersitz. Verletzungsrisiko gering. / Nach
130 ms: Der Fahrer erreicht die maximale Vorverlagerung, der Gurt
hält ihn zurück. Die Köpfe von Fahrer bzw. Beifahrer bleiben auf
Distanz zum Lenkrad bzw. zum Vordersitz. / Nach 250 ms: Beide
Insassen sitzen wieder aufrecht. Die Belastungen waren gering,
etwaige Verletzungen würden nur leicht ausfallen.
* 2. Versuch: Fahrer angeschnallt, Mitfahrer dahinter nicht
angeschnallt
Nach 85 ms: Die Knie des Fahrers berühren das Armaturenbrett, die
Eindringtiefe ist minimal, das Verletzungsrisiko gering. Beim
Gurtmuffel am Rücksitz treffen die Knie auf das harte Gestänge in der
Sitzlehne, erhöhtes Verletzungsrisiko. / Nach 155 ms: Der Hintermann
schlägt mit Kopf, Hals und Brust auf dem Fahrersitz auf und schiebt
diesen nach vorne. Dadurch wird auch der Fahrer nach vorne geschoben,
sein Kopf berührt bereits das Lenkrad. Fazit: Steigendes
Verletzungsrisiko auch für den angeschnallten Fahrer. / Nach 300 ms:
Der Hintermann ist mit dem Kopf zwischen Kopfstütze des Vordersitzes
und Autodach eingeklemmt. Der Fahrer bewegt sich in seine
Ausgangsposition zurück, die beiden Insassen schlagen mit den Köpfen
zusammen.
* 3. Versuch: Fahrer unangeschnallt, alleine im Auto
Nach 70 ms: Die Knie des Fahrers berühren mit 25 km/h das
Armaturenbrett - deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko für Knie und
Oberschenkel. / Nach 95 ms: Die Brust trifft mit 30 km/h auf den
unteren Lenkradkranz, die Folge wären schwere Brustverletzungen und
Rippenbrüche. / Nach 105 ms: Das Kinn des Fahrers knallt gegen den
oberen Lenkradkranz, die Stirn durchschlägt die Frontscheibe,
mittelschwere Kopfverletzungen können die Folge sein. / Nach 120 ms:
Der Hals des Fahrers trifft auf den oberen Lenkradkranz. Die dabei
gemessenen Nackenbelastungen lassen bereits auf ein sehr hohes
Verletzungsrisiko schließen - die lokale Krafteinleitung über den
Kehlkopf des Fahrers verschärft die Situation aber zusätzlich.
"Bei unseren Tests wurde das Auto jeweils bei 30 km/h gecrasht.
Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, welche Folgen
ein Aufprall bei höherer Geschwindigkeit hat. Jeder Fahrer sollte
daher nicht losfahren, bevor er und alle Insassen im Auto
angeschnallt sind", sagt ÖAMTC-Cheftechniker Lang abschließend.
Alle ÖAMTC-Crashtests findet man unter www.oeamtc.at/tests.
Aviso an die Redaktionen:
Fotos zu dieser Aussendung sind in Kürze im ÖAMTC-Fotoservice unter
www.oeamtc.at/presse abrufbar.
Rückfragehinweis:
ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit
Eva Käßmayer
Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218
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