Urania: Vergleichender Vortrag zur Geschichte von Flaktürmen

"Riesentürme"-Fachmann gibt Auskunft über Geschichte und neue Nutzungsformen in der Urania (28.1.) ab 19.00 Uhr

Wien (OTS) - Auf den Picknick-Einladungen im Augarten hat der dortige zentral ins Bild gesetzte Flakturm bereits Musilsche Denkmalqualität erreicht: Trotz seiner grauen Monströsität verbleibt er im Hintergrund der Wahrnehmung. Neben Berlin und Hamburg war Wien dritter Standort dieser vom deutschen Architekten Friedrich Tamms (1904 - 1980) kreierten Verteidigungs- und Schutztürme während der NS-Herrschaft. In Wien gibt es diese zigtonnenschweren Kriegsrelikte im Arenbergpark, Augarten, Esterhazypark und in der Stiftskaserne. Die kolportierte Unzerstörbarkeit dieser in den 1940er von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern errichteten Stahlbeton-Monolithen trifft nur in Wien zu: In Berlin und Hamburg haben britische und sowjetische Sprengladungen bald nach 1945 das Gegenteil bewiesen.

Bemerkenswert für den Architekten Valentin E. Wille, der vergangenes Jahr auch eine entsprechende Dokumentation in Buchform herausgebracht hat ("Die Flaktürme in Wien, Berlin und Hamburg. Geschichte, Bedeutung und Neunutzung", VDM Verlag Dr. Müller), ist vor allem der widersprüchliche Erinnerungswert derselben. Auch bei älteren Vortragsbesuchern: Was für den einen Schutz und Sicherheit bedeutet, ist für den anderen lästiges Relikt einer NS-Architektur, das nichts in der Gegenwart verloren hat. Interesse an diesen 50 und mehr Meter hohen und bis zu zwei Meter dicken Stahl- und Betonmanifestationen gibt es freilich dennoch: Sei es seitens eines Software-Unternehmens, welches seit 2002 im Augarten ein Fort Knox für sensible Daten errichten möchte, seien es Hotel- und Funpark-Ideen für den Bunker im Esterhazypark in Mariahilf, bekannt als Heimstätte des "Haus des Meeres". Im Arenbergpark unterhält das Museum für Angewandte Kunst (MAK), wie auch das Stadtgartenamt ein Depot, über den Bunker in der Stiftskaserne wurde vom Bundesheer in bürokratischer Christo-Manier der Mantel des Schweigens gelegt.

Joggingrunden im Schatten des Augarten-Flakturms

Zum Thema fand Wille mittels seiner Laufschuhe: Er wohnt in der Leopoldstadt, in unmittelbarer Nähe zum dortigen Flakturm, den er auf seinen Joggingrunden ungezählte Male bereits umkreist hat: "Da gerät man ins Nachdenken." Sonderliche Empfehlungen gibt er über Nutzungsformen nicht ab: Dafür gibt es vielleicht auch bereits zu viele, vom "Super"-Aquarienhaus bis zum Vorschlag, einen der Flaktürme als "Haus der Geschichte" zu nutzen. In Hamburg wird übrigens einer der noch existierenden Türme als Medienhaus ("Medienbunker") genutzt. Der zweite ist zugewachsen und wird von den dortigen Stadtgärtnern teilweise als Pflanzenversuchsort gebraucht.

Vorliebe zu großer Architektur: Von Flaktürmen zu Wasserkraftwerken

Wille, Jahrgang 1975, studierte an der Technischen Universität in Wien Architektur. Sein Interessensgebet liegt offensichtlich bei monströser Architektur: So hatte er 2007 eine Untersuchung über Verbund-Kraftwerksbauten in Österreich, als Persenbeug, Freudenau und Co herausgebracht. Seine bald zu Ende gehende Doktorarbeit wird eine Sammlung weiterer Kraftwerksbauten beinhalten. Wille, der als Assistent an der TU Wien gearbeitet hat, beschäftigt sich derzeit im Büro des bekannten Denkmalschutz-Experten und Architekten Wehdorn mit der Restaurierung des Winterpalais der Familie Liechtenstein. Auch kein geringes Unterfangen.

o Valentin E. Wille: Die Flaktürme in Wien, Berlin und Hamburg Termin: Mittwoch, der 28. Jänner 09 Ort: Urania (1., Uraniastrasse 1) Beginn: 19.00 Uhr, Kostenbeitrag: 5 Euro

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