Vom toten Eck des Westens in die lebendige Mitte Europas - 20 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs

Podiumsdiskussion des Club Alpbach Niederösterreich an der FH St. Pölten

St. Pölten (OTS) - Gerade Niederösterreichs Entwicklung vom Agrarland am Eisernen Vorhang zum breit aufgestellten Industriestandort ist - neben dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union - untrennbar mit dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 verbunden. Der "Club Alpbach Niederösterreich" hat aus diesem Grund am 21. Jänner 2009 den Reigen der österreichischen Jubiläumsveranstaltungen zum Thema "20 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs" mit einer Podiumsdiskussion an der Fachhochschule St. Pölten eröffnet. Unter dem Leitmotiv "vom toten Eck des Westens in die lebendige Mitte Europas" wurde die Podiumsdiskussion von Claus Reitan, Chefredakteur der FURCHE, moderiert.

"1989 hat eigentlich niemand mit diesen Ereignissen gerechnet, die Politik und die europäischen Länder waren darauf nicht vorbereitet. Die österreichische Wirtschaft hat aber sehr schnell die Chance gesehen, in Mittel- und Osteuropa tätig zu werden und ist heute in vielen dieser Länder sehr gut aufgestellt," so Mag. Christian Domany, Vorsitzender des Wirtschaftsforums der Führungskräfte Niederösterreich und Vorstand des Flughafens Wien. Domany berichtete von seiner Maturareise im Jahr 1971 nach Polen, um die Dramatik der Veränderungen darzustellen. Damals wurde die Maturaklasse beim Grenzübertritt verdächtigt, mit ihrer Maturazeitung subversives Gedankengut einschleusen zu wollen. Die österreichischen Maturanten konnten dann aber dennoch Karol Wojtyła, den damaligen Erzbischof von Krakau, treffen, der später als Papst Johannes Paul II seinen Teil zum Fall des Kommunismus in Osteuropa beigetragen hat.

Mag. Stella Avallone, Gesandte im Außenministerium und Mitarbeiterin der Initiative "Geteilt Geeint 1989-2009: Aufbruch in ein neues Europa" des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten, bringt ihre Erfahrungen im diplomatischen Dienst in einem Satz auf den Punkt: "Ich war für die Republik Österreich in zwei Ländern auf Posten, die es so heute nicht mehr gibt." Avallone war in der österreichischen Botschaft im Moskau der damaligen Sowjetunion und später an der österreichischen Botschaft im Bratislava der damaligen Tschechoslowakei. Avallone wies darauf hin, dass Österreich die von den östlichen Nachbarstaaten entgegengebrachte Sympathie nicht immer optimal zu nutzen gewusst habe. So sei vor allem die schleppende Fertigstellung einer tauglichen Straßenverbindung auf österreichischer Seite zwischen den beiden Hauptstädten Wien und Bratislava bei unseren slowakischen Nachbarn auf Unverständnis gestoßen. "Aber es ist ja immer ein Neubeginn möglich," so Avallone.

Die durch die Entwicklungen seit 1989 ermöglichten Perspektiven der Wissenschaftskooperation - auch das ein Sektor, in dem Niederösterreich mit seinen Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen gerade in den vergangenen 20 Jahren enorm von den Kooperationsmöglichkeiten mit den östlichen Nachbarn profitiert hat - brachte Mag. Jürgen Busch in die Diskussion ein. Er forscht am Juridicum der Universität Wien und ist Lehrbeauftragter an der Pressburger rechtswissenschaftlichen Hochschule in Bratislava. Als Sprecher des Initiativgruppen- und Club-Netzwerks rund um das "Europäische Forum Alpbach" wies Busch auf die Anziehungskraft des "Europäischen Forums Alpbach" vor allem im mittel- und osteuropäischen Raum hin: "Einmal Erreichtes muss ständig neu erkämpft und erhalten werden. Unsere Clubs und Initiativgruppen leisten vor allem in den noch nicht in die EU integrierten Ländern Ost- und Südosteuropas einen wertvollen Beitrag zur demokratischen politischen Kultur der dortigen Zivilgesellschaft". Die hervorragende Zusammenarbeit von europaweit insgesamt 27 ähnlichen Initiativen wie dem "Club Alpbach Niederösterreich" ist ein Indiz dafür, dass nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch die Grenzen in den Köpfen der jungen Menschen in Europa gefallen sind.

Marlies Haschke, Generalsekretärin des Club Alpbach Niederösterreich, wies im Rahmen der Veranstaltung auch auf das Stipendienprogramm des Clubs hin: Der Club Alpbach Niederösterreich, der in den sieben Jahren seines Bestehens bereits über 130 Stipendiatinnen und Stipendiaten eine Teilnahme am Europäischen Forum Alpbach ermöglicht hat, vergibt auch heuer wieder 25 Stipendien an Studierende aus und in Niederösterreich.

Bewerbungsschluss ist der 17. April 2009, Motivations- und Empfehlungsschreiben sowie Lebenslauf und Studienerfolgsnachweis an bewerbung@club-alpbach.at . Weitere Informationen über das Stipendienprogramm unter www.club-alpbach.at/stipendium.

Rückfragen & Kontakt:

Marlies Haschke
Generalsekretärin des Club Alpbach Niederösterreich
marlies.haschke@club-alpbach.at
Tel.: 0660 4532123

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