Reformen sollten im Sinne der Medizin statt Bürokratie fördernd sein

Der Präsident der NÖ Ärztekammer kritisiert die Vorschläge des neuen Hauptverbandsvorsitzenden

Wien (OTS) - Der Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner zeigt sich erstaunt über den Vorstoß des neuen Hauptverbandsvorsitzenden Dr. Hans Jörg Schelling, der offenbar zwei der als unbrauchbar erachteten Themenbereiche der so genannten Gesundheitsreform vom vergangenen Jahr wieder aufwärmen will. So scheint die Qualität im Kassenbereich ein Problem zu sein, weshalb Schelling das derzeit bestehende Qualitätssicherungssystem kritisiert.

"Wer an der Qualität der niedergelassenen Kassenärztinnen und Kassenärzte zweifelt, sollte sich die Zahlen und Fakten ansehen. Wir haben in Niederösterreich die Situation, dass etwa einmal bei einer Million ambulanten Behandlungen ein Behandlungsfehler bewiesen oder außergerichtlich anerkannt wird. Diese hohe Qualität unserer Ärztinnen und Ärzte wird somit von keiner anderen Branche erreicht", so Ärztekammerpräsident Dr. Reisner.

Medizinisch fragwürdig und ohne Einsparpotenzial

Ebenso scheint für den Hauptverbandsvorsitzenden die Aut-idem Regelung wieder aktuell zu sein, nach der letztendlich in der Apotheke nicht das von der Ärztin/dem Arzt speziell für den Patienten verordnete Medikament, sondern ein anderes, nämlich das Billigste, abgegeben wird. "Unsere Ärztinnen und Ärzte verschreiben ohnehin schon außerordentlich ökonomisch. Eine weitere Erhöhung des Generikaanteils würde aus meiner Sicht keine Kosteneinsparungen nach sich ziehen", so Präsident Dr. Reisner. "Arzneimittelpreise werden in Österreich nämlich nicht ausverhandelt oder am Markt gebildet, sondern vom Hauptverband diktiert. Das führt dazu, dass nach Ablauf des Patentschutzes innerhalb weniger Monate kaum ein preislicher Unterschied zwischen Original und Generikum besteht. In einigen Fällen sind Generika sogar teurer als die Originale."
Enorm sind jedoch die medizinischen Probleme, die sich in Einzelfällen aus der Aut-idem Regelung ergeben können: "Nicht immer hat es aus medizinischer Sicht Sinn, unseren Patienten eine Medikamentenlotterie durch eine Apothekenhilfskraft zuzumuten. Wo es medizinisch vertretbar ist, werden ohnehin schon Generika verschrieben."

Aufgeblähter Verwaltungsapparat muss reduziert werden

Aus Sicht von Präsident Dr. Reisner ist beim Vorstoß des Hauptverbandes ganz genau eine bestimmte Gesinnung zu erkennen, die exakt in die Entwicklung der vergangenen Jahre passt. "Bei solchen Vorschlägen kann es nicht um die Optimierung der öffentlichen Gesundheitsleistungen im Sinne der Patientinnen und Patienten gehen. Beide Maßnahmen sind aus medizinischer Sicht sinnlos bis kontraproduktiv und beschäftigen nur den ohnehin schon aufgeblähten Verwaltungsapparat", so der Ärztekammerpräsident.
Echte Reformansätze würden Optimierungsvorschläge im Sinne der Patientinnen und Patienten beinhalten und gleichzeitig die höhere Lebenserwartung und den medizinischen Fortschritt mit einbeziehen. "Wer reformiert, sollte im gleichen Atemzug Verwaltungsbürokratie ab-statt aufbauen. Gerade diese Bürokratie kostet Unmengen an Zeit und Geld. Beides fehlt bei der Behandlung unserer Patientinnen und Patienten immer mehr", fasst Ärztekammerpräsident Dr. Reisner zusammen.

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