"Kleine Zeitung" Kommentar: "Statt Zuwanderung zu steuern, ging man auf Tauchstation" (Von Michael Jungwirth)

Ausgabe vom 26.1.2009

Graz (OTS) - Österreich darf Zuwanderung nicht dem Zufall überlassen.

Österreich als Zuwanderungsland? Nie und nimmer. Wie kann man nur auf so eine Idee kommen? Die USA, Kanada und Australien, ja sicher. Aber Österreich?

Mit Ausnahme der Grünen kann sich keine der Parlamentsparteien mit dieser Vorstellung anfreunden. FPÖ und BZÖ reagieren besonders allergisch, gleichwohl sich Heinz-Christian Strache erfolgreich als Protektor der Serben-Community inszeniert. ÖVP und SPÖ haben zwar weniger Schaum vor dem Mund, mit dem Blick auf Umfragen wollen aber auch sie damit nichts zu tun haben.

Die Diagnose: ein klarer Fall von Realitätsverweigerung.

Denn die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Jährlich wandern 100.000 Menschen nach Österreich zu. 15 Prozent der 8,3 Millionen Einwohner sind nicht in Österreich auf die Welt gekommen. Auch als FPÖ bzw. BZÖ in der Regierung saßen, sah der Trend nicht anders aus. Zwischen 2002 und 2005 verzeichnete Österreich eine Nettozuwanderung von 243.000 ausländischen Staatsangehörigen. Österreich ist ein Zuwanderungsland, wenn auch ein Zuwanderungsland wider Willen.

Was besonders nachdenklich stimmt: Laut OECD weist kein anderes Land ein so niedriges Qualifikationsniveau bei Migranten aus wie Österreich. In allen anderen hochentwickelten Ländern sind die Zuwanderer besser ausgebildet und besser qualifiziert.

Der Schluss liegt nahe, dass man sich das selbst eingebrockt hat. Statt Zuwanderung zu gestalten, sich offensiv einzumischen, den Prozess aktiv zu steuern, ist man aus lauter Panik vor der heiklen Materie lieber auf Tauchstation gegangen und hat die Rollläden runtergelassen. Und ist damit, wie der hohe Ausländeranteil mit den diversen Problemen zeigt, gescheitert.

Ein gewisser Hoffnungsschimmer ist die von der Regierung eingesetzte Kommission, die heute erstmals zusammentritt und eine rot-weiß-rot Card entwickeln soll. Dem liegt der höchst vernünftige Gedanke zugrunde: Wenn schon Zuwanderung nicht verhindert werden kann, sollte man es ordentlich machen und sich die Zuwanderer aussuchen.

Noch dazu wird Österreich - aus purer Überlebensstrategie - mehr denn je auf Zuwanderung angewiesen sein. Wer zahlt bei fortschreitender Überalterung der Gesellschaft künftig in die Pensionskassa ein? Nicht minder wichtig: Um international bestehen zu können, muss Österreich angesichts der Globalisierung auch versuchen, die besten und hellsten Köpfe ins Land zu locken.****

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