Falter zu Tschetschenenmord: Geheime Polizeiakten offenbaren fatale Pannen im Fall Umar Israilov

Wien (OTS) - Agent des tschetschenischen Geheimdienstes
informierte Verfassungsschutz bereits im Juni über bevorstehenden Politmord. Israilovs Anwälte baten mehrmals um Personenschutz.

Der Wiener Verfassungsschutz wurde bereits im Juni 2008 vom bevorstehenden Mord am tschetschenischen Flüchtling Umar Israilov informiert. Das berichtet die Wiener Stadtzeitung Falter in ihrer nächsten Ausgabe. Ein entsprechender Akt mit dem Betreff: "Bedrohung durch den tschetschenischen Präsidenten" liegt dem Falter exklusiv vor.

Nicht nur eine westliche Menschenrechtsorganisationen und das Opfer selbst, auch ein reumütiger tschetschenischer Agent informierten die Polizei ausführlich über den geplanten Anschlag.

Der Falter veröffentlicht diese Protokolle in seiner nächsten Ausgabe. Auch jene Mails, in denen Umar Israilovs Betreuer noch sechs Tage vor dem Mord vergeblich um Personenschutz gebeten hatten, liegen dem Falter vor. Bislang war nur bekannt, dass sich Umar Israilov "vage" bedroht fühlte. Die Polizei dementierte sogar, dass Anträge auf Personenschutz gestellt wurde.

Am 20. Juni 2008, so berichtet der Falter, wurde der russische Geheimdienstler Artur K. in der Polizeidirektion am Schottenring vorstellig. Er sagte: "Ich arbeite für den Präsidenten der Republik Tschetschenien, Kadyrow Ramsan." Artur K. gab an, dass er von Kadyrow den Auftrag erhalten habe, Umar Israilov "verschwinden zu lassen", da dieser Kadyrow in einem Verfahren vor dem Menschenrechtsgericht belastet hatte.

Artur K. bekam Skrupel und bat die Verfassungsschützer um Hilfe:
"Ich möchte gegen keine Gesetze verstoßen und ich bin auch kein Mörder. Aber wenn ich diesen Auftrag nicht richtig erfülle, kann meine Familie sterben". In der Slowakei, so Artur K., stünden zwei weitere Agenten bereit, die schon auf ihren Einsatz warten. Artur K. bat die Beamten Umar Israilov in Sicherheit zu bringen. Die Beamten lehnten ab.

Wie der Falter berichtet, stellten Umar Israilovs Anwälte am achten Juli 2008 und am siebten Januar 2009 Ansuchen um Personenschutz. Schon am neunten Juni schlug eine westliche Menschenrechtsorganisation im Bundesamt für Verfassungsschutz des Innenministeriums Alarm. Israilov sei, so wie die ermordete Journalistin Anna Politkowskaja, ein Kronzeuge gegen den Tschetschenischen Präsidenten: "Wir ersuchen Sie", heißt es in dem Schreiben, "eindringlich, alles zu unternehmen, um Umar Israilovs Leben zu schützen"

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