WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Obama und die Lehren aus der Vergangenheit - von Wolfgang Unterhuber

Mit Barack Obama kehrt zumindest die Zuversicht wieder

Wien (OTS) - Es war eine beeindruckende Bilanz: 122.000
öffentliche Gebäude, 664.000 Meilen an neuen Straßen, 77.000 Brücken und 285 Flugplätze waren von der Works Progress Administration, kurz WPA, gebaut worden. Die WPA leitete das gigantische Infrastrukturprogramm, das von der Regierung unter Franklin D. Roosevelt in Auftrag gegeben worden war, um die Krise zu bekämpfen. Rechnet man die Angehörigen hinzu, dürften rund 25 Millionen Menschen von den öffentlichen Infrastrukturmaßnahmen profitiert haben.

Als Roosevelt Präsident wurde, irrten 15 Millionen Amerikaner ohne Arbeit und ohne jegliche Absicherung durch das Land. 15 Millionen -das entsprach damals einer Arbeitslosenquote von 25 Prozent. Von solchen Horrorzahlen sind die USA derzeit zumindest noch einigermaßen weit entfernt. Die Arbeitslosenquote betrug zuletzt 7,2 Prozent -Tendenz allerdings stark steigend. Mit ein Grund, warum seit Monaten die Ausgangslage für Barack Obama mit der seines berühmten Vorgängers verglichen wird. Und Obama will ähnlich wie Roosevelt rasch dramatische Zeichen setzen. Auch er will neben vielen anderen Maßnahmen schnell ein gewaltiges Infrastrukturprogramm auf die Beine stellen. In Anlehnung an den New Deal Roosevelts sprechen die amerikanischen Medien bereits von einem "New New Deal".

Eines vorweg: Es ist im Interesse der ganzen Welt, dass Obamas Konjunkturpläne von Erfolg gekrönt sind. Die USA repräsentieren nach wie vor den Kernreaktor der globalen Wirtschaft. Kommt es dort zur Kernschmelze, droht der ganzen Weltkonjunktur der Super-Gau. Entscheident wird aber sein, welche Lehren Obama und seine Ökonomen aus Vergangenheit gewonnen haben. Denn bis heute ist die Frage umstritten, wie erfolgreich der New Deal nachhaltig war. Klar ist, dass damit Arbeitslosigkeit und die unmittelbare Not wirksam bekämpft wurden. Doch klar ist auch, dass sich an der ungleichen Vermögens-und Einkommenstruktur nichts änderte. Und die Monopole und Konzerne verloren zwar an Einfluß, nicht aber an Größe.

Unstrittig aber ist, dass Roosevelt mit dem New Deal einer verunsicherten und richtungslosen Nation neue Hoffnung gegeben hat. Genau das ist auch der springende Punkt in der gegenwärtigen Situation. Wie einst Roosevelt, so signalisiert der neue US-Präsident, dass er die Initiative ergreifen und nicht aus der Hand geben will. Rückschläge wird es geben und Wunder geschehen nur im Märchen. Aber mit Obama kehrt zumindest die Zuversicht wieder.

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