WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eingeraucht im wahrsten Sinne des Wortes - von Esther Mitterstieler

Bei einer halben Lösung kann es nur Verlierergeben

Wien (OTS) - Rauchverbot ist seit Anfang Jänner, und keiner hat etwas gemerkt. Außer, dass wieder das traditionelle Gejammere auf Befürworter- wie Gegnerseite eingesetzt hat. Ein Blick ins Internet genügt, und Sie merken, wie sehr die Diskussion die Gemüter erhitzt. Das neue Rauchergesetz, das seit 1. Jänner gilt, ist schlicht und einfach ein schlechter Witz. Wie sonst ist zu erklären, dass es wirklich niemanden gibt, der zufrieden damit ist?

Nun werden Gesetze naturgemäß nicht erlassen, um das Volk nur glücklich zu machen. Aber dieses Gesetz kennt keine Befürworter. Wie auch? Die Unterstützer der absoluten Rauchfreiheit - sprich: immer und überall - argumentieren dies mit dem menschlichen Streben nach Freiheit und Toleranz. Das könnten die Nichtraucher genauso gut umdrehen. Warum sollten sie sich länger bieten lassen, weiterhin ohne ihr Einverständnis zum Passivrauchen gezwungen zu werden? Was laut Berechnungen des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger im Übrigen rund zwei Milliarden Euro pro Jahr an Kosten verursacht. Da zahlen auch die Nichtraucher mit. Wenn wir schon einmal dabei sind:
Wie schaut es eigentlich mit dem ansonsten auch bei Banalitäten so gerne herangezogenen Arbeitsschutz aus? Schwangere Frauen dürfen nicht in Räumen beschäftigt werden, in denen geraucht wird, sagt das neue Gesetz. Andere Frauen und Männer schon? So kann man die Diskussion weiter im Kreise drehen.

Fakt ist: Das Gesetz sollte schnellstens geändert werden. Dann wüssten die Gastbetriebe, was sie tun sollen. Müssen sie tatsächlich umbauen und investieren, um das derzeitige Gesetz einzuhalten, kann sich das schon in zwei Jahren als unnötig erweisen, weil die EU ohnehin ein genereles Rauchverbot plant. Und viel Geld wäre futsch.

Warum können wir also nicht gleich Nägel mit Köpfen machen? Es ist nicht einzusehen, dass Österreicher nicht können sollen, was für Italiener, Spanier oder Iren längst Normalität ist. Klar ist, dass bei einer halben Lösung wie der jetzigen nur Verlierer rausschauen:
Ein Wirt kann ganz einfach nicht auf das Raucher-Pickerl verzichten, weil dann sein Gast zur Konkurrenz geht. Wenn sich aber alle an ein einheitliches Gesetz halten, dessen Umsetzung bitteschön auch von den Behörden kontrolliert werden muss, dann sind wir schon auf einem neuen Weg. Es kann ja auch weiterhin reine Raucherlokale geben. Dafür sollten die Wirte dann in Abzüge investieren müssen. So einfach ist das. Aber die Diskussion hat schon so viele Rauchschwaden entstehen lassen, dass die Köpfe ganz vernebelt scheinen.

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