Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Gas, Gaza, Obama und wir"

Ausgabe vom 17. Jänner 2009

Wien (OTS) - Was wird nächste Woche die Zeitungen und die Fernsehnachrichten füllen? Heute scheint die Antwort leichter als sonst: Anstelle des schier endlosen Gas- und Gaza-Jo-Jo (Lösung Ja -Lösung Nein) werden uns primär zwei andere Themen beglücken: ein globaler Begeisterungstaumel zum Amtsantritt von Barack Obama; und ein nationaler Tsunami von "Geld-her!"-Forderungen. Denn mit Beginn der Budgetgespräche werden die finanziellen Wünsche der Krisenopfer von heftigen Protesten aller Sparopfer begleitet sein.

Das wird der Politik viel Erklärungsbedarf bescheren. Warum etwa soll es gleichzeitig(!) richtig sein, zwecks Budgetsparens die Renovierung des Parlaments zu stoppen, jedoch zur Arbeitsplatzschaffung die Renovierung des Bahnhofs Attnang-Puchheim (auf Budgetkosten) zu beschleunigen?

Rot, Grün und Blau werden schamerrötet ihren nächtlichen Vernichtungsfeldzug gegen die Unis (drei Nächte vor der Wahl wurden aus populistischen Gründen die Studiengebühren gestrichen und die Zugangsschleusen noch mehr geöffnet) begründen müssen, der diese heute in den Notstand und an den Rand eines Streiks treibt.

Die Wirtschaft wiederum sollte einmal vorbuchstabieren, warum die Gesetze der Marktwirtschaft plötzlich nicht mehr gelten sollen, und warum sie hemmungslos die Rettung maroder Industrien durch den Staat fordert. Als ob es auch nur einen einzigen Grund gäbe, Geld für Verschrottungsprämien statt für die Forschung auszugeben.

Die ÖVP jedoch sollte uns mitteilen, warum sie herumraunzt, wenn Ministerin Schmied nach ihren Gesamtschul-Dummheiten und Neue-Mittelschul-Taschenspieltricks einmal etwas prinzipiell Grundvernünftiges für die Schulen will: nämlich Leistungsstandards und eine Zentralmatura.

Das alles dürfte aber in der Obama-Mania untergehen, einer seit Elvis und John F. Kennedy nicht mehr erlebten Massenhysterie. Während George W. Bush kaum eine Träne nachgeweint wird. Zu Unrecht? Wohl kaum. Denn Folterungen, Lügen, (begonnene, aber nicht gewonnene) Kriege und Wirtschaftskrisen machen ihn zweifellos zum Minuspräsidenten. Richtig ist allerdings - wenn auch für eine positive Bilanz zu wenig -, dass seine Politik seit 2001 weitere Terroranschläge in den USA verhindert hat. Die es sonst sicher gegeben hätte.

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