"Ihre Rechte auf Reisen": Neuer "Konsument"-Ratgeber gibt Tipps, damit auf Reisen alles klappt

Infos zu Online-Buchung, Fluggastrechte & Co.

Wien (OTS) - Ob in Urlaubskatalogen aus dem Reisebüro oder auf Ferienportalen im Internet - prächtige Fotos und verklärende Beschreibungen versprechen den Traumurlaub. Die Wirklichkeit am Urlaubsort sieht freilich oft anders aus. Das zeigt auch die Beschwerdestatistik des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), in der Reisemängel und hier besonders Probleme mit Beförderung, Unterkunft oder Stornierung der Urlaubsreise Jahr für Jahr ganz vorne rangieren.

Basierend auf seinen langjährigen Erfahrungen hat der VKI die Rechte von Konsumenten auf Reisen in einem neuen Ratgeber zusammengefasst. "Für einen gelungenen Urlaub sollte man sich schon frühzeitig mit der Planung auseinandersetzen", rät VKI-Geschäftsführer Franz Floss. "Unser Ratgeber begleitet den Leser mit nützlichen Tipps und praktischen Checklisten von der Urlaubsbuchung über die Anreise bis hin zur Geltendmachung von möglichen Gewährleistungs- und Schadenersatzansprüchen. Denn nur wer seine Rechte kennt, kann im Fall der Fälle erfolgreicher für diese eintreten", so Floss.

Pauschaltouristen rechtlich bevorzugt

Solange während der Reise alles gut geht, bemerken Urlauber in der Regel keine Unterschiede zwischen Pauschal- und Individualreise. Entwickelt sich der Traumurlaub jedoch zum Albtraum, stellt man fest, dass Pauschalreisende gegenüber Individualreisenden in Rechtsangelegenheiten besser gestellt sind:

  • Veranstalter von Pauschalreisen im Rahmen der EU-Pauschalreiserichtlinie müssen sich gegen eine Pleite absichern.
  • Es gibt besondere Bestimmungen zu Preis- und Leistungsänderungen.
  • Im Fall erheblicher Leistungsmängel besteht ein Anspruch auf Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreude.
  • Für Kunden, die durch einen ausländischen Reiseveranstalter geschädigt wurden, besteht die Möglichkeit zur Rechtsdurchsetzung von Österreich aus.

Bei Individualreisen hinkt die Gesetzgebung dagegen hinter her: So sind etwa Mieter von Ferienwohnungen oder -häusern im Ausland derzeit nicht wie bei Pauschalreisen abgesichert. Die EU plant jedoch, die Rechte von Individualreisenden an jene von Pauschaltouristen anzugleichen.

Ob es sich um eine Pauschal- oder Individualreise handelt, lässt sich aber manchmal gar nicht auf den ersten Blick erkennen: So fällt etwa auch das im Reisebüro angebotene "dynamic packaging", bei dem mehrere Reisebausteine zu einem persönlichen Arrangement zusammengestellt werden, in der Regel unter den rechtlichen Begriff Individualreise.

Dichtung im Prospekt, Wahrheit am Strand

Kein Reiseveranstalter möchte auf seinen Urlaubsangeboten sitzen bleiben. Dementsprechend sind Reisekataloge als Werbeprospekte zu verstehen, die die Dinge stets im günstigsten Licht darstellen:
Professionelle Fotografie und nachträgliche Bildbearbeitung verzaubern mittelmäßige Wirklichkeit zum ersehnten Ideal, überdies ist die Sprache in Reisekatalogen geschönt. Formulierungen wie "direkt am Meer" oder "beheizbarer Swimmingpool" klingen gut und sind nicht zwangsläufig gelogen, verschleiern jedoch geschickt die Tatsachen: Pauschalreisende sollten wissen, dass "Meer" nicht Strand bedeutet und ein wesentlicher Unterschied zwischen "beheizbar" und "beheizt" besteht.

Tatsache ist aber: Es gilt der Grundsatz der Prospektwahrheit. "Das heißt, die Texte und Fotos in einem Reiseprospekt sind zugesicherte Eigenschaften des Produktes, ihr Fehlen führt zu Gewährleistungsansprüchen", erläutert Peter Kolba, Leiter der VKI-Rechtsabteilung.

Tücken der Onlinebuchung

Wer seinen Urlaub online bucht, sollte herausfinden, wer sein Vertragspartner ist. Der erste Anschein kann nämlich trügen: Viele Reiseportale im Internet sind wie das Reisebüro lediglich Vermittler, die nicht für die ordnungsgemäße Erbringung der Reiseleistung haften. Der Vertrag wird also nicht mit dem Betreiber des Reiseportals geschlossen, sondern mit einem dahinter stehenden Reiseveranstalter oder direkt mit einem Leistungserbringer (zB Hotelinhaber oder Fluggesellschaft). Außerdem gilt für alle Arten von Online-Buchungen von Freizeitleistungen: Ein einziger Mausklick verwandelt ein virtuelles Angebot in einen reellen Vertrag, von dem es keine Rücktrittsmöglichkeiten nach dem Konsumentenschutzgesetz mehr gibt. Stornierungen sind in der Regel kostspielig.

Georg Mentschl, Leiter des Europäischen Verbraucherzentrums, rät:
"Wer sich zur Buchung entschließt, sollte zum einen die persönlichen Daten genau kontrollieren. Zum anderen sollte neben den Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch jeder einzelne Buchungsschritt abgespeichert oder ausgedruckt werden."

Gut versichert auf Reisen

Vom nicht auffindbaren Koffer bis zur Verletzung nach einem Auto-oder Sportunfall - leider schlägt das Urlaubsglück manchmal ins Pech um. Reiseversicherungen können immerhin die finanziellen Folgen derartiger Zwischenfälle lindern. Idealerweise lässt man sich die Leistungen, zugeschnitten auf die eigenen Bedürfnisse, individuell zusammenstellen. Reisebüros bieten aber oft Gesamtpakete als Zahlscheinpolizzen an und neuerdings kann mancher Versicherungsvertrag sogar per SMS abgeschlossen werden. Risiken dieser beiden Schnellversionen: Meist ist den Kunden bei Vertragsabschluss nicht klar, wogegen und wie hoch sie sich damit versichern. Zudem werden bereits bestehende Verträge oft nicht nach Doppel- oder Mehrfachversicherungen durchforstet. Und häufig gibt es bereits über eine Kreditkarte, die Mitgliedschaft in einem Autofahrerclub, eine private Krankenversicherung oder die Haushaltsversicherung einen teilweisen Schutz.

Fluggastrechte: Kurz und bündig

Rund 250.000 Luftfahrtpassagiere sitzen alljährlich auf Europas Flughäfen fest, weil Flüge Verspätungen haben, überbucht sind oder ohne Vorankündigung gestrichen werden. Die 2005 in Kraft getretene EU-Fluggastrechteverordnung hat die Rechte von Flugreisenden bei Nichtbeförderung, Annullierung und Verspätung deutlich verbessert. Allerdings zeigt der Fluggastrechte-Report 2006 des Netzwerkes der Europäischen Verbraucherzentren, dass die Einhaltung der Fluggastrechte nach wie vor nicht selbstverständlich ist und viele Luftfahrtunternehmen diese nach wie vor ignorieren.

Die Verordnung gilt, wenn man mit einer Linien- oder Chartermaschine von einem Flughafen innerhalb der EU starten oder mit einer EU-Fluggesellschaft von einem Airport außerhalb der EU zu einem Ziel innerhalb der EU fliegen will. Neben dem Recht auf alternative Beförderung zum Reiseziel oder Rückerstattung der Ticketkosten stehen den Passagieren bei einer Verzögerung Betreuungsleistungen wie Mahlzeiten, Telefonate und, wenn nötig, auch Hotelübernachtungen zu. In bestimmten Fällen besteht zusätzlich ein Anspruch auf eine Ausgleichszahlung, die je nach Entfernung des Fluges zwischen 250 und 600 Euro beträgt.

Wird ein Flug kurzfristig gestrichen, haben Konsumenten -ausgenommen bei "außergewöhnlichen Umständen" - Anspruch auf dieselbe entfernungsabhängige Ausgleichszahlung wie bei ungerechtfertigter Nichtbeförderung. "Welche Ereignisse als ‚außergewöhnliche Umstände‘ gelten, ist allerdings nicht per Gesetz definiert und muss im Einzelfall geklärt werden", betont Kolba.

Hilfe bei Gepäcksproblemen

Das Montrealer Übereinkommen regelt, bis zu welchen Beträgen Fluglinien bei Verspätung, Verlust oder Beschädigung von Gepäckstücken haften und welche Fristen Passagiere einhalten müssen, um Forderungen geltend machen zu können. Wer also vergeblich am Förderband wartet, muss gleich am Flughafen eine Schadensmeldung ausfüllen. Bis das Gepäck eintrifft, haben Fluggäste das Recht, sich vor Ort die notwendigsten Dinge zu besorgen und später der Fluggesellschaft in Rechnung zu stellen. Wird ein Gepäckstück als verloren eingestuft - dies geschieht erst nach 21 Tagen - können Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden. Die Höchstbetragsgrenze wird in einer künstlichen Währungseinheit, den Sonderziehungsrechten (SZR) angegeben. Eine Fluglinie muss bei Gepäckschäden oder -verlust im Normalfall nur bis zu 1.000 SZR ersetzen, was etwa 1.100 Euro entspricht.

Orientierungshilfe Frankfurter Liste

Weist eine Pauschalreise Mängel auf, so hat der Reisende Anspruch auf Verbesserung vor Ort. Gelingt das nicht, dann muss der Reiseveranstalter nach der Heimkehr Geld zurückzahlen. Für den Urlauber besteht also ein Anspruch auf Preisminderung. Wie bestimmte Mängel im Verhältnis zum Reisepreis zu bewerten sind, ist nicht gesetzlich vorgegeben. Auch wenn sie nicht verbindlich ist: An der Frankfurter Liste orientieren sich viele Gerichte in Österreich. "Leider erweist sich die Praxis der Durchsetzung der Ansprüche häufig als schwierig: Niedrigen Streitwerten steht das hohe Kostenrisiko einer gerichtlichen Klage gegenüber. Aus eigenen Erfahrungen wissen wir, dass nur ein Viertel der Geschädigten eine geeignete Rechtsschutzversicherung besitzt. Das wissen die Veranstalter und geben daher in ‚Kulanz‘ kaum das, was man bei Gericht bekommen könnte," berichtet VKI-Jurist Kolba.

Trifft den Veranstalter oder seine Vertragspartner vor Ort ein Verschulden daran, dass es zu Mängeln kommt oder ein Schaden eintritt, haftet der Veranstalter auch für Schadenersatz. Erkrankt man etwa im Urlaub aufgrund von verdorbenem Essen an Brechdurchfall, hat man neben der Gewährleistung auch Anspruch auf Schmerzensgeld, Heilungskosten und Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreude. "Das Ausmaß der Erkrankung am besten ausführlich dokumentieren, die Adressen weiterer erkrankter Urlauber sammeln, ärztliche Atteste aufheben und die Ansprüche so schnell wie möglich geltend machen", rät Kolba Betroffenen in so einem Fall.

SERVICE: Der neue "Konsument"-Ratgeber "Ihre Rechte auf Reisen" umfasst 128 Seiten und ist um 14,90 Euro im Buchhandel und beim VKI unter 01/588 77-4 (zuzüglich Versandkosten) erhältlich. Der Ratgeber kann auch online auf www.konsument.at bestellt werden.

Rückfragen & Kontakt:

Verein für Konsumenteninformation/
Testmagazin "Konsument"
Mag. Sabine Burghart
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
Email: sburghart@vki.at
www.konsument.at

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