Sachbuch erzählt vom Tod in Wien

Reise in die Welt der Friedhöfe, Grüfte und Gedächtnisstätten

Wien (OTS) - Eine schon fast pathologische Nähe zum Tod wird den Wienern nachgesagt, sei es in alten Wienerliedern oder durch die Kreation spezieller Begrifflichkeiten wie den "Pompfüneberern", den Leichenträgern. Der Ursprung des Wortes liegt übrigens im französischen "pompe funèbre", was sich in etwa mit "prunkvoller Bestattung" übersetzen lässt. Auch der "Partezettel" ist aus dem Französischen abgeleitet: "faire part" bedeutet anzeigen. Und die Affinität zur schönen Leich´ schlägt sich natürlich auch in den Bestattungsorten nieder.

In ihrem Buch "Der schöne Tod in Wien" widmen sich die AutorInnen Isabella Ackerl, Robert Bouchal und Ingeborg Schödl neben Begräbnis- und Gedächtnisstätten auch den historischen Aspekten der Bestattungskultur in Wien. Skurrilitäten mit eingeschlossen: Die kostenintensive Möglichkeit, die Asche eines Verstorbenen zu einem Diamant pressen zu lassen hat sich mittlerweile herumgesprochen. Aber wer kennt den "Telefonengel" - ein Handy, dass einen eigenen Anschluss besitzt und an der Grabstelle knapp unter der Erde platziert wird, quasi zum Plausch mit dem Verstorbenen? Die Schrecksekunde für Friedhofsbesucher beim Läuten aus dem Grab ist jedenfalls gratis.

Friedhöfe, Grüfte und Gedächtnisstätten

Der Bogen spannt sich von aufgelassenen Friedhöfen über Grabdenkmäler und Soldatenfriedhöfe bis zu privaten Initiativen, wie dem Mausoleum für die Familie Wlaschek im Palais Kinsky auf der Freyung. In diesem Zusammenhang ein interessanter Aspekt für all jene, die ihre Toten auf eigenem Grund und Boden bestatten wollen:
Laut Wiener Gemeindegesetz dürfen Grabstätten erst ab einer Fläche von 2000 m2 errichtet werden.

Das Buch lädt aber auch zum Entdecken ein: Die Katakomben sind ja hinlänglich bekannt, der jüdische Friedhof in der Seegasse 9-11 am Alsergrund dagegen schon weniger. Es ist unklar, wann der Friedhof genau entstanden ist, der älteste zuordenbare Stein stammt jedenfalls aus dem Jahr 1540. Damit ist er der älteste erhaltene Friedhof in Wien, zudem der einzige mit ausschließlich hebräischen Inschriften. Und einer bewegten Vergangenheit. Die erste Auflassung drohte dem Friedhof im Jahr 1671. In diesem Jahr mussten alle Juden auf Geheiß Kaiser Leopolds I. die Stadt verlassen. Die Brüder Fränkl konnten aber einen Vertrag mit der Gemeinde Wien schließen, sodass der Friedhof für eine Zahlung von 4000 Gulden erhalten blieb. Bereits 1696 wohnten wieder Juden in Wien und der Friedhof wechselte den Besitzer. Ab 1782 durften laut Hofdekret durch Joseph II. zwar keine Bestattungen mehr innerhalb der Stadtmauern durchgeführt werden, der Friedhof blieb aber bestehen und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts saniert. Die größte Gefahr drohte dem Friedhof in der NS-Zeit, er sollte 1943 geschliffen werden. Dank der mutigen und aufopfernden Initiative einiger in Wien verbliebener Juden gelang die Rettung von 818 Grabsteinen(!), die in einem Massengrab am Zentralfriedhof beerdigt werden konnten. Einige Jahre nach dem Krieg wurden die Grabsteine wieder an ihren ursprünglichen Platz gebracht und der Friedhof 1984 neu geweiht.

Nicht das erste Buch zum Thema, aber neben den Hintergrundinformationen zum Sterben in Wien punkten vor allem die Fotografien von Robert Bouchal. Noch mehr Fotos zum Thema gibt es unter www.bouchal.com. 2008 gingen übrigens die Sterbezahlen in Wien zurück: 16.051 gegenüber 16.262 im Jahr 2007, 1970 waren es noch 28.176.

"Der schöne Tod in Wien" von Isabella Ackerl, Robert Bouchal und Ingeborg Schödl, erschienen im Pichler Verlag (www.pichlerverlag.at), Wien 2008, Preis: 24,95 Euro, ISBN Nummer 978-3-85431-471-4 (Schluss) kad

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