"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Kurzarbeit statt Kündigungen" (Von AOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 16. Jänner 2009

Innsbruck (OTS) - Immer wieder werden in diesen Tagen Firmen kritisiert, die Kurzarbeit anmelden - völlig zu Unrecht.

Das aus den USA kommende globale Wirtschaftsgewitter ist da, auch in Tirol. Wie stark Österreich und Tirol tatsächlich getroffen werden, ist angesichts der sich fast täglich ändernden Prognosen schwierig zu sagen. Die Banken dürften dank gigantischer Staatspakete vorerst übers Ärgste hinweg sein, in der Industrie geht es nach den Autozulieferern wohl erst so richtig los. Im heimischen Gewerbe und im Tourismus ist die Situation noch recht zufrieden stellend.

Allein in Tirol haben die größeren Industriebetriebe bereits Hunderte Leiharbeiter abgebaut, dazu kamen Urlaubsabbau, verlängerte Weihnachtsferien und immer öfter auch Kurzarbeit. Laut ÖGB Tirol könnten heuer 4000 bis 6000 Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt werden, österreichweit könnten es bis zu 60.000 oder noch mehr werden. Aufhorchen ließ erst jüngst die Voestalpine, die Kurzarbeit für 4000 Mitarbeiter einführt. In Tirol wäre Liebherr in Lienz mit 1500 Beschäftigten (Kurzarbeit wird erst geprüft) vorerst der mit Abstand größte Fall.

Angesichts der teilweise über Nacht zweistellig eingebrochenen Aufträge müssen betroffene Firmen reagieren, wenn sie nicht fahrlässig ihre Zukunft aufs Spiel setzen wollen. Kritik an Firmen, die Kurzarbeit einführen, ist völlig fehl am Platz. Sie ist sogar ein Zeichen, dass die jeweilige Firmenleitung an eine mehr oder minder baldige Erholung glaubt und ihre Belegschaft trotz Krise halten will. Denn die einzige Alternative hieße sonst Kündigungswellen. Schön, dass der Staat die humanere Kurzarbeit fördert und die Dauer der Zuschüsse auf bis zu 18 Monate ausweiten will.

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