Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Hetzer und Künstler"

Ausgabe vom 16. Jänner 2009

Wien (OTS) - Seit zwei Jahren ist in der "Wiener Zeitung" regelmäßig zu lesen, wie viel Hass hierzulande manche Moscheen verbreiten. Seit der Gaza-Krieg im Gang ist, sind nun auch "Standard" und Kultusgemeinde aufgewacht. Weiterhin ignoriert werden jedoch die ebenso üblen Hetzlehren im Islam-Unterricht mancher Schulen. Reagiert die als Kultus- und Schul-Ministerin gleich doppelt zuständige Claudia Schmied (die aber Kampagnen gegen das gefährliche Wort "Tussi" finanziert!) erst, wenn daraus kriminelle Folgen entspringen? Oder glauben Ministerium, Justiz und Polizei weiterhin den Beschwichtigern aus der islamischen Glaubensgemeinschaft?

*

Die Justiz hat endlich ihre neue Ministerin (und die "Kronenzeitung" auch). Frau Bandion-Ortner möge trotz aller Skepsis ein guter Start gelingen.

Die ÖVP freilich ist bis heute die Begründung für diese Wahl schuldig. Ging es um bisherige Verdienste, so hätten hunderte Kandidaten mehr vorzuweisen, etwa die so brillante wie seriöse OGH-Präsidentin. Ging es um den Glamour-Faktor, dann wurden alle glamourfrei arbeitenden Juristen demotiviert. Ging es um Bandions Strafrichter-Beruf, dann zeigt das tiefes Unverständnis für den Rechtsstaat: Denn bei jedem strengen Urteil eines Richters in einer spektakulären Causa wird künftig bei allen Beteiligten der Verdacht mitschwingen: Greift hier vielleicht ein Richter auch deshalb in den Schmalztopf, um bei Medien im Hinblick auf eine Politikkarriere zu punkten? So wie etwa die überlange U-Haft für Herrn Elsner von vielen Juristen als unbegründet angesehen wird. Sie war jedoch vom Boulevard heftig verlangt worden.

Die Hypotheken auf der neuen und sympathischen Ministerin sind nicht primär ihre Schuld, sondern jener, die sie ausgewählt haben. Dessen sollte sie sich aber zumindest bewusst sein.

*

Das EU-Vorsitzland Tschechien sorgt nun - auch - mit einem Kunstwerk für Aufregung. Natürlich kennen auch die Prager Staatskünstler längst die Marktpreis-erhöhende Wirkung von Schlagzeilen-machenden Provokationen. Daher ist Gelassenheit geboten. Verständnis aber gibt es für Prag keines. Was hat das Aufwärmen der abgedroschensten Vorurteile aus der untersten Lade - wie: Deutschland als Hakenkreuz - mit Kunst oder dem europäischen Geist zu tun?

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
redaktion@wienerzeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWR0001