"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Für die Katz" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 16.01.2009

Wien (OTS) - Für die Katz’
Kurt Horwitz
Was ist der Unterschied zwischen einer Hundehütte und einem Aufsichtsrat? Ganz einfach: Die Hundehütte ist für den Hund - und der Aufsichtsrat ist für die Katz’.
Gewiss, dieser Witz ist uralt. Aber die Ausfertigung des Urteils im Bawag-Prozess und die Vorgänge rund um die Wiener Bank Medici sorgen wieder einmal für Aktualität. Da wie dort haben die Aufsichtsräte nach eigenem Bekunden gar nicht gemerkt, was hinter ihrem Rücken gespielt wurde. Und sie haben auch keine verdächtigen Gerüchte gehört, keine bohrenden Fragen gestellt - mit einem Wort: Sich dumm gestellt.
Gewiss: Es gibt Gauner, Betrüger und Lügner. Ihnen auf die Schliche zu kommen, ist nicht leicht. Gefälschte Bilanzen sind nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Aber Leuten vom Kaliber eines Ex-Wirtschaftsministers Johann Farnleitner oder eines Ex-Finanzministers und Ex-Bankgeneraldirektors Ferdinand Lacina wäre schon zuzutrauen und vor allem zuzumuten, dass sie nicht bloß abnicken, was ihnen der Vorstand aufs Auge drückt.
Beide sind nach eigenem Bekunden völlig überrascht gewesen, dass die Bank Medici praktisch ausschließlich von den Provisionen aus dem Verkauf von Madoff-Fonds gelebt hat. Die Überraschung ist aber ganz auf unserer Seite.
Gerade Ferdinand Lacina hätte es besser wissen müssen. In seiner Funktion als Verstaatlichten-Ministers ist er schon einmal vom damaligen Voest-Vorstand schamlos angelogen worden. Er hat daraufhin die komplette Führungsmannschaft des damaligen Staatskonzerns gefeuert. Jetzt ist ihm dasselbe noch einmal passiert. Nichts dazugelernt? Es sieht leider so aus.
Als offenbar willfährige Helfershelfer überforderter oder auch bewusst kriminell agierender Vorstände fallen aber immer wieder auch die Wirtschaftsprüfer unangenehm auf. Im Bawag-Prozess ist einer aus dieser Gilde, nämlich Ex-KPMG-Geschäftsführer Robert Reiter (nicht rechtskräftig) wegen "Beitrags zur Ausführung strafbarer Handlungen mit einem Schaden von rund 363 Millionen Euro" zu immerhin drei Jahren Freiheitsstrafe, davon ein Jahr unbedingt, verurteilt worden. Dieser Teil des Richterspruchs ist im Vergleich zu den weitaus spektakuläreren Urteilen gegen Helmut Elsner, seine ehemaligen Vorstandskollegen und Oberspekulant Wolfgang Flöttl untergegangen. Möglicherweise ist er aber der wichtigste von allen: Er signalisiert den Wirtschaftsprüfern, dass sie sich nicht auf die Korrektur von Nebensächlichkeiten, aufs Bestätigen und Abkassieren beschränken können. Sie tragen Verantwortung und müssen damit rechnen, dass sie auch gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden.
Nichts sehen, nichts hören und nichts sagen: Das mag den sprichwörtlichen drei Affen gut anstehen. Von Aufsichtsräten und Wirtschaftsprüfern darf und muss man mehr erwarten. Darin unterscheiden sie sich von den staatlichen Aufsichtsbehörden, die sich in letzter Zeit von Wien bis New York ja auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben.

Rückfragen & Kontakt:

Vorarlberger Nachrichten
Chefredaktion
Tel.: 0664/80588382

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PVN0001