Bohunice-Krise: Rätsel um verschwundene slowakische Gasvorräte

Wird die slowakische Bevölkerung von der Atomlobby in Geiselhaft genommen?

Linz (OTS) - Während der slowakische Premier Fico von einem Gasvorrat für lediglich einige Tage spricht und die Wiedereinschaltung des gefährlichen Bohunice-Blocks als "Gegenmaßnahme" darstellt, sollte laut einem offiziellen Material der slowakischen Regierung die Versorgung der Slowakei für einige Monate ohne Einschränkungen gesichert sein. Der Vergleich der Lagerkapazitäten in der Region zeigt, dass die Slowakei über die größten Reservekapazitäten in der Region verfügt.

"Premier Fico muss nun der europäischen Öffentlichkeit schlüssig erklären, warum die enormen Gasvorräte der Slowakei nicht zur Verfügung stehen", erklärt Radko Pavlovec, Anti-Atom-Beauftragter des Landes Oberösterreich. "Die Drohungen mit der Wiedereinschaltung des gefährlichsten Atommeilers in Mitteleuropa müssen ein Ende haben".

Die Gaskrise wurde von Premier als neueste Begründung für den Weiterbetrieb des zweiten Bohunice-V1-Blocks genannt. Dies ungeachtet der Tatsache, dass der Beitrag der slowakischen Gaskraftwerke zur Stromversorgung lediglich bei etwa 8% liegt und große Ersatzkapazitäten in Kohlekraftwerken vorhanden sind. Bereits vor einigen Wochen, noch vor dem Ausbruch der Gaskrise, wollte Fico die im EU-Beitrittsvertrag verankerte Abschaltung des AKW Bohunice unter Hinweis auf die Finanzkrise hinauszögern.

Der Vergleich von Gaslagerkapazitäten in der Region zeigt, dass die Slowakei über die größten Lagerkapazitäten verfügt. Während in Österreich ca. 33% des Jahresverbrauches gelagert werden können, erreicht die Lagerkapazität der Slowakei beinahe 40%. Unter Einrechnung eines zusätzlichen slowakischen Lagers in Tschechien mit der Kapazität von 500 Millionen Kubikmeter kann die Gasversorgung der Slowakei für ca. 170 Tage ohne Einschränkungen gesichert werden. Die Nachbarländer Tschechien und Ungarn verfügen mit 28% bzw. 25% über wesentlich kleinere Lagerkapazitäten. Trotzdem gibt es in Tschechien derzeit keinerlei Einschränkungen der Gasversorgung. "Premier Fico und Minister Jahnatek haben nun massiven Erklärungsbedarf", erklärt Pavlovec. "Auch die EU-Kommission sollte die Situation der slowakischen Gasvorräte dringend untersuchen".

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Radko Pavlovec
Anti-Atom-Beauftragter des Landes Oberösterreich
Tel.: 0043(0)664 / 421 74 91
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