"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Fall Zogaj, das neueste Kapitel" (Von Carmen Baumgartner)

Ausgabe vom 14.1.2009

Innsbruck (OTS) - Ein Teenagermädl zur Ikone der Asylwerber zu machen, ist eine Verhöhnung Hunderter anderer Betroffener, die nicht jung und telegen sind. Diesen Vorwurf müssen sich einige Medien gefallen lassen. Zudem schadet diese Form von Journalismus der Familie Zogaj sehr wahrscheinlich mehr, als dass er ihr hilft. Was schade wäre.

Denn Arigona Zogaj nervt das Land ganz schön und das ist gut so. Seit September 2007 - als sie sich ihrer Abschiebung entzog - zwingt sie die Politik dazu, sich in aller Medienöffentlichkeit mit ihrem undurchschaubaren Asyl-Integrations-Bleiberechts-Komplex auseinanderzusetzen. Leider blieb die Debatte bisher ohne Erfolg. Der neueste hilflose Ansatz von Innenministerin Maria Fekter (ÖVP), die "Problemfamilie" und das gesamte Verfahren an Ungarn abtreten zu wollen, ist nur der jüngste Tiefpunkt in einer Reihe von unerträglichen Details der Geschichte. Wohl gemerkt, die SPÖ hat sich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Zuerst fand der damalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer die Geschichte "grauslich", dann gingen die Roten zum bequemeren "Recht muss Recht bleiben" über und schlossen sich den Schwarzen an, um ihnen schließlich die Lösungsfindung zu überlassen.

Apropos Recht: Die langsame Asyl-Bürokratie dieses Landes hat wesentlich dazu beigetragen, dass es zum Fall Zogaj überhaupt kommen konnte. Die ÖVP, die immerhin seit 2000 das Innenministerium besetzt, wäre gut beraten, die Lehren daraus möglichst rasch umzusetzen und auch auf die Zogajs selbst anzuwenden: Ein humanes Fremdenrecht, das schnelle, schlüssige Asylverfahren garantiert.

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