Zulehner: Kirche darf Nähe zu den Menschen nicht verlieren

Wiener Pastoraltheologe im "Kathpress"-Gespräch zur jüngsten Kirchenstatistik

Wien, 13.1.09 (KAP) Die Kirche muss in Zukunft ihre Anstrengungen noch verstärken, um die Nähe zu den Menschen um keinen Preis zu verlieren. Dies betont der Wiener Pastoraltheologe em.Prof. Paul M. Zulehner im Blick auf die Veröffentlichung der jüngsten Kirchenstatistik. Es sei nicht überraschend, so Zulehner am Dienstag im Gespräch mit "Kathpress", dass viele Menschen der Kirche den Rücken zuwenden. Der moderne Mensch sei mobiler und wählerischer als früher, und wer keinen Gewinn mehr aus dem Leben der Kirche zu ziehen vermag, kündige viel leichter seine Mitgliedschaft auf, so der Pastoraltheologe. Selbiges gelte jedoch natürlich auch umgekehrt: Wer sich von der Kirche angezogen fühlt, trete leichter ein.

Die Entwicklung der Kirchenaustritte werde wohl unabhängig davon weitergehen, ob die Kirche Fehler macht oder nicht, so Zulehner. Der Pastoraltheologe sprach in diesem Zusammenhang auch von "unvermeidbaren Kirchenaustritten".

Um so notwendiger sei es, so Zulehner weiter, dass die Kirche ihre Bemühungen intensiviere, die Menschen in positivem Sinne an sich zu binden; sei es durch Rituale und entsprechend liturgische Feiern, durch ihre soziale Kompetenz oder auch durch ein noch stärkeres Eingehen auf die gegenwärtige spirituelle Suchbewegung der Menschen. Die Kirche müsse auch eine Kirche für Skeptiker sein, zeigte sich der Theologe überzeugt. Letztlich könne die Kirche auch unter modernen Bedingungen eine "sehr interessante Adresse für viele Menschen bleiben".

Pfarrzusammenlegungen sind Misserfolg

Wie Zulehner weiter ausführte, zeigten aktuelle Studien massive Einbrüche bei den kirchlichen Mitgliederzahlen in Landgebieten sowie bei Frauen. Der Pastoraltheologe plädierte daher eindringlich dafür, dass die Kirche ihre Präsenz auf dem Land nicht aufgeben dürfe. Die Zusammenlegung von Pfarrgemeinden zu pastoralen Megaräumen - als Folge des Priestermangels - habe sich als Misserfolg erwiesen, so Zulehner. Die einzelnen Pfarrgemeinden müssten "lebendig und eucharistiefähig bleiben".

Was die Frauen betrifft, sagte Zulehner, dass für viel moderne Frauen die Kirche schon zu einer "fremden Gegenwelt" geworden sei. Es brauche eine "gründliche Reflexion der derzeitigen männlich bestimmten Kirche". Das beinhalte auch ein Nachdenken über den Zugang von Frauen zu kirchlichen Ämtern.

O-Töne von Prof. Zulehner sind unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar. (ende)
K200900328
nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0005