Zernatto: Keine politischen Experimente mit der Strom- und Gaswirtschaft

Wien, 13.01.2009 (OTS) - Präsentation des Versorgungssicherheitsberichts - Österreichs Strom- und Gaswirtschaft ist Garant für Versorgungssicherheit - Politik muss zu ihrer Verantwortung stehen - keine amerikanischen Modelle für unsere Netze

"Die aktuelle Gaskrise führt uns vor Augen, wie labil unsere Versorgungssicherheit ist", so der Sprecher des Forum Versorgungssicherheit Dr. Christof Zernatto in seinem Eingangsstatement zur Präsentation des Versorgungssicherheitsberichts heute.
Zernatto weiter: "Die Grundlage für die Gewährleistung der Sicherheit in der österreichischen Energieversorgung bildet die Investitionsbereitschaft der heimischen Versorgungsunternehmen." Darüber hinaus ist dies auch die unabdingbare Voraussetzung für das Prosperieren eines Wirtschaftsstandorts. Können wir die Versorgungssicherheit nicht mehr ausreichend garantieren, bleiben auch die Industrieansiedlungen aus.

"Österreich ist gut beraten, weiterhin auf einen flexiblen Erzeugungsmix aus Wasser und Wärmekraft sowie Alternativenergie zu setzen", so der Sprecher des Forums. Das gilt nicht nur für die Stromerzeugung, sondern auch für den Bereich der Raumwärme. Versorgungssicherheit bedeutet leistungsfähige Netze und eine breite Palette verfügbarer Energieträger.

Auf Basis der 2006 geänderten Rechtsgrundlage, die im Rahmen des Regulierungsregimes die Reduzierung der anerkannten Kosten des Netzbetriebes während der vierjährigen Regulierungsperiode vorsieht, sehen sich die Netzbetreiber mit einer Situation konfrontiert, "die es ihnen kaum ermöglicht, die erforderlichen Investitionen durchzuführen. Für die Netzbetreiber ist es unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht realisierbar, die anfallenden Kapitalkosten in den genehmigten Tarifen umzusetzen", kritisiert Christof Zernatto und merkt weiters an, dass "die Netzbetreiber daher gezwungen sind, die Investitionen zu reduzieren. Und dies verhindert, dass die Versorgungssicherheit in gewohnter Höhe weiter erhalten werden kann." Eine Änderung dieses Systems mit dem Ziel, nachhaltige Investitionsanreize zu schaffen, fand bisher trotz der auch von Experten aufgezeigten Dringlichkeit weder Gehör noch Umsetzung seitens der Politik. Weiters merkt Zernatto an: "Die Verlängerung der Modernisierungsintervalle von zum Beispiel Umspannwerken durch den Regulator bringt unweigerlich eine Verschlechterung der Versorgungssicherheit mit sich." Hinsichtlich dieser Rahmenbedingungen wäre es wünschenswert, die von der Energie-Control gesetzten Maßnahmen durch einen unabhängigen Experten prüfen zu lassen.

Schwerpunkt des diesjährigen Berichts über die Versorgungssicherheit in Österreich ist der österreichische Stromsektor. Sinngemäß gelten die Ergebnisse aber auch für den Bereich der Gasnetze.

In seinem Bericht ging das Forum Versorgungssicherheit neben der Diskussion um ein Investitionen förderndes System auch auf die rechtlichen Unsicherheiten in punkto Schadenersatz bei Stromausfällen ein. Laut einer Untersuchung an der Technischen Universität Wien kann bereits eine Stunde Ausfall im österreichischen Stromnetz einen Schaden von 40 Mio. EUR anrichten. "Nun ist es im Schadensfall zwar so, dass der Verantwortliche haftet, im Energieversorgungssystem läuft das jedoch völlig anders", kritisiert der Forumssprecher. Da die Energie-Control über keine Mittel zur Wiedergutmachung eines etwa durch Überregulierung verursachten Schadens verfügt und in diesem Fall auch keine Versicherung einspringt, "bleibt am Ende der Geschädigte übrig." Zernatto weiter: "Jedes Mal wenn wir im Dunklen sitzen oder das Bild bei der Fußballübertragung ausfällt, sind voreilig die Netzbetreiber als Schuldige ausfindig gemacht. Aber wie wir sehr oft sehen, ist dieser meist ganz woanders zu finden!" Die E-Wirtschaft im Allgemeinen und die Netzbetreiber im Speziellen haben in den vergangenen Jahren alles getan, um eine hohe Versorgungsqualität zu gewährleisten. Man soll jedoch nicht ausblenden, dass die Stromausfälle jährlich zunehmen. "Diesem Trend soll in Zeiten wie diesen Einhalt geboten werden", zeigt Christof Zernatto auf und verweist auf die Politik, die "nun endlich gefordert ist, sich dieser Verantwortung für den Standort Österreich bewusst zu werden und auch dementsprechend zu handeln."

"Die Versorgung Österreichs mit elektrischer Energie hängt aber noch lange nicht am seidenen Faden, sondern immer noch an starken Kupferdrähten. Österreich kann auf seine hohe Versorgungssicherheit stolz sein", zeigt sich Zernatto erfreut und warnt vor einer "überstürzten" Privatisierung. "Wenn die Qualität und Substanz der Infrastruktur aufrecht erhalten werden soll, darf nicht der Fehler von Seiten des Gesetzgebers begangen werden, eben diese in private Hände zu legen und sämtliche kontrollierende Verantwortung von sich zu weisen!" Das Forum Versorgungssicherheit weist in diesem Zusammenhang auf die Entwicklungen vor allem in den USA, aber auch schon in weiten Teilen Europas hin. Blackouts und Krisen der Energiewirtschaft und der Versorgungssicherheit kann man nicht dadurch verhindern, dass man fehlerhafte Systeme übernimmt. Vielmehr geht es darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Investitionen in die Sicherheit der Versorgung mit Energie gefördert werden, und somit auch die Sicherheit des Wirtschafts- und Industriestandortes Österreich gewährleistet bleibt.

Die Infineon Technologies Austria AG entwickelt und produziert Mikrochips, die für eine hocheffiziente Nutzung von Energieströmen sorgen. Mag. Monika Kircher-Kohl, CEO der Infineon Technologies, weist darauf hin: "In unseren elektronischen Bauteilen liegt ein enormes Energiesparpotenzial. Um diese Chips zu erzeugen, bedarf es insbesondere in der Produktion höchste Versorgungssicherheit. Ein Stromausfall von 3 Minuten beispielsweise bedeutet in unserer Fabrik in Villach einen Schaden von rund 1,5 Millionen Euro", so Kircher-Kohl in Hinblick auf den wirtschaftlichen Schaden eines Blackouts. Was es bedeutet, umfassende und nachhaltige Maßnahmen zu setzen, beschreibt Kircher-Kohl folgendermaßen : "Einerseits muss in die Sicherheit der Versorgung für Produktionsbetriebe wie Infineon investiert, aber auch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und entsprechende Mindeststandards bei Produkten gesetzt werden."

Hinsichtlich der aktuellen Lage betont Zernatto: "Die momentane politische und wirtschaftliche Situation ist ein weiteres Indiz dafür, wie wichtig die Eigenversorgung mit Energie für die österreichische Volkswirtschaft ist. Die aktuelle Krise zeigt die prekäre Lage von Erdgas am Markt. Gleiches droht der Stromversorgung, wenn man die Entwicklung der letzten Jahre betrachtet. Nicht auszudenken, welcher volkswirtschaftliche Schaden durch einen Komplettausfall der Gasversorgung entstehen könnte." Das Verhältnis des Imports und Exports von Strom gerät immer mehr ins Ungleichgewicht. Der Grad der Eigenversorgung sinkt stetig. Die Importmöglichkeit von elektrischer Energie, so der Sprecher des Forums, ist durch die Realisierung des überfälligen Ausbaues und der Renovierung der Netze limitiert.
Die Effizienz der Energienutzung ist verbesserungswürdig und bedarf gewaltiger Investitionen.

Daher fordert das Forum Versorgungssicherheit einen Masterplan für - Stromerzeugungsanlagen
- die Errichtung und Renovierung des Stromnetzes, insbesondere der Verteilernetze
- die Verbesserung der Effizienz der Energienutzung durch technologische Upgrades wie z. B. smart grids und smart metering oder auch bauliche Maßnahmen im Rahmen einer energieeffizienten Bauweise.

Das Forum Versorgungssicherheit schlägt daher vor, dass die politisch Verantwortlichen im Rahmen der Konjunkturpakete klare Signale in diese Richtung setzen.
Christof Zernatto hält fest: "Bereits eine Abgeltung in Höhe der jährlichen Inflationsrate bei den Netztarifen würde nicht nur massive Investitionsprogramme der Energieversorger auslösen, sondern in Zeiten wirtschaftlicher und energiepolitischer Krisen Arbeitsplätze schaffen."

"Die österreichische E-Wirtschaft ist sich ihrer wirtschaftlichen Verantwortung als Arbeitgeber und Unternehmer bewusst und nimmt diese sehr ernst. Diese Kompetenz darf nicht durch politische und wirtschaftliche Experimente aufs Spiel gesetzt werden", so hristof Zernatto abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Karin Kronawetter
Forum Versorgungssicherheit
Siebensterngasse 31
1070 Wien
Tel.: +43 (1) 524 43 00 - 67
Download des Berichts: www.versorgungssicherheit.at

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