Katholikenzahl blieb in Österreich 2008 weitgehend stabil

Im Bundesdurchschnitt ergeben die aktuellen Statistiken der Diözesen einen leichten Anstieg bei den Austritten aber zum Teil auch deutliche Zuwächse bei Wiedereintritten

Wien, 13.1.09 (KAP) Die Zahl der Katholiken in Österreich ist im Jahr 2008 weitgehend stabil geblieben. Die aktuellen Statistiken der österreichischen Diözesen für das vergangene Jahr ergeben im Bundesdurchschnitt leichte Anstiege bei den Austritten, zugleich aber auch teils deutliche Zuwächse bei den Wiedereintritten. Die Gesamtzahl der Katholiken hat sich von 5,6 Millionen auf 5,58 Millionen verringert, was einen leichten Rückgang von 0,4 Prozent bedeutet.

Im Bundestrend liegt die Erzdiözese Wien, deren offizielle Katholikenzahl mit Ende 2008 bei 1,315.545 liegt. 2007 waren es 1.320.575, was einem Rückgang um 0,38 Prozent entspricht. Wie der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger, am Dienstag dazu betonte, ist davon auszugehen, dass es in der Großstadt Wien zusätzlich zur offiziellen Katholikenzahl nicht wenige "U-Boote" gibt. Eine Aktion im Vorjahr in Graz habe gezeigt, dass dieses Phänomen im städtischen Bereich häufiger anzutreffen ist als vermutet. Dazu komme noch, dass unter den Immigranten nicht wenige Katholiken sind, die aufgrund der Situation in ihren Heimatländern mit Angaben über ihr Religionsbekenntnis zurückhaltend sind.

Die Kirchenaustritte sind 2008 im Vergleich zu 2007 leicht gestiegen:
Von 11.649 auf 12.934. Die Zahl der Wiedereintritte und Konversionen belief sich 2007 auf 1.212, 2008 auf 1.028.

Im Hinblick auf die Austrittszahlen sagte Leitenberger, dass jeder Austritt für die Kirche schmerzlich sei: "Es ist, wie wenn jemand aus der Familie fortgeht." Der neue Modus, der eine dreimonatige kirchliche Bedenkfrist nach der Erklärung des Kirchenaustritts vor der staatlichen Behörde vorsieht, bewähre sich: "Manche Leute denken über ihren Schritt noch einmal nach."

Wiedereintritte auf Rekordniveau

Die Diözese Graz-Seckau vermeldet einen neuen Rekord bei den Wiedereintritten: 1.463 Menschen haben sich 2008 entschlossen, wieder in die Kirche einzutreten. Das entspricht einer Steigerung von 41,9 Prozent gegenüber 2007 und einer Verdoppelung gegenüber den langjährigen Trends.

Vor drei Jahren hatte sich die Diözese das Ziel gesetzt, auf Ausgetretene offen zuzugehen und sie zum Wiedereintritt einzuladen. Im Rahmen dieses Projektes wurde u.a. der formale Wiedereintritt erleichtert: Es genügt, zu einem Priester eigener Wahl zu gehen und dort den Wiedereintritt unkompliziert vorzunehmen.

Die Statistik der Diözese Graz-Seckau weist auch 152 "Widerrufe" von Personen aus, die zunächst ihren Austritt erklärt hatten, nach einem Kontakt mit kirchlichen Verantwortlichen aber wieder Abstand von diesem Schritt nahmen. Diese neue Vorgangsweise hat sich aus Sicht der diözesanen Verantwortlichen eindeutig bewährt.

Bei den Wiedereintritten konnte bereits 2007 mit 1.031 Menschen zum ersten Mal die Tausendergrenze überschritten werden. Zum Vergleich:
In den vorangegangenen Jahren gab es meistens zwischen 650 und 850 Wiedereintritte. Im Jahr 2008 sind 6.567 Katholiken in der Steiermark aus der Kirche ausgetreten, 2007 waren es 5.698. Aktuell gibt es in der Steiermark 893.476 Katholiken; vor einem Jahr waren es 892.703.

Auch in Oberösterreich mehr Wiedereintritte

Die Kirchenstatistik 2008 der Diözese Linz weist mit Stichtag 1. Jänner 2009 1.041.154 Katholiken auf (am 1. Jänner 2008 waren es 1,047.775). Der Anteil der Katholiken an der oberösterreichischen Wohnbevölkerung beträgt damit 74,1 Prozent.

Im vorigen Jahr traten aus der katholischen Kirche in Oberösterreich 6.497 Personen aus, 2007 waren es 6.160 Personen. 924 Personen traten wieder in die Kirche ein. Diese Zahl stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an; 2007 lagen die Wiedereintritte laut Kirchenstatistik bei 848 Personen.

Erzdiözese Salzburg im Trend

Leicht angestiegen ist in der Erzdiözese Salzburg die Zahl der Austritte: Kehrten 2007 insgesamt 2.877 Personen der Kirche den Rücken, so waren es im Vorjahr 3.307 (2007 war die Zahl der Ausgetretenen im Vergleich zu 2006 gesunken). Die Gesamtzahl der Katholiken in der Erzdiözese betrug mit Ende 2008 501.571 (2007:
503.959).

Eine erfreuliche Entwicklung vermeldet die Erzdiözese bei den Wiedereintritten, die leicht gestiegen sind: So kamen im Jahr 2008 355 Personen wieder in die Kirche zurück; 2007 waren es 342.

Innsbruck: Katholikenzahl stabil

Im Wesentlichen stabil geblieben ist im vergangenen Jahr auch die Zahl der Katholiken in der Diözese Innsbruck. Sie lag Ende 2008 bei 407.081. Ende 2007 betrug die Katholikenzahl 407.880, was einem Rückgang von 0,20 Prozent entspricht.

Im Jahre 2008 sind laut vorläufigen Angaben der Diözese mit 2.459 um 152 mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten als im Jahr zuvor. Das bedeutet, dass die Zahl der Austritte im Vergleich zu den Vorjahren nach Rückgängen von 12,9 Prozent im Jahr 2005 und 12,87 Prozent im Jahr 2006 und einem Anstieg von 2,58 Prozent im Jahr 2007 im vergangenen Jahr um 6,59 Prozent gestiegen ist. In die katholische Kirche eingetreten sind 2008 in der Diözese Innsbruck 272 Personen. Das sind um zwölf mehr als im Jahr zuvor. Das Angebot, ihren bereits gemeldeten Kirchenaustritt binnen drei Monaten zu widerrufen, haben 46 Personen angenommen.

St. Pölten: Steigende Wiedereintritte

546.562 Katholiken haben zum Jahresbeginn 2009 ihren Hauptwohnsitz in der Diözese St. Pölten (2007: 549.631). Im vergangenen Jahr sind 4.141 Katholiken aus der Diözese weggezogen und 3.855 zugezogen. Im gleichen Zeitraum haben nach derzeit vorliegenden Zahlen 3.684 Personen die Kirche verlassen. Das sind um 246 oder um sieben Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr. 303 Personen sind wieder in die Kirche zurückgekehrt. Diese Zahl ist seit Jahren im Steigen begriffen, 2007 waren es 268.

Jeder einzelne Austritt, egal aus welchem Grund, sei zu bedauern, so der Direktor der Pastoralen Dienste, Sepp Winklmayr. Viele Menschen legten heute mehr Augenmerk auf äußeren Wohlstand als auf grundlegende Fragen des Daseins. Es gebe aber auch, so Winklmayr, "eine wachsende Zahl aktiver Katholiken", die sich in den Pfarren engagieren und "großartige Leistungen", vor allem im kulturellen und sozialen Bereich erbringen - sei es bei der Betreuung alter, einsamer und kranker Menschen oder bei kulturellen Initiativen, von denen viele Menschen profitieren. Winklmayr: "Gerade das macht die Kirche für die ganze Gesellschaft auch in Zukunft unverzichtbar."

Gurk: Plus 19 Prozent bei Eintritten

In der Diözese Gurk sind im Jahr 2008 2.525 Personen aus der Kirche ausgetreten. Das sind 177 Personen mehr als im Jahr 2007. Insgesamt machen die 2.525 Austritte des Jahres 2008 0,62 Prozent der Gesamtzahl der Katholiken der Diözese Gurk aus.

Die Zahl der Eintritte und Übertritte ist mit 378 Aufnahmen im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr 2007 mit 318 Aufnahmen deutlich gestiegen, nämlich um 18,9 Prozent. Mit Stichtag 1. Jänner 2009 sind 406.791 Kärntnerinnen und Kärntner, das sind 72,5 Prozent der Gesamtbevölkerung, offiziell als römisch-katholisch registriert (2007: 409.363).

"Geistige und soziale Kraft" in Vorarlberg

Wie bereits in den vergangenen Jahren verzeichnet die Diözese Feldkirch auch 2008 eine leichte Steigerung bei den Wiedereintritten:
von 182 im Jahr 2007 auf 189 im Jahr 2008. Der positive Trend bei den Wiedereintritt wird zusätzlich verstärkt durch die Zahl der Austrittswiderrufe von 35. Dem gegenüber gibt es für das vergangene Jahr 1.793 Austritte zu verzeichnen, was eine Steigerung von 12,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (1.595) bedeutet. Die Zahl der in Vorarlberg lebenden Katholiken verringerte sich damit im Jahresabstand um 1.559 Personen oder 0,60 Prozent auf 260.378 in absoluten Zahlen.

Der Feldkircher Pastoralamtsleiter Walter Schmolly will die Bedeutung der Kirche in Vorarlberg aber nicht allein an Zahlen gemessen wissen. "Die Kirche war ohne Zweifel auch im Jahr 2008 eine große geistige und soziale Kraft in Vorarlberg", so Schmolly. Er verweist u.a. auf die Erhaltung und Pflege der Gotteshäuser, die seelsorglichen und spirituellen Begleitungen Einzelner und Familien an Lebenswenden -von der Taufe bis zur Beerdigung -, die Kinder- und Jugendarbeit, die Erwachsenenbildung, die kirchlichen Beratungs- und Sozialeinrichtungen, die enorm engagierten und auch vielen Initiativen der Entwicklungszusammenarbeit und nicht zuletzt die Notfall- und Telefonseelsorge.

Auch kleinste Diözese im Trend

In der Diözese Eisenstadt stehen 830 registrierten Kirchenaustritten 115 Eintritte bzw. Wiederaufnahmen gegenüber. Bei den Austritten ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr zu vermerken (2007 verließen 764 Personen die katholische Kirche im Burgenland). Die Austritte 2008 bewegen sich jedoch unter jenen der Jahre 2005 und 2006.

Deutlich zeigt sich der Anstieg bei den Wiederaufnahmen bzw. Eintritten in die katholische Kirche: Waren es die Jahre zuvor zwischen 48 (2004) und 93 (2007), können für das vergangene Jahr um 22 Eintritte mehr gegenüber 2007 verbucht werden. Die derzeitige Katholikenzahl im Burgenland beträgt 208.689. (ende)
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