Greenpeace zu Bohunice-Neustart: Gefahr im Verzug

Kanzler Faymann und Minister Spindlegger müssen sofort einschreiten

Wien/Bratislava (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace
ist fassungslos, dass die slowakische Regierung heute Abend den Neustart des Hochrisiko-Atomreaktors Bohunice V 1 offiziell beschlossen hat. Die Wiederinbetriebnahme soll umgehend erfolgen. "Die Slowakei bricht damit grob vorsätzlich den EU-Vertrag und spielt mit Leben und Tod von Millionen Menschen in Mitteleuropa", warnt Herwig Schuster Atom-Sprecher von Greenpeace,"Die österreichische Regierung, allen voran Außenminister Spindlegger und Kanzler Faymann müssen sofort handeln und diesen illegal betriebenen Atomreaktor stoppen."

Greenpeace fordert, dass der slowakische Botschafter in Wien noch morgen ins Kanzleramt zitiert wird. Sollte die Slowakei nicht binnen 24 Stunden einlenken, so muss die österreichische Regierung auch umgehend ein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen die Slowakei bewirken und angesichts der Gefahr im Verzug auf einer umgehenden Antwort seitens der EU-Kommission bestehen.

"Es ist schön, dass Minister Spindlegger gestern gesagt hat, gegen den Neustart von Bohunice V 1 zu sein. Doch das reicht nicht. Jetzt ist sofortiges Handeln unumgänglich", sagt Schuster, "Die Glaubwürdigkeit der österreichischen Anti-Atom-Politik steht jetzt auf dem Spiel. Denn die Tatsache, dass die Slowakei diesen Reaktor abdrehen musste, war ein ausschließlicher Erfolg der österreichischen Umweltbewegung und der Politik während der EU-Osterweiterungsphase."

Heftigste Kritik übt der Leiter des slowakischen Greenpeace-Büros Juraj Rizman an der slowakischen Regierung: "Wir erleben derzeit eine Propaganda, wie sie die Slowakei seit der Unabhängigkeit im Jahre 1993 nicht erlebt hat. Die Regierung hier vermittelt über die Medien das Bild, dass wir in der Slowakei bereits morgen ohne Strom sein könnten. Das ist völlig falsch. Tatsächlich missbraucht hier die Regierung die Gas-Krise, um der Atom-Energie Vorschub zu leisten." In der Slowakei werden nur zwölf Prozent des Gases für die Stromproduktion verbraucht. Der aktuelle Stromimportbedarf in der Slowakei beträgt rund 200 MW, die Tschechische Republik hingegen hat einen Überschuss von mehr als 1000 MW und könnte somit einfach das slowakische Problem lösen.

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