Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Sie haben gewonnen"

Ausgabe vom 10. Jänner 2009

Wien (OTS) - Neuerdings wagt es der eine oder andere, öffentlich
zu fragen, wie weise Österreichs Selbstkastration in Sachen Energie denn wirklich sei. Die Mehrheit der Energieexperten ist sich sogar schon lange - freilich nur hinter vorgehaltener Hand - einig:
Österreich wird den Verzicht auf selbstproduzierten Atomstrom und die Nutzung der Donauenergie östlich von Wien noch bitter bereuen.

Seit Jahrzehnten verteufelt aber die unheilvolle Allianz von Grünen und "Kronenzeitung" (der auch Blaue und Orange folgen) die zwei niederösterreichischen Ortsnamen Zwentendorf und Hainburg mit nachhaltigem Erfolg als Symbole des Grauens und Schreckens. Der Strom fließe ja weiterhin munter aus der Steckdose, auch ohne dass es dort Kraftwerke gäbe. Dass immer mehr davon teuer bezahlter ausländischer Atomstrom ist, merkten die Konsument nicht. Bekamen sie doch von den Lieferanten sogar schriftliche Bestätigungen, keinen Atomstrom zu kaufen. Niemand scherte es, dass diese Bestätigung ungefähr soviel Wahrheitsgehalt hat wie die sattsam bekannten Postwurfbriefe "Sie haben gewonnen".

Ein großflächiger Strom-Blackout ist Österreich bisher in der Tat erspart geblieben, obwohl er jedes Jahr immer wahrscheinlicher wird. Dafür zeigt uns nun - eher unerwartet - aber der Gaskrieg, wie knapp Energie weltweit ist. Wenige Monate davor tat dies der Ölpreis. Sogar die sonst von grünen Luftschlössern durchsetzten österreichischen Lehrpläne vermitteln so viel technisches Verständnis, dass heute jeder Schüler weiß: Öl, Strom und Gas sind letztlich kommunizierende Gefäße.

Die Bürger kommen daher rapide zur Erkenntnis, dass Österreichs Energiepolitik eine Sackgasse ist, dass auch die Verunstaltung der letzten Äcker mit sich bisweilen drehenden Rotorblättern das Energieproblem nicht löst. Jetzt bräuchten wir politische Leadership, die den Paradigmenwechsel auch umsetzt. Nur: Woher soll die kommen? Erstens fehlt es am Mut des politischen Personals; zweitens sind fast alle, auch die anderen Medien, davon überzeugt, dass ohne Erlaubnis der "Krone" ohnedies nichts mehr geht; und drittens befassen sich Opposition und ORF lieber breit mit jahrelang zurückliegenden Bücherkäufen idiotischer Parteijugendlicher statt mit wichtigen Zukunftsthemen.

Weltwirtschaftskrise, Gaskrise, nahöstliche Kriegsgefahr? Das hat doch nichts mit uns zu tun.

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