"Kirche muss Nahversorgerin..." (2)

Kothgasser: "Symptome einer tiefer gehenden Krise"

Eine "offene Diskussion der real bestehenden Probleme" und eine "gleichzeitige geistig-geistliche Stärkung für die Lösung dieser Fragen" wünscht sich der "Gastgeber" der Österreichischen Pastoraltagung, der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser. Wie Kothgasser im Gespräch mit "Kathpress" betonte, stellen die bestehenden Probleme jedoch "nur Symptome einer tiefer gehenden Krise der Glaubensfestigkeit" dar. Bei allen notwendigen Umstrukturierungen des pfarrlichen Lebens wie etwa der Zusammenfassung von Pfarrgemeinden zu Pfarrverbänden dürfe nicht aus dem Auge verloren werden, dass Strukturreformen die Glaubenskrise nicht lösen können, so Kothgasser.

Scheuer: Erinnerung an "Dialog für Österreich"

Für eine differenzierte Sicht der "heute oftmals schnell im Munde geführten Krise" des kirchlichen und pfarrlichen Lebens plädierte der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer. Im "Kathpress"-Gespräch erinnerte Scheuer etwa an die Delegiertenversammlung zum "Dialog für Österreich", die vor zehn Jahren, im Oktober 1998, ebenfalls Bildungszentrum St. Virgil stattgefunden hatte. Man dürfe heute nicht aus dem Blick verlieren, dass die Diskussion dieser Probleme bereits seit zehn Jahren im Gange sei. "Trotz mancher Enttäuschung" gebe es im Gefolge der Salzburger Delegiertenversammlung auch "zahlreiche Aufbrüche und Früchte" wie etwa das Ökumenische Sozialwort der Kirchen in Österreich oder die Jugendaktion "72 Stunden ohne Kompromiss". Auch erhoffe er sich von der heurigen Pastoraltagung ein erneutes "Aufeinanderzugehen" zwischen Priestern und Laien.

Dennoch erfordere die heutige Situation einen "nüchternen Blick auf eine oftmals durchwachsene Glaubenslandschaft", so der Innsbrucker Bischof. Auf den faktischen Priestermangel habe er in seiner Diözese etwa mit der Schaffung von Seelsorgeräumen reagiert, "eine Initiative, die jedoch auch der Glaubensvertiefung dient", sagte Scheuer. Die ersten Erfahrungen mit den Seelsorgeräumen seien "insgesamt besser als es manchen Untergangspropheten lieb wäre". Daher sei es "voreilig" und "falsch", angesichts der Bildung von Seelsorgeräumen und Pfarrverbänden von einer "Depression" oder einem "reinen Krisensymptom" zu sprechen, so der Bischof.

400 Teilnehmer

Mit mehr als 400 angemeldeten Teilnehmern - unter ihnen neun Bischöfe - erfreut sich die Pastoraltagung eines hohen Publikumszuspruchs. Außer Erzbischof Kothgasser, Diözesanbischof Alois Schwarz und Diözesanbischof Scheuer nehmen auch die Diözesanbischöfe Egon Kapellari (Graz), Klaus Küng (St. Pölten), Ludwig Schwarz (Linz), Elmar Fischer (Feldkirch) Paul Iby (Eisenstadt) sowie der Salzburger Weihbischof Andreas Laun an der Tagung teil.

Die vom Österreichischen Pastoralinstitut (ÖPI) veranstaltete Tagung steht unter dem Motto "Ämter und Dienste. Entdeckungen – Spannungen – Veränderungen". Eröffnet wurde die Tagung am Donnerstag mit einem Wortgottesdienst durch den Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz sowie durch die Präsentation von Auszügen der "Apostelgeschichten der Gegenwart" durch ÖPI-Generalsekretär Walter Krieger.

Wie Krieger betonte, stellen diese "Apostelgeschichten" einen "guten Spiegel des pfarrlichen Lebens" und ein "Zeugnis für die Buntheit und Vielfalt" der österreichischen Pfarren dar. Auffallend sei dabei laut Krieger, dass in den meisten "Apostelgeschichten" der Wunsch nach klaren Vorgaben und Ratschlägen für den Umgang mit der Nachwuchskrise laut wurde. 2007 waren insgesamt 638 dieser "Apostelgeschichten der Gegenwart" bei einer Audienz im Vatikan an Papst Benedikt XVI. überreicht worden.

O-Töne sind unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar. Honorarfreie Pressefotos können unter www.katholisch.at/pressefotos heruntergeladen werden. (forts.)
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