"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Gordischer Knoten gelöst" (Von Alois VAHRNER)

Ausgabe vom 8. Jänner 2009

Innsbruck (OTS) - Der Streit um eine Dornenkrone beim großen Landesumzug scheint beendet. Mit einem Symbol, mit dem nun wohl alle leben können.

Der Karren schien ausweglos verfahren. Die Südtiroler Schützen wollten beim Höhepunkt des heurigen Gedenkjahres, dem Landesfestumzug, wie schon 1959 und 1984 eine Dornenkrone mittragen. Vom klaren Nein der Landeshauptleute Günther Platter und Luis Durnwalder, der Tiroler Schützen-Spitze und sogar des früheren Südtirol-Widerstandskämpfers und "Pusterer Buam" Siegfried Steger (hat die letzte Dornenkrone noch selbst in Auftrag gegeben) hatten sich die Südtiroler nicht abbringen lassen. Und einen Wettbewerb initiiert, bei dem als Sieger eine Dornenkrone gekürt wurde, die eine Europafahne gleich mehrfach durchbohrt.

Es wäre ein äußerst fragliches Signal geworden, das die Europaregion Tirol da ausgesendet hätte, angesichts der über 20.000 Teilnehmer, noch weit mehr Zuschauer und der zu erwartenden internationalen Medienpräsenz. Zumal auch die einstigen Feinde Franzosen, Bayern und Sachsen friedlich mitmarschieren werden. Der Privatinitiative des Telfer Industriellen Arthur Thöni (auf dessen Firmengelände die letzte Dornenkrone steht) ist es zu verdanken, dass jetzt der gordische Knoten durchschlagen scheint.

Als Symbol für die teils schmerzliche Vergangenheit wird nun zwar erneut eine Dornenkrone mitgetragen - fast völlig verdeckt aber von blühenden Rosen. Die Rose soll auch Symbol des Umzugs werden. Diese soll für die prosperierende Europaregion stehen und eine hoffentlich gute Zukunft - bereits jetzt ohne jede Grenzkontrolle und mit gemeinsamer Währung. Klar ist: Die Dornenkrone ist und bleibt ein umstrittenes Symbol. Mit der nun gefundenen Kompromisslösung bekommt sie aber eine Aussage mehr nach vorwärts als nach rückwärts.

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