Auto-Gipfel: Zulieferindustrie mit Forderung nach rascher Hilfe

Maßnahmenmix mit Ausbau Kurzarbeit, NOVA-Neu und stärkere Dotierung Forschungsförderung - Krise kann bis zu 33.000 Jobs kosten

Wien (PWK007) - "Jetzt rasche und durchdachte Hilfe. Das sind die Prämissen, nach denen wir Hilfestellungen für unsere Branche erwarten", betonte heute, Donnerstag, der Vorsitzende der Arge Automotive Zulieferindustrie in der WKÖ, Dietmar Schäfer. Im heute abgehaltenen sogenannte "Auto-Gipfel" wurde die teils prekäre Situation der Betriebe der Zulieferbranche aufgezeigt. "Die Krise hat uns voll erfasst, bereits jetzt sind mehr als 7.500 Menschen in Kurzarbeit. Eine Offensive, die sowohl arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, Investitionsförderungen gerade bei Forschung und Entwicklung, aber auch eine staatliche Haftung für die signifikant gestiegenen Ausfallsrisiken bei Exporten in der Branche umfasst, kann den rund 800 Betrieben, die Großteils aus dem KMU-Bereich stammen, helfen, diese Krise zu überwinden", unterstrich der Industrie-Sprecher.

Auf dem Tisch liegen folgende Maßnahmen: Der Ausbau der Kurzarbeitsregelung ergänzt durch ein Sicherungsgeld für KMU, wenn außerhalb der Kurzarbeit Beschäftigungsverhältnisse weiter aufrecht erhalten werden. Die Kosten hierfür betragen rund 250-300 Mio. Euro pro Jahr. Dazu zählen: eine stärkere Dotierung der Forschungsförderung hin zu klima- und umweltorientieren Antriebstechnologien (Kosten ca. 20 Mio. Euro), Überbrückungshilfen und Investitionsförderung durch Haftungsübernahmen, steuerliche Maßnahmen wie eine Unterstützung durch Investitionsprämien und eine volle steuerliche Absetzbarkeit von Firmen-KFZ bei überwiegend betrieblicher Nutzung sowie eine steuerliche Absetzbarkeit von Werkstatt-Rechnungen als Sonderausgabe für Pendler.

Ebenfalls gefordert wird eine Neuregelung der NOVA (Entfall bis 120 g CO2, Halbierung bis 140 g CO2, darüber bisherige Regelung). Als aufwandsneutrale Maßnahme zur Stimulation des Neuwagenverkaufs mit umweltpolitischem Steuerungseffekt wird eine gestaffelte Umschichtung der KFZ Steuer zu Lasten von Altfahrzeugen und zu Gunsten von Fahrzeugen neuerer Erstzulassung gefordert.

Transportunternehmen mit modernsten LKW-Technologien (EURO 5/6) sollten kurzfristig über die beabsichtigte Differenzierung bei den Mauttarifen hinaus eine EU-rechtlich maximal mögliche Begünstigung hinsichtlich der LKW-Maut erfahren.

Laut einer von der Arge Automotive Zulieferindustrie der WKÖ initiierten hochaktuellen Umfrage des Industriewissenschaftlichen Instituts sprechen neun von zehn Unternehmen von teils massiven negativen Auswirkungen auf Ihre Aktivitäten und nennen Umsatzrückgang, Rückgang beim Auftragsvolumen etc. bis zur Schließung des Produktionsstandortes. Mehr als drei Viertel der Unternehmen litten bereits 2008 an den Auswirkungen der Finanz/-Konjunkturkrise; bei zusätzlichen 16% schlägt die Krise mit einer etwa halbjährlichen Verzögerung durch. Für das Jahr 2009 wird sich die Anzahl der negativ betroffenen Unternehmen erhöhen. 63 Prozent der Unternehmen rechnen mit mehr als 10 Prozent Umsatzrückgang, 3 Prozent sprechen sogar von mehr als 75 Prozent!

Sollte sich die Krise bis 2010 erstrecken, droht ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von bis zu 1,76 Mrd. EUR an direkter und indirekter Wertschöpfung zu entstehen (18,6% der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungseffekte der Automotiven Zulieferindustrie Österreichs) bzw. ein gesamtwirtschaftlicher Verlust von bis zu 33.000 Beschäftigungsverhältnissen.

"Wir haben es aktuell mit einer nicht berechenbaren Situation zu tun", so Schäfer. Dass sich aber Investitionen in Bereich der Zulieferindustrie nach einem zu erwartenden Anziehen der Märkte weiterhin rechnen werden, zeigt allein die Entwicklung in den Vorjahren. Im Zeitraum 1995 bis 2006 stieg der Produktionswert der automotiven Zulieferer um 160 % und damit mehr als doppelt so rasch als in der gesamten Sachgütererzeugung oder im Dienstleistungsbereich. Auch hinsichtlich der Entwicklung der Wertschöpfung - diese ist im selben Zeitraum um rund 90% angestiegen - zeigen sich die automotiven Zulieferer im Durchschnitt weit dynamischer als der Vergleichsbereich. "Und genau dorthin wollen wir wieder zurück. Dafür benötigen wir aber Schützenhilfe", so der Industrie-Sprecher abschließend. (us)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Arge Automotive Zulieferindustrie
Dr. Wolfgang Damianisch
Tel. 0664/2621052

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0003