ÖGJ: Arbeitsmarktkrise macht mehr Geld für Ausbildungsgarantie notwendig

Wirtschaftsförderung könnte an Lehrlingsausbildung gebunden werden

Wien (ÖGJ/ÖGB) - "Um 16,5 Prozent mehr arbeitslose Jugendliche -das ist ein Alarmsignal, auf das Politik und Unternehmen nicht mehr mit Parolen, sondern mit Sofortmaßnahmen reagieren müssen", sagt Jürgen Michlmayr, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). Die finanziellen Mittel für Ausbildungsgarantie und überbetriebliche Lehrlingsausbildung müssen erhöht werden, Aufweichungen des Lehrlingsschutzes sollen rückgängig gemacht werden. "Außerdem muss man darüber nachdenken, finanzkrisenbedingte Sonderförderungen nur jenen Banken und Unternehmen zu geben, die sich im Gegenzug zu verstärkter Lehrlingsausbildung verpflichten", so Michlmayr.++++

.Die Ausbildungsgarantie, die die vorige Bundesregierung auf Anregung der Sozialpartner beschlossen hat, ist in Zeiten guter Konjunktur und entsprechender Lage auf dem Arbeitsmarkt entstanden. "Das war damals richtig. Aus heutiger Sicht reicht das Geld aber nicht aus, um allen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zu verschaffen. Deshalb müssen die finanziellen Mittel für die überbetriebliche Lehrausbildung jetzt rasch aufgestockt werden", fordert der ÖGJ-Vorsitzende.

Rechtzeitig ausbilden statt später "Fachkräftemangel" schreien

Die Wirtschaft wird sich wieder erholen, und dann werden die Unternehmen gut ausgebildete Arbeitskräfte brauchen. "Die können dann aber nicht von einem Tag auf den anderen eingeschult werden. Sie brauchen eine fundierte Ausbildung, und mit der muss jetzt begonnen werden und nicht erst, wenn die Wirtschaft wieder ‚Fachkräftemangel’ schreit", sagt Michlmayr.

Das sei nicht nur als Appell an die Wirtschaft zu verstehen, sondern auch an Regierung und Parlament. So könnten etwa Unternehmen, an denen die öffentliche Hand Anteile hält, zur Lehrausbildung verpflichtet werden. "Worüber man auch nachdenken muss: Banken und andere Unternehmen, die zu ihrer Rettung Millionen- bis Milliardenbeträge an Sonderförderungen und Ausfallhaftungen bekommen, könnten verpflichtet werden, ihre Lehrlingsausbildung in vollem Umfang aufrecht zu erhalten", überlegt Michlmayr.

Besserer Kündigungsschutz für Lehrlinge

Um die Lehrlinge, die sich Sorgen um ihre Ausbildungsplätze machen, nicht zusätzlich unter Druck zu setzen, fordert Michlmayr die Wiedereinführung des Kündigungsverbots für Lehrlinge: "Wer eine Lehrstelle gefunden hat, muss sicher sein können, dass er seine Lehre auch abschließen kann. Eine gute Ausbildung ist immer noch das beste Mittel gegen Arbeitslosigkeit. Nur wer gut ausgebildet ist, hat auch in Zeiten schlechter Konjunktur eine Zukunftsperspektive."

Außerdem fordert die Gewerkschaftsjugend, dass für Lehrlinge - so wie für andere ArbeitnehmerInnen auch - eine Probezeit von einem Monat gilt. Derzeit sind es drei Monate, in denen die Lehrlinge ohne Angabe von Gründen jederzeit hinausgeschmissen werden können. Seit 2000 sind die Schutzbestimmungen für Lehrverhältnisse nach und nach ausgehöhlt worden, mit dem Argument, dass ein besonderer Kündigungsschutz dazu führt, dass die Unternehmen weniger Lehrstellen anbieten. Trotz der Aushöhlung steigt aber die Jugendarbeitslosigkeit massiv.(fk)

ÖGB, 8. Jänner 2009 Nr. 3

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