Papst ruft vor Diplomaten zu Friedensengagement für Nahost auf

"Militärische Optionen sind keine Lösung, Gewalt ist immer zu verurteilen"

Vatikanstadt, 8.1.09 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat erneut die Gewalt im Gaza-Streifen verurteilt und eine sofortige Waffenruhe gefordert. "Ich will noch einmal wiederholen, dass militärische Optionen keine Lösung sind und dass Gewalt, von welcher Seite sie auch kommt und welche Form auch immer sie annimmt, entschieden zu verurteilen ist", sagte der Papst beim Neujahrsempfang für die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten am Donnerstag. Die traditionelle Ansprache an die Botschafter ist eine der großen programmatischen Reden des Papstes.

Benedikt XVI. beklagte besonders die Leiden der Zivilbevölkerung. Die Situation erschwere eine Beilegung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern, die "von vielen Menschen in beiden Völkern und von der ganzen Welt ersehnt" werde. Eine Lösung könne es jedoch unter internationaler Beteiligung geben.

Der Papst bekräftigte seine Hoffnung auf Friedensverhandlungen "mit dem klaren Engagement der internationalen Gemeinschaft". Jeglicher Hass, Provokationen und Waffengebrauch seien zurückzuweisen. Als entscheidend bezeichnete Benedikt XVI. die bevorstehenden Wahlen auf israelischer und palästinensischer Seite. Notwendig seien Politiker, "die entschieden diesen Prozess voranbringen und ihr Volk zu der schwierigen, aber unverzichtbaren Versöhnung führen".

Sorge über weltweite Christenverfolgung

Eindringlich beklagte der Papst vor den Diplomaten die Diskriminierung von Christen in weiten Teilen der Welt. Die "schweren Attacken gegen tausende von Christen" im vergangenen Jahr seien ein Ausdruck moralischer Armut und bedrohten den Frieden, sagte Benedikt XVI. Dabei warnte er auch vor einer neuen Feindseligkeit gegen Christen in der westlichen Welt.

Seine besondere Nähe bekundete der Papst den verfolgten Christen im Irak und in Indien. Die betreffenden Regierungen forderte er auf, sich aktiv für ein Ende der Intoleranz und der Schikanierung von Christen einzusetzen. Schäden, vor allem an Kirchen und kirchlichem Eigentum, müssten repariert werden. Die politisch Verantwortlichen müssten mit allen Mitteln Respekt zwischen den Religionen fördern und jede Form von Hass und Verachtung verurteilen, so Benedikt XVI.

Im Blick auf westliche Staaten äußerte sich der Papst besorgt über antichristliche Tendenzen. Vorurteile und Feindseligkeit dürften nicht deshalb genährt werden, weil die Stimme der Christen in bestimmten Fragen Unruhe erzeuge. Die christliche Botschaft könne sich nicht auf den privaten Raum beschränken, betonte Benedikt XVI. (forts)
K200900185
nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0002