WirtschaftsBlatt-Kommentar: Wie die Autoindustrie zu retten wäre - von Alexis Johann

Was wäre, wenn Betriebe Prämien für Visionen bekämen?

Wien (OTS) - Die Aktion war ein voller Erfolg: Jeder dritte Franzose, der sich im Dezember einen Neuwagen anschaffte, griff auf die staatliche Prämie in der Höhe von 1000 Euro zu, um sein Altauto zu verschrotten. Der Autoabsatz in Frankreich brach daher im vergangenen Monat nur um 16 Prozent ein. In anderen Märkten, etwa Japan, betrug das Minus über 20 Prozent. Ähnliche Aktionen werden dort folgen, wo die Wirtschaft auf die Autoindustrie angewiesen ist, etwa in Deutschland oder auch in China. Den französischen Staat kostet diese Stützungsaktion derzeit rund 45 Millionen Euro im Monat. Im Vergleich zu den Banken ist die Rettung der Automobilbranche also vergleichsweise billig.

Aber greift das Konzept langfristig oder weckt es gar neue Begehrlichkeiten? Im Zuge der Wirtschaftskrise könnten sich Verkehrs- und Logistikunternehmen, Hotellerie- und Tourismusbetriebe, ja sogar Werbeagenturen melden, die ebenfalls absatzfördernde staatliche Maßnahmen fordern: Steuergutschriften für die Verschiffung und Lagerhaltung von Waren, die derzeit keine Abnehmer finden, Kopfprämien für Upgrades, um bei Fluglinien und Hotels leere Sitze und Betten zu füllen, Beihilfen für absatzstützende Werbemaßnahmen.

Zur Verteidigung der Verschrottungsprämien lässt sich einwenden, dass sie zur Ökologisierung der Fuhrparks beitragen sollen. Doch die Sache hat einen Haken. Auch wenn der CO2-Ausstoß neuer Autos geringer ist, die echten Produktrevolutionen haben die Autokonzerne noch nicht in die Schauräume gestellt. GM und Volkswagen werden 2011 Elektrofahrzeuge in Europa anbieten, Daimler bietet Hybridtechnik in allen Standard-Baureihen erst ab 2012 an. Wird es dann wieder Umstiegsprämien geben? Tatsache ist, dass nicht nur die Finanzbranche im Umbruch ist, sondern die gesamte Wirtschaft. Konzepte der Vergangenheit greifen für die Zukunft nicht. Die Staatsverschuldung wurde durch die Verschuldung privater Haushalte ersetzt. Nun ist die Blase geplatzt und der Staat verschuldet sich erneut, um den Schaden zu begrenzen. Das ist in Ordnung, solange das Ziel stimmt:
Verschuldet er sich, um Konsum zu finanzieren, wird das Problem nur verschoben. Der Abschied von der Leitbranche Auto wird früher oder später kommen. Und es muss Ersatz gefunden werden. Besser, wenn den Unternehmen geholfen wird, diesen Umstieg zu gestalten, anstatt ihnen die Lager leer zu kaufen. Was wäre, wenn Betriebe dafür belohnt würden, dass sie wettbewerbsfähiger werden, dass sie in Bildung und Forschung investieren und Visionen entwickeln? Das Geld gebe es jetzt auch, den positiven Effekt dagegen noch lange.

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