Greenpeace: Auto-Verschrottungsprämie ist Geldverschwendung

Geschenk an Autoindustrie bringt kaum Entlastung für Klima

Wien (OTS) - Im Vorfeld des morgen im Bundeskanzleramt stattfindenden Verkehrsgipfels übt die Umweltorganisation Greenpeace heftige Kritik am Vorschlag, mittels einer Verschrottungsprämie für ältere Autos die CO2-Emissionen des Verkehrs reduzieren. "Verschrottungsprämien kosten viel und bringen wenig fürs Klima. Das Geld könnte anders wirkungsvoller eingesetzt werden", so Energieexperte Jurrien Westerhof von Greenpeace.

Verschiedene Organisationen haben bisher die Einführung einer Verschrottungsprämie als Anreiz gefordert, um alte Autos aus dem Verkehr zu ziehen. So sollen nicht nur die Verkaufszahlen für Neuwagen erhöht sondern auch die CO2-Emissionen verringert werden. Vorgeschlagen wird eine Prämie von eintausend Euro pro Fahrzeug, falls das Auto älter als zwölf Jahre alt ist.

Berechnungen von Greenpeace zeigen allerdings, dass die Kosten pro vermiedene Tonne CO2-Emissionen in Vergleich zu anderen Klimaschutzmaßnahmen sehr hoch sind. So betragen die Kosten in einem typischen Fall, wie beim Eintausch eines zwölf Jahre alten Sieben-Liter-Autos gegen ein neues Fünf-Liter-Auto, beinahe 800 Euro pro Tonne eingesparter CO2-Emissionen. Ist das Auto fünfzehn Jahre alt, steigen die Kosten auf 2.400 Euro pro Tonne an, da das Auto ohnehin bald von der Straße verschwinden würde.

Vergleicht man diesen CO2-Vermeidungskosten mit den Kosten von anderen Klimaschutz-Maßnahmen, dann wird klar, dass eine Verschrottungsprämie klimapolitisch gesehen sehr ineffizient ist. So kostet die Vermeidung einer Tonne CO2-Emissionen mittels Windenergie - abhängig vom Standort - nur zwanzig bis fünfzig Euro. Wärmedämmung oder Sparlampen kommen noch billiger: hier sind die CO2-Vermeidungskosten mit 130 beziehungsweise 90 Euro sogar negativ, was bedeutet, dass es sogar Geld kostet, diese Maßnahmen nicht umzusetzen.

Abgesehen von den hohen Kosten gibt es noch ein Problem mit Verschrottungsprämien. Denn ist das Auto zu neu, macht eine Verschrottung noch keinen Sinn, weil der Energieaufwand bei der Produktion noch nicht "zurückverdient" ist. Ist das Auto aber zu alt, dann würde es ohnehin bald aus dem Verkehr verschwinden, unabhängig von einer Prämie. Es bleibt also ein Zeitfenster von nur wenigen Jahren, wo es tatsächlich sinnvoll wäre für das Verschrotten zu bezahlen.

"Autos, die sowieso bald von der Straße verschwinden würden, zuvor noch 1.000 Euro in den Auspuff zu schieben, kostet nur Steuergeld und bringt nichts für Klima", so Westerhof, "Jahrelang hat die Autoindustrie den Klimawandel verschlafen und hauptsächlich Spritfresser gebaut. Wenn die gleiche Autoindustrie jetzt den Klimawandel als Grund angibt, um den Verkauf von neuen Autos mit einer Prämie zu fördern, dann ist Skepsis angebracht."

Greenpeace ruft die Bundesregierung auf, den Vorschlag nicht zu unterstützen. "Mit dem Beschluss einer derart teuren Klimaschutzmaßnahme wie der Auto-Verschrottungsprämie setzt die Regierung aufs falsche Pferd", so Westerhof, "Mit dem Ausbau von erneuerbaren Energien oder mit einer Wärmedämmungsoffensive ist mehr Klimaschutz für weit weniger Geld zu haben. Zudem würden in diesen Bereichen auch Arbeitsplätze geschaffen."

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Jurrien Westerhof, Energieexperte
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