"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ein Krieg ohne Sieger" (Von ANDREAS SCHWITZER)

Ausgabe vom 5. Jänner 2009

Innsbruck (OTS) - Die israelische Bodenoffensive wird ein langwieriges Gemetzel, aus dem keiner als Sieger hervorgehen wird.

Israel kann mit dem Einmarsch im Gazastreifen nur verlieren. Ähnlich wie im Libanon 2006 gegen die Hisbollah werden die israelischen Truppen auch gegen die Guerilla-Kämpfer der Hamas kaum einen militärischen Sieg davontragen können. Im dicht besiedelten "Sumpf von Gaza", wo die Hamas Zivilisten nur zu gerne als Schutzschilde benutzt, könnte die Zahl der Toten in die Tausenden steigen. Israel mag es im günstigsten Fall gelingen, die Hamas-Regierung von Ismail Haniyeh zu stürzen, doch die Bewegung selbst wird aus dem Gemetzel im Gazastreifen letztlich noch stärker und radikaler hervorgehen - wenn auch zu einem hohen Preis.

Mit seinem unverhältnismäßigen Einsatz von Waffengewalt hat Israel zudem seinen übrigen Feinden in der arabischen Welt neues Futter für deren Zorn gegeben. Dem Land droht eine zweite Kriegsfront mit der Hisbollah im Libanon, auch im von der Fatah regierten Westjordanland könnte die Lage wieder eskalieren. Gleichzeitig steht Israel auch international immer isolierter da. Nur die USA - denen aber ein baldiger Wechsel an der Spitze bevorsteht - blockieren eine Verurteilung Israels im UNO-Sicherheitsrat. Und die Öffentlichkeit ist ohnehin selten auf der Seite der Panzer und Kampfjets.

Auch in Israel selbst könnten die für die Offensive federführenden Politiker wie Verteidigungsminister Ehud Barak den erhofften Wahlsieg bei den Parlamentswahlen am 10. Februar verfehlen. Denn die ersten toten israelischen Soldaten und ein ausufernder Guerilla-Krieg, an dessen Ende keiner als Sieger dastehen wird, dürften die Umfragekaiser schnell zu Wahlverlierern machen.

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