"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Genug der schönen Worte" (Von WOLFGANG SABLATNIG)

Ausgabe vom 30. Dezember 2008

Innsbruck (OTS) - Tirol ist Schlusslicht bei den Einkommen. Keine schöne Schlagzeile, im Gegenteil. Der Grund dafür liegt im hohen Anteil des Gastgewerbes, der Branche mit den geringsten Durchschnittslöhnen. Da ändert es auch nichts mehr, dass die Tiroler Wirte und Hoteliers besser zahlen als ihre Kollegen in den anderen Bundesländern.
Stärker zu denken geben aber andere Ergebnisse des neuen Einkommensberichts. Politiker beiderlei Geschlechts sagen der Benachteiligung von Frauen gerne den Kampf an. Geholfen hat das bisher nichts. Frauen in der Privatwirtschaft verdienen weniger als die Hälfte des Einkommens ihrer männlichen Kollegen.
Eine schlüssige Erklärung für die großen Unterschiede ist die Kindererziehung, die nach wie vor großteils Frauensache ist. Nach der Babypause ist der Einstieg oft aber nur schwer wieder möglich - und wenn überhaupt, dann oft auf schlechteren Positionen oder in Teilzeit. Der Rechnungshof verweist aber auch darauf, dass Branchen mit geringen Einkommen oft von Frauen dominiert sind.
Die Koalition plant Reformen beim Kindergeld, um auch Väter zur Babypause zu motivieren. Viel wichtiger wäre aber eine Bewusstseinsänderung, nicht nur bei der Politik, sondern auch in der Wirtschaft und in der gesamten Bevölkerung. Solange Frauen vor allem in Frauenberufe drängen, schreiben sie die Verhältnisse fest. Und solange Männer die Kinder vertrauensvoll den Frauen überlassen, nehmen auch sie ihren Partnerinnen viele Chancen.
Und eine echte Änderung der Verhältnisse tritt dann ein, wenn dem richtigen Bewusstsein die entsprechenden Taten folgen - das ist der schwierigste Schritt.

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