WirtschaftsBlatt-Kommentar: Gegen den Krieg hilft nur die Waffe des Wohlstands - von Wolfgang Unterhuber

Ein Marshall-Plan für den Nahen Osten ist die letzte Chance

Wien (OTS) - Die Menschen können aus der Geschichte lernen. Das Problem ist nur: Es gibt keine Schüler." Dieses Zitat des großen österreichischen Historikers Friedrich Heer hat sich nirgendwo auf der Welt so bewahrheitet wie im Nahen Osten. Über sechs Jahrzehnte nun schon befinden sich die Israelis mit ihren Nachbarn im Zustand des permanenten Kriegszustandes. Gewiss: Es gab auch Momente der Hoffnung, wie etwa den Friedensschluss zwischen Ägypten und Israel in den 70-ern und die Aufnahme des Dialogs zwischen Palästinensern und den Vertretern des jüdischen Staates in den 90-ern. Aber in Summe überwiegen bei weitem die Rückschläge.

Mehr noch: Nach endlosen und fruchtlosen Friedensbemühungen betrachtet die Welt den israelisch-palästinensischen Konflikt als Normalzustand. Den arabischen Staaten ist das Schicksal der Palästinenser längst egal. Die Europäische Union glaubt sich mit jährlichen Millionenspenden für den Gaza-Streifen vom Konflikt freikaufen zu können und die USA sind inzwischen längst Teil des Problems. Hätte die Weltwirtschaftskrise feiertagsbedingt nicht eine Pause eingelegt, die jüngste Eskalation im Gaza-Streifen hätte wohl kaum eine derlei große Beachtung gefunden.

Einmal mehr stellt sich die Frage, ob dieser Konflikt überhaupt noch lösbar ist. Theoretisch ja. Denn es gibt eine Waffe, die wirksamer ist als Raketen und Panzer. Diese Waffe heißt: Wohlstand. Denn Wohlstand ist der stärkste Feind des Radikalismus und Nationalismus. Das Dumme ist nur, dass auf diese Waffe beständig vergessen wird. Dabei würde ein Marshall-Plan, der die komplette Region von Gaza bis Teheran miteinbezieht, wohl mehr Chancen auf eine Lösung des Konflikts beinhalten als das System von "Aug um Aug, Zahn um Zahn". Freilich: So ein Marshall-Plan wäre nur realisierbar, wenn die Großmächte USA, Rußland und China vereint die Nahost-Mächte - von israelischen und palästinensischen Hardlinern angefangen bis zu den iranischen Mullahs - an den Verhandlungstisch zwingen würden.
Das mag naiv erscheinen, denn gerade in Zeiten einer weltweiten Finanzkrise haben alle Beteiligten wohl andere Brände zu löschen.

Das Thema wird aber spätestens dann virulent, wenn der neue US-Präsident Barack Obama sein Versprechen eines Truppenabzugs aus dem Irak einlösen will. Will er einen Bürgerkrieg im Irak und damit einen Flächenbrand im gesamten Nahen Osten verhindern, muss er eine große Lösung andenken, die auch das Palästinenser-Problem miteinbezieht.

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