Wien: Jahresrückblick der rathaus korrespondenz: Kultur

Wien (OTS) - Von den Oscar-Feiern für Stefan Ruzowitzky über ein gutes Kulturangebot während der EURO 08 bis zur Nestroy-Gala, vom Tod Wendelin Schmidt-Denglers bis zum frühen Ableben von Hansi Lang: Das zu Ende gehende Kulturjahr 08 hatte viele erfreuliche, aber auch einige tragische Ereignisse. Im Folgenden ein Überblick, nicht nur über wichtige kommunale Kulturentscheidungen.

8. Jänner: Wien verfügt über eine neue Kulturdatenbank. Das neue digitale Kulturportal umfasst alle relevanten Daten aus kommunalen Archiven, dem Museum auf Abruf, Archäologie, Architektur und Stadtgestaltung. Das Portal basiert auf dem ViennaGIS, dem Geografischen Informationssystem der Stadt Wien (www.wien.gv.at/kultur/kulturgut/)

18. Jänner: Wien stellt ein neues Förderungssystem speziell für junge Kunst- und Kulturinteressierte vor. "Cash for Culture" soll 13 bis 20jährige animieren, ihre jeweiligen Vorhaben umzusetzen. Die dafür ins Leben gerufene Förderung soll sich durch eine unbürokratische Praxis auszeichnen. Insgesamt stehen 60.000 Euro hierfür zur Verfügung.

28. Februar: Der Schauspieler und langjährige Leiter des Theaters am Schwedenplatz, Herbert Lederer, wird mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ausgezeichnet. Lederer wurde 1926 in Wien geboren und gründete 1970 das besagte Theater.

1. März: Architekt Prof. Gustav Peichl wird mit dem Goldenen Rathausmann geehrt.

4. März: Die Stadt Wien ehrt Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky mit einem opulenten Empfang im Wiener Rathaus.

5. März: Der Vertrag von Wien Museum-Direktor Wolfgang Kos wird bis 2013 verlängert.

9. März: Der "Tag der Bezirksmuseen", der zum zweiten Mal stattfindet, lockt um die 5.000 Besucher in die 23 Bezirksmuseen Wiens.

14. März: Der Verleger Ulrich Schulenburg und der Schriftsteller Alfred Zellinger werden geehrt. Ersterer erhält das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, zweiterer das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien.

29. März: Der Maler Josef Mikl stirbt im 78. Lebensjahr. Mikl, 1929 in Wien geboren, zählte zu den prägendsten Malern der österreichischen Nachkriegskunst. Von ihm stammt die künstlerische Neugestaltung des Großen Redoutensaales in der Wiener Hofburg, die nach deren Brand notwendig geworden war. Mikl war Gründungsmitglied der Gruppe Galerie St. Stephan und war auch Mitglied des legendären Wiener Art Clubs. Mikl war seit 2004 Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich wie auch Träger des Ehrenrings der Stadt Wien. Werke des Künstlers befinden sich auch im Besitz der eigenen Kunstsammlung der Stadt Wien.

31. März: Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny stellt die neue Theaterjury der Öffentlichkeit vor. Ihr gehören Jürgen Weishäupl, Berno Polzer, Sylvia Kargl, Eva Hosemann und Thomas Licek an. Ihre Empfehlungen betreffen die Periode der Konzeptförderung für die Jahre 2009 bis 2013.

1. April: Im Gedenken an den "Verstehen Sie Klassik"-Journalisten wird in der Donaustadt die Marcel Prawy-Promenade enthüllt. Prawy, der 1911 als Marcell Horace Frydmann Ritter von Prawy geboren wurde, verstarb 2003 im Alter von 92 Jahren in Wien. Er ist in einem Ehrengrab der Stadt Wien am Zentralfriedhof begraben.

1. April: Gerhard Renner, stellvertretender Direktor der Wienbibliothek im Rathaus, verstirbt im 56. Lebensjahr. Renner kam 1991 zur Wienbibliothek, wirkte wesentlich bei der EDV-Umstellung der Dienststelle mit. Wesentliche Kompetenz erarbeitete er sich bei Restitutionsfragen. Ebenso ist er Autor einiger wesentlicher Werke zu Nachlässen in Österreich. Seit dem Jahr 1999 wirkte er als stellvertretender Leiter der Wienbibliothek.

4. April: Ehrungen in der heimischen Rock-Szene: Ludwig Adam und Kurt Hauenstein werden mit dem Silbernen Verdienstzeichen des Landes Wien geehrt.

16. April: Samy Molcho, bekannt geworden als Pantomime, erhält das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. Der Schauspieler und Kabarettist Peter Lodynski wird mit der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Silber geehrt.

30. April: Der ehemalige Wiener Kulturstadtrat Dr. Peter Marboe (ÖVP), der zwischen 1996 und 2001 das entsprechende Ressort leitete, erhält das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. Nach seinem Ausscheiden aus der Stadtregierung verantwortete Marboe erfolgreich das Mozartjahr 2006. Marboe, Jahrgang 1942, machte vor seinem Einstieg in die Wiener Kommunalpolitik Karriere in den USA, wo er seit 1970 in verschiedenen Funktionen die kulturelle Visitekarte Wiens und Österreichs in New York pflegte.

9. Mai: Festwochen-Intendant Luc Bondy wird bis zum Jahr 2013 verlängert. Bondy, Jahrgang 1948, wurde im Jahr 2001 mit der Gesamtleitung dieser kulturellen Visitenkarte Wiens betraut.

9. Mai bis 18. Juni: Die Wiener Festwochen bilanzieren mit 178.000 Besuchern eine Auslastung von 88,8 Prozent, was einem Plus von 4,26 Prozent entspricht. Insgesamt wurden 44 Produktionen aus 24 Ländern in 146 Vorstellungen gezeigt. Neun Produktionen waren ausverkauft.

8. bis 28. Juni: Im Rahmen der EURO 08 präsentiert sich Wien vor allem auch als Kulturstadt. Am "Kunstplatz Karlsplatz" wird entlang von vier Bühnen ein 100 Veranstaltungen umfassendes Kulturprogramm aus Musik, Performances und Literatur-Auftritten erfolgreich angeboten.

16. Juni: Der Bildhauer und ehemalige Präsident der Wiener Secession Univ. Prof. Werner Würtinger, Jahrgang 1941, erhält das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien, der Galerist Heinrich Steinek, Jahrgang 1935, das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien.

19. Juni: Der zum 41. Mal im Wiener Volkstheater vergebene Karl-Skraup-Preis geht an Günter Franzmeier, Georg Schmiedleitner und Beatrice Frey.

30. Juni: Das Ronacher wird nach seiner umfangreichen Sanierung und Modernisierung mit dem Musical "The Producers" wieder eröffnet. Die umfassende Sanierung kostete 46,8 Millionen Euro. Die Geschichte des Ronachers geht bis ins Jahr 1872 zurück.

1. Juli: Thomas Drozda tritt als neuer Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien seine Stellung an. Er folgt KR Franz Häußler nach. Drozda, Jahrgang 1965, studierte betriebs- und Volkswirtschaft in Linz, seit 1998 war er als Geschäftsführer des Burgtheaters tätig.

3. Juli: Der Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien, KR Franz Häußler, wird feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Häussler wirkte 39 Jahre bei den Vereinigten Bühnen Wien.

11. Juli: Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny präsentiert der Öffentlichkeit das "Wiener Filmpaket". Insgesamt werden dabei zusätzlich 4,25 Millionen Euro für den österreichischen Film bereit gestellt. Damit beträgt das Filmbudget in Zukunft eine Gesamthöhe von 16,25 Millionen Euro. Weitere Erneuerungen sind die Neugründung einer eigenständigen Fernsehfilmförderung, wie auch die Neugründung einer Wiener Film Commission.

21. Juli: Karl Krumpöck von den Wiener Symphonikern stirbt.

24. August: Der bekannte Musiker und Schauspieler Hansi Lang stirbt an einem Schlaganfall. Der 53jährige prägte über viele Jahre die Wiener Popmusik wesentlich mit. Lang wurde am 13. Jänner 1955 in Hernals geboren. Seine ersten Auftritte hatte er bereist mit jungen 13 Jahren, als Schlagzeuger. 1975 stieß er zur "Hallucination Company", fünf Jahre später startete er seine Solokarriere mit der eigenen Band "Dreamboat". "Keine Angst" hieß seine erste Langspielplatte aus dem Jahr 1982. Neben der Musik trat Lang auch immer wieder als Schauspieler auf. Zwischen 1990 und 1992 spielte er im Wiener Stadttheater und im Metropol, auch ein Auftritt im Theater in der Josefstadt folgte. Im Jahr 2000 war Hansi Lang als Citizen Kaine im Wiener Ronacher in der "Falco Cyber Show" zu sehen. Zuletzt arbeitete er am Projekt "Die Bucht von Wien", bei dem unvertonte Gedichte von H.C. Artmann in Lieder umgemünzt wurden. 2006 wurde er mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien geehrt. Am 30. August wurde Hansi Lang im Familiengrab im 17. Bezirk beigesetzt.

7. September: Völlig überraschend verstirbt der bekannte Wiener Germanist und Literaturwissenschaftler Wendelin Schmidt-Dengler. Der Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek und Vorstand des Wiener Instituts für Germanistik, dem er seit 1989 als ordentlicher Professor angehörte, starb im 66. Lebensjahr. Schmidt-Dengler wurde 1942 in Zagreb geboren, war Träger diverser hochrangiger Auszeichnungen. Im Jahr 1968 erhielt er den Theodor-Körner-Preis zugesprochen, 1994 den Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik, 1997 den Preis für Sozial- und Geisteswissenschaften der Stadt Wien. Der ausgewiesene Doderer-Experte war auch publizistisch im medialen Tagesgeschäft sehr aktiv. Sein Werk "Bruchlinien" zählt bis heute zu den Standardwerken der zeitgenössischen Literatur-Expertise.

11. September: Walter Heun wird als neuer künstlerischer Leiter des Tanzquartieres Wien der Öffentlichkeit vorgestellt. Er wird ab Sommer 2009 in dieser Funktion arbeiten. Im Frühjahr 2008 wurde die Intendanz neu ausgeschrieben, die Sigrid Gareis über viele Jahre inne gehabt hat. Heun studierte Theaterwissenschaften und hat sich als Initiator mehrerer namhafter Tanzfestivals einen Namen gemacht.

14. September: Das Film Festival 2008 am Rathausplatz geht zu Ende. Binnen neun Wochen
haben rund 640.000 Menschen das Klassik-Festival besucht.

18. September: Das seit 1981 existierende Stadtkino am Schwarzenbergplatz (früher: "Kammerlichtspiele am Schwarzenberg") erhält mit Claus Philipp eine neue Leitung. Philipp war langjähriger Kulturressortleiter der Tageszeitung "Der Standard". Vor der Neubestellung leitete Franz Schwartz das für seine hochqualitativen Filme bekannte Kino am Schwarzenbergplatz.

9. Oktober: In Anwesenheit von Bürgermeister Michael Häupl wird im Donaupark eine Che Guevara-Büste eröffnet. Anlass ist die 80. Wiederkehr des 1928 in Argentinien geborenen Revolutionärs, der 1967 erschossen wurde. Neben "Che" gibt es noch drei weitere südamerikanische Denkmäler, nämlich für Simón Bolívar, José Martí und Salvador Allende.

16. Oktober: Die Kornhäusel-Villa in Ottakring, zugleich das älteste einstöckige Wohnhaus des 16. Bezirkes, wurde um 1,6 Millionen Euro saniert und fertig gestellt. Der Name der Villa erinnert an den Wiener Architekten Josef Georg Kornhäusel (1782 - 1860). Neben der Sanierung der Villa wurde auch eine neue Wohnhausanlage eröffnet.

16. Oktober: Das sanierte Bezirksmuseum Ottakring geht wieder in Betrieb. Um rund 24.000 Euro wurde das 1935 gegründete Museum am Richard Wagner-Platz rundum erneuert. Ingesamt beherbergt das Museum um die 3000 Exponate der lokalen Geschichte des 16. Bezirkes.

16. Oktober: Der japanische Architekt Toyo Ito erhält den zum sechsten Mal vergebenen österreichischen Friedrich Kiesler-Preis 08.

23. Oktober: Wera Goldstein (86) erhält für ihr Lebenswerk und als letzte noch aktive Vertreterin des Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Ausdruckstanzes die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Bronze.

12. November: Der Lyriker Oswald Egger ist Preisträger des im Zwei-Jahres-Rhythmus vergebenen H.C. Artmann-Preises. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die eigentliche Verleihung wird Anfang 2009 stattfinden.

17. November: Die Preise der Stadt Wien werden verliehen. Jede der Kategorien ist mit jeweils 8.000 Euro dotiert. Die Preisträger 2008 sind Robert Streibl (Volksbildung), Karl Woisetschläger (Publizistik), Peter Waterhouse (Literatur), Heidulf Gerngross (Architektur), Helga Nowotny (Geistes- und Sozialwissenschaften), Paul Alexander Kyrle (Medizin), Michael Wagner (Natur- und Technische Wissenschaften), Bernhard Lang (Musik), Gruppe Gelitin, Maria Hahnenkamp, Ursula Hübner, Dominik Steiger (Bildende Künste).

20. November: Das Bezirksmuseum Mariahilf wird nach einer umfangreichen Sanierung wieder eröffnet. Die Gesamtkosten betrugen rund 59.000 Euro. Neben der Neuausstellung der Schausammlung ist als Erweiterung auch ein Glasmuseum hinzugekommen.

20. November: Die Nestroy-Preise rund um besondere Leistungen um das Theater werden im Ronacher feierlich vergeben: der Regisseur Peter Zadek wird für sein Lebenswerk geehrt, als bester Autor sticht Gert Jonke bereits zum dritten Mal hervor. Michael Thalheimer erhält für die beste deutschsprachige Aufführung 08 ("Ratten" von G. Hauptmann) einen Nestroy zugesprochen, beste Schauspielerin ist Regina Fritsch, bester Schauspieler Markus Hering. Als beste off-Produktion wird "komA" von Volker Schmidt und dem bereits verstorbenen Georg Staudacher gekürt. Weitere Kategorien waren u.a. das Bühnenbild, bester Nachwuchs bzw. auch beste Nebenrollen. Für den gelungensten Neustart bekam Schauspielhaus-Direktor Andreas Beck den Spezialpreis zugesprochen.

1. Dezember: Der den gesamten November stattgefundene "Monat der Fotografie" geht zu Ende. Die positive Bilanz: Um die 300.000 Besucherinnen und Besucher interessierten sich für eine der 125 Ausstellungen mit Werken von insgesamt 550 Fotokünstlern.

1. Dezember: Norman Shetler, Mitbegründer der fremdsprachigen Videothek Alphaville, folgt Ruth Goubran als Geschäftsführer des bekannten, im Jahr 1960 erbauten Wiener Gartenbaukinos nach.

16. Dezember: Die Kinder- und Jugendbuchpreise der Stadt Wien für 2008 gehen an Lilly Axster, Christine Aebi, Gerda Anger-Schmidt, Angelika Kaufmann, Heinz Janisch und Helga Bansch. Der Illustrationspreis geht an Anka Luger.

17. Dezember: Die 48jährige Marijana Stoisits wird Leiterin der Vienna Film Commission, die im Februar 2009 ihre Arbeit aufnehmen wird. Stoisits ist promovierte Ethnologin und Kunsthistorikerin mit viel Medien- und Kunsterfahrung, darunter etwa zwischen 2005 und 2008 Redaktions- und Büroleiterin des Wien-Büros von Spiegel TV. Die Film Commission wird mit 500.000 Euro dotiert sein. (Schluss) hch

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