Wien: Jahresrückblick der rathaus korrespondenz: Chronik

Wien (OTS) - Die Organisation der EURO 08 war zweifelsohne für Wiens Verwaltung die größte Herausforderung des zu Ende gehenden Jahres. Anfängliche Befürchtungen etwa in Sachen Verkehr oder Fans lösten sich in Luft auf, das Fußball-Spektakel, das im Ernst Happel-Stadion am Abend des 29. Juni mit Spanien als neuen Europaweltmeister zu Ende ging, verlief rundweg erfolgreich. Der Brand im Kongressbad, Wasserrohrbrüche in Hietzing, die Eröffnung des ersten islamischen Friedhofs in Liesing oder der Start der Umbauten beim Westbahnhof zählen zu weiteren bedeutsamen chronikalen Ereignissen dieses Jahres für Wien.

4. April: Feuerwehr und Rettung üben kurz vor der eigentlichen Inbetriebnahme der verlängerten U2 bis zum Happel-Stadion ein Einsatzszenario. Die Annahme war, dass aufgrund entzündeter Feuerwerkskörper 120 U-Bahn-Passagiere zum Teil schwer verletzt sind. Insgesamt waren 180 Sanitäter, 10 Notärzte, 60 Mann von der Feuerwehr und 150 Polizisten in die Groß-Übung eingebunden.

14. April: Wien benennt als erste Stadt Österreichs nach einem Moslem einen öffentlichen Platz. Es handelt sich dabei um den Muhammad-Asad-Platz vor der UNO in der Donaustadt. Muhammad Asad hieß ursprünglich Leopold Weiss (1900-1992) wurde zur Jahrhundertwende in Lemberg geboren, nach dem Ersten Weltkrieg wurde er in Wien ansässig. Eien bedeutsame Rolle erwirkte er als Brückenbauer zwischen den Religionen des Judentums und des Islams. Bedeutsam war seine Übersetzung des Koran ins Englische. 1926 konvertierte Weiss vom Judentum zum Islam. Nach langjährigem Aufenthalt bei König Ibn Saud, Gründer Saudi Arabiens, ging er nach Indien und wirkte am Entstehen von Pakistan mit. 1949 trat Asad in den diplomatischen Dienst Pakistans und arbeitete jahrelang in dieser Funktion bei den Vereinten Nationen in New York. 1992 verstarb er in Andalusien.

19./20. April: Brand im Kongressbad: In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist der Saisonkabinentrakt abgebrannt. Um die 100.000 Euro Schaden entsteht. Rund 60 Mann der Feuerwehr standen im Einsatz. Brand betraf den etwa 150 Quadratmeter großen denkmalgeschützten Saisonkabinentrakt. Das Kongressbad zählt zu den Visitenkarten des "Roten Wien", im Jahr 1928 errichtet.

27. April: 25. Vienna City Marathon, fast 30.000 Teilnehmer, 370 mussten medizinisch versorgt werden, 17 NotfallmedizinerInnen im Einsatz und über 250 Notfall- und Rettungssanitäter, Sieger ist der Kenianer Abel Kirui, 25 Jahre alt, Siegerzeit: 2:07:38

2. Mai: Eröffnung der Badesaison: 17 Anlagen stehen bereit, 2007 besuchten 2,6 Millionen Menschen die Wiener Freibäder

10. Mai: Feierliche Eröffnung der Verlängerung der U2 bis zur Station "Stadion". Nach fünfjähriger Bauzeit beträgt die Länge der U2 nun mehr 7, 4 Kilometer und umfasst 11 Stationen. Das neue Teilstück beträgt 3, 9 Kilometer und kostete um die 890 Millionen Euro. Mit der Verlängerung wurde die Straßenbahnlinie 21 eingestellt, für deren Fortbestand sich insbesondere die Grünen ausgesprochen hatten und hierfür rund 8.000 Unterschriften gesammelt hatten. Weitere Veränderungen betreffen die Autobuslinien 11A, 77A, 80A und 80B.

7. bis 29. Juni: Erstmals wird in Österreich und in der Schweiz die Fußball-Europameisterschaft ausgetragen, davon insgesamt sieben Spiele samt dem Finale in Wien. Während der EURO 08 muss die Wiener Polizei insgesamt 60 Staatsgäste schützen und 120 Verkehrs-Lotsungen durchführen. EM-mäßig eingesetzt sind an Spieltagen 1.800 Beamten, beim Finale am 29. Juni in Wien stehen 2.500 Beamte der Exekutive im Einsatz. Den Schwerpunkt des Verkehrkonzepts bildet der öffentliche Verkehr: Während der EM verzeichnen die Wiener Linien insgesamt 7,4 Millionen zusätzliche Fahrgäste. Die kurz davor eröffnete U2-Verlängerung bis zum Ernst-Happel-Stadion besteht erfolgreich ihre Feuertaufe. Die eigens für die EURO 08 aufgestellte "Fanzone Wien", die sich vom Rathausplatz quer über den Ring bis zum Heldenplatz erstreckt, zählt in Summe 1,2 Millionen Besucher, die im Laufe der 23-tägigen Veranstaltung an die 1,5 Millionen Getränke konsumieren. Zur "inoffiziellen Fanzone" mutiert indessen der Bereich um die Ottakringer Straße, die nicht nur ein Mal zugunsten der Fans für den Verkehr gesperrt wird. Das Hanappi-Stadion wird zwei Mal als zusätzliche Fanzone geöffnet. Das EM-Sanitätsteam muss während der Fußball-Festwochen circa 2.750 Mal ausrücken, größtenteils handelt es sich dabei um leicht behandelbare Kleinigkeiten. Europameister wird die spanische Nationalmannschaft, die sich gegen das Team aus Deutschland beim Finale in Wien mit 1:0 durchsetzt. Österreich scheidet in der Vorrunde unglücklich aus.

18. August: Großeinsatz der Feuerwehr in Floridsdorf auf einem dortigen ÖBB-Gelände. Schweißarbeiten waren die Ursache für einen Brand des Daches einer dortigen Lagerhalle. Wiens Berufsfeuerwehr unterstützte die dortige Betriebsfeuerwehr mit 80 Mann und 17 Fahrzeugen. Der Brand erstreckte sich auf einer Länge von 60 und einer Breite von 10 Metern.

20./21. August: Schwerer Wasserrohrbruch in der Fasangartenstrasse in Hietzing. Über sieben Stunden stehen um die 70 Feuerwehrmänner im Einsatz, 19.000 Kubikmeter Hochquellwasser verwandeln die lokale Umgebung in einen Fluss. Eine Straßenbahngarnitur blieb im Wasser stecken und musste abgeschleppt werde, Der Grund für das Loch in dem knapp 1 Meter Durchmesser-Trinkwasserrohr konnte nicht geklärt werden. Mehrere Häuser mussten kurzzeitig evakuiert werden, diverse Keller und eine dortige Baugrube musste ausgepumpt werden. Am nächsten Tag platzt in knapper Nähe des ersten Lecks, konkret: in der Veitingergasse, wiederum ein Rohr. Der Wasserschaden fällt diesmal deutlich geringer aus. Personen kamen bei beiden Einsätzen nicht zu schaden.

11. September: Brand in Lagerhalle löste Flug- und Zugumleitungen aus. Am Donnerstag kam es in Simmering in der Grillgasse 50 gegen 18.00 Uhr zu einem Großbrand einer Lagerhalle. An die 100 Mann der Wiener Feuerwehr waren bis etwa Freitag 7.30 Uhr im Einsatz. Der Schaden war enorm, da nicht nur die Halle ausbrannte, sondern auch technische Ausrüstung einer Veranstaltungsfirma zerstört, der nahegelegene Schienenverkehr der ÖBB und durch die starke Rauchentwicklung der Flugverkehr umgeleitet werden musste. Drei Feuerwehrmänner erlitten Verbrennungen, kurzfristig musste Alarmstufe 3 ausgegeben werden.

14. September: Bäderschluss in den Wiener Sommerbädern. Insgesamt haben knapp über 2,4 Millionen Personen in der heurigen Saison eines der Wiener Sommerbäder besucht. Statistisch war der Juli mit insgesamt 678.475 BesucherInnen am stärksten, gefolgt vom Juni mit 645.080 Badegästen.

15. September: Die Eingangshalle des Westbahnhofes ist für die nächsten Jahre gesperrt. Grund dafür sind der Beginn der umfassenden Umbauarbeiten und Modernisierungen des bekannten Kopfbahnhofes. Der seit 1951 in Betrieb genommene Bahnhof wird bis 2011 massiv umgebaut. Die dabei 130 Millionen investierten Euro werden ein neues Untergeschoß, bzw. Büro- und 442 Hotelzimmer mit sich bringen.

3. Oktober: Wien hat seinen ersten islamischen Friedhof. Der 3,4 Hektar große Friedhof in Liesing - zugleich auch der erste islamische Friedhof Österreichs - blickt auf eine jahrelange Entwicklungs- und Planungsgeschichte zurück. Um die 20 Jahre hat es gedauert, bis die für etwa 4.000 Verstorbene ausgerichtete letzte Ruhestätte unter Anwesenheit von Bürgermeister Häupl und hohen islamischen Würdenträgern eröffnet werden konnte. Die Stadt Wien stellte hierfür das Gelände und die Aufschließung zur Verfügung, die baulichen Errichtungen konnten durch großzügige Geldspenden des Staates Katar, des Königreiches Saudi Arabien und des OPEC-Funds umgesetzt werden. Der islamische Friedhof befindet sich in der Großmarktstrasse 2a.

11./12. Oktober: Wien feiert am Rathausplatz sein erstes Wiener Forschungsfest. Rund 20.000 interessierte Wienerinnen und Wiener besuchten die Fest mit seinen diversen Möglichkeiten, aktuelle Forschungen in Wien näher kennen zu lernen.

24. Oktober: Zwei neue Bettenstationen für Knochenmarktransplantationen werden im AKH eröffnet. Seit 1978 wurden hier bereits 1.361 solche Transplantationen durchgeführt.

6. November: Der chinesische Diplomat Feng Shan Ho, der zwischen 1938 und 1940 als Generalkonsul Chinas in Österreich tausende Wiener Juden vor dem Holocaust mittels Visa nach Shanghai rettete, erhält zwei Gedenktafeln in der Johannesgasse.

10. November: In den frühen Morgenstunden kommt es zu einem schweren Lagerhallenbrand am Südbahnhof. Was zuerst "Alarmstufe 2" auslöste, musste später auf "Alarmstufe 4" ausgeweitet werden:
Insgesamt waren ab 2.00 Uhr in der Früh 140 Feuerwehrmänner mit 40 Fahrzeugen im Einsatz. Erst um 6.00 Uhr konnte "Brand aus" ausgegeben werden.

15. November: Der 27 Meter hohe und rund 170 Jahre alte Weihnachtsbaum am Christkindlmarkt wird durch Bürgermeister Häupl erleuchtet und damit der Markt in Betrieb genommen. Der Baum stammt heuer aus den Quellschutzwäldern des Schneebergs, bis 6. Jänner wird er den Wiener Adventmarkt zieren.

20. November: Sturm über Wien: Insgesamt gab es deswegen 120 Einsätze.

20. November: Die Buch Wien findet erstmals in der Halle B am Wiener Messegelände statt. 251 Aussteller (148 aus Österreich, 103 aus dem Ausland) stellen auf 7.000 Quadratmetern ihre "Buchstaben"-Ware, aber auch technologische Weiterentwicklungen in Richtung E-Book aus. Bis 23. November, dem letzten Tag der Messe, besuchten 21.600 Personen die neue Buchmesse, die die Wiener Buchwochen, über viele Jahre im Rathaus angesiedelt, abgelöst hat.

17. Dezember: Die 1913 errichtete und Denkmal geschützte Holzrutsche Toboggan geht ihrem Sanierungsende zu. Die weltweit älteste 100 Meter lange, spiralförmig gedrehte Holzrutsche wird seit Oktober um 350.000 Euro generalsaniert. Ab 15. März, mit Saisonstart im Wiener Prater im kommenden Jahr, wird die Holrutsche wieder zu benutzen sein.

18. Dezember; Das neue "Krankenhaus Nord" wird von dem Wiener Architekten Albert Wimmer gebaut werden. Wimmer ging als Sieger eines EU-weiten Wettbewerbes hervor, Baubeginn wird im Jahr 2010 sein, 2015 könnte das neue Spital seinen Vollbetrieb aufnehmen. Insgesamt gab es knapp unter 40 Einreichungen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Das Krankenhaus in Floridsdorf wird über 850 Betten verfügen. Ziel sei es, ein "Wohlfühlspital" nach modernstem Stand der Technik zu errichten. (Schluss) hch

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