"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein Dank den Spendern!" (Von Thomas Götz)

Ausgabe vom 25.12.2008

Graz (OTS) - Es gibt im Jahr nur eine religiöse Hoch-Zeit, die dem zivilen Leben noch den Rhythmus diktieren kann. Die meisten Kerben, die Christen über Jahrhunderte in den Jahrlauf gegraben haben, sind eingeebnet. Die Donnerstag-Feiertage liegen in vielen Ländern, sogar in Italien, schon auf dem darauf folgenden Sonntag. Ostern feiert nur, wer will und glaubt, Pfingsten sowieso. Selbst der heilige Ferragosto, die Zeit um Mariä Himmelfahrt, ist in Italien nicht mehr die alles lähmende Ferienthrombose. Nur die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr sind unangetastet geblieben, frei für allerhand Spuk, für Regeneration, für Neuanfang.

Frei. Das ist ökonomisch gesprochen ein Verlust, menschlich gedacht eine Überanstrengung. Der Sonntag, hat Thomas Bernhard gemeint, wäre der schlimmste Tag in der Woche, weil man nicht wisse, was tun. Schlimmer noch - bei Thomas Bernhard gibt es immer eine Steigerung des Schlimmsten - wäre nur der Samstag, weil dem der Sonntag folgt. Die Überbietung von Samstag und Sonntag ist Weihnachten.

Feste wollen gefeiert werden, im Passiv. Aktiv ist, der feiert. Das ist anstrengend und widerspricht der Erwartung, das Fest werde uns schon in Stimmung bringen. Das tut es nicht, nicht automatisch.

Trotzdem ist es robust wie kein anderes, auch nicht wie das viel wichtigere Ostern. Vielleicht, weil es die Hoffnungen auf Null stellt. Anfang ist immer prickelnd. Er verspricht ohne viel zu fordern. Und was er doch verlangt, gibt man gerne, noch. Die Mühen der Ebene kommen später. Unsere Großeltern hätten es wohl "Kreuz" genannt.

Vielleicht helfen Menschen gerade deshalb zu Weihnachten gerne. "Steirer helfen Steirern", unsere Hilfsaktion, hat in diesem schwierigen Herbst mehr hilfsbereite Menschen zum Schenken motiviert als im Vorjahr, das bisher den Rekord gehalten hatte. Das widerspricht dem Trend und der Erwartung, vor Krisen legten die Leute ihr Geld lieber auf die hohe Kante als aufs Spendenkonto.

Ein Pfarrer in Oklahoma, hat seiner Gemeinde kürzlich mit bitterem Lachen geraten, angesichts der Finanzskandale könnten sie ihr Geld gleich ihm überlassen, weg ist weg. Dann freilich wäre Resignation das Hauptmotiv: Kua hin, Kalbl hin, sozusagen. Das ist wohl nicht der Antrieb von Helfern. Es ist ein Zeichen von Reife, die Sorge ums eigene Gerstel umzukehren. Wenn es allen schlechter geht, trifft es die Untersten zuerst und am stärksten. Also brauchen Sie einen Polster.

Es ist schön, dass es viele Leser gibt, die so denken und daraus Konsequenzen ziehen. Ich danke Ihnen allen im Namen derer, die die Hilfe brauchen.****

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