"Österreich braucht 'Ja zum Leben' und Kampf gegen Armut"

Kardinal Schönborn erneuerte in "Kurier"-Interview seine "Wunschliste an die Regierung" - Mehr ideelle und materielle Förderung für Familien

Wien, 24.12.08 (KAP) Ein "Ja zum Leben" und den entschlossenen Kampf gegen die Armut erwartet Kardinal Christoph Schönborn von der neuen österreichischen Bundesregierung. Im Weihnachtsinterview mit der Tageszeitung "Kurier" erneuerte der Wiener Erzbischof am Mittwoch seine "Wunschliste" an die SPÖ-ÖVP-Koalition. Kardinal Schönborn fordert darin etwa die Verankerung des Euthanasie-Verbots in der Verfassung, ein Verbot der "verbrauchenden" Embryonenforschung und die Umsetzung der vor mehr als drei Jahrzehnten versprochenen "flankierenden Maßnahmen" zur Fristenregelung. Konkret geht es dabei um eine anonyme Statistik zur Anzahl der Abtreibungen, die bundesweite Einrichtung von Beratungsstellen für schwangere Frauen in Not und die staatliche Förderung des kirchlichen "Hilfsfonds für Schwangere".

"Außerdem brauchen wir einen entschlossenen Kampf gegen die Armut", stellte der Kardinal in dem Interview fest. Die "bedarfsorientierte" Existenzsicherung sei zu verwirklichen, Pflege müsse als "Grundrisiko wie Krankheit und Arbeitslosigkeit" eingestuft werden.

Mit den Worten "Österreich ist keine Insel" erinnerte der Wiener Erzbischof an die bereits vor 40 Jahren versprochene Erhöhung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens.

Zur Unterstützung der Familien sprach sich Kardinal Schönborn erneut für eine regelmäßige Wertanpassung der staatlichen Familienleistungen aus. "Was wir brauchen, ist eine umfassende ideelle und materielle Förderung der Familien. Man muss nur nach Frankreich schauen: Dort gibt es seit den vierziger Jahren eine umfassende Familienförderung samt ordentlicher Kinderbetreuung. Daher hat Frankreich auch eine ordentliche Geburtenrate".

Keine Freude hat der Wiener Erzbischof mit dem weihnachtlichen Konsumrausch. "Viele Menschen haben das Wichtigste vergessen, das ihrem Leben Richtung und Sinn geben kann. Es ist schlecht, wenn der Konsum zum einzigen Lebensinhalt wird. Dann wird das Leben schal". (forts.)
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